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Artemis-II-Mission Wie ein Zürcher Forscher der Nasa beim Sparen hilft

Wer eine Raumkapsel steuern will, muss genau wissen, wo sie sich in den Weiten des Alls befindet. Dazu benutzt die Nasa riesige, kostspielige Antennen. Geht eine solche Ortung auch einfacher? Das untersucht ein einzigartiges Projekt parallel zur Mondmission. Live mit dabei: die Uni Zürich.

Es ist – etwas überspitzt formuliert – eine Sparübung, bei der Physiker Achim Vollhardt von der Universität Zürich sehr gerne mitmacht. Denn dank der Teilnahme an dem einzigartigen Nasa-Experiment war er so nah an der Orion-Raumkapsel der Artemis-II-Mission dran, wie sonst wohl kaum jemand in der Schweiz.

Zusammen mit weltweit 34 Stationen hilft er der Nasa beim «Downsizing». Sie untersuchen, wie stark der Aufwand schrumpfen darf, damit Objekte wie die Orion Raumkapsel noch zuverlässig geortet werden können. Aber auch geschrumpft bedeutet: eine noch immer ganz ordentlich grosse Antenne.

Sie steht auf dem Dach des Physikgebäudes der Universität Zürich – ein Parabolspiegel mit etwas über 1.8 Metern Durchmesser. Ausgerüstet mit Motoren, um die Antenne zu steuern. Denn im Gegensatz zu einem Fernsehsatelliten bewegt sich die Orion-Raumkapsel am Himmel. Die Antenne muss sie laufend verfolgen, um Signale von ihr empfangen zu können.

Die Nasa benutzt dafür Antennen mit mindestens 34 Metern Durchmesser. Die sind sehr leistungsfähig, aber auch ständig überbucht und teuer im Unterhalt. Es wäre deshalb für die Nasa attraktiv, die Ortung der Raumkapsel auszulagern – an Anbieter mit kleineren Schüsseln.

Grosse Satellitenschüssel vor Hügel und Wolkenhimmel.
Legende: Die Deep Space Station 53 (DSS-53) ist eine 34-Meter-Antenne in Madrid. Die Nasa nutzt Antennen wie diese – oder sogar grössere – für ihre Missionen. Dazu betreibt sie mehrere Antennen verteilt auf der ganzen Welt. NASA/JPL-Caltech

«Wir müssen uns mit der 1.8 Meter Antenne deutlich mehr anstrengen, um die Signale zu empfangen. Wir können auch bloss einen ganz kleinen Teil der Signale empfangen.» erklärt Achim Vollhardt. Dieser kleine Teil sollte aber reichen, um zu sehen, wo sich die Raumkapsel befindet. Das ist unerlässlich für die Navigation. Denn will man eine Raumkapsel in den Weiten des Universums steuern, muss man exakt wissen, wo sie ist.

Dieses «Wo bin ich?» machen wir auf der Erde unter anderem mit GPS Satelliten. Im Weltraum geht das zum Beispiel mittels Messung des Doppler-Effekts.

Doppler-Effekt? Feuerwehrauto!

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Wir kennen den Doppler-Effekt vom Feuerwehrauto, das an uns vorbeifährt, also seine Position zu uns verändert. Fährt es auf uns zu, dann klingt sein Signalton höher. Fährt es von uns weg, klingt der Signalton tiefer.

Das Signal, das das Feuerwehrauto abgibt ist zwar immer gleich. Doch für uns als Beobachter verändert sich die Tonhöhe – und damit die Frequenz – weil sich das Feuerwehrauto relativ zu uns Beobachtenden bewegt.

Mit dem Doppler-Effekt kann man Geschwindigkeit und Richtung von Objekten relativ zu einem Beobachter messen.

Diesen Doppler-Effekt nutzt man auch im Weltall. Den Signalton sendet in diesem Fall die Raumkapsel. «Für eine Doppler-Messung sind diese kleinen Antennen gut genug. In der aktuellen Studie wollen wir herausfinden, wie gut die Datenqualität der Doppler-Messung mit kleinen Antennen ist.» erklärt Achim Vollhardt.

Ein «normaler» Computer reicht

In seiner Elektronikwerkstatt steht am Ende einer mit Kabeln und Geräten vollgepackten Werkbank ein ganz normaler Computer. Er steuert die Antenne auf dem Dach und speichert, was sie von der Orion-Raumkapsel empfängt. Achim Vollhardt macht die Daten hörbar. Damit sich das Signal vom rauschen abhebt, verändert er seine Tonhöhe künstlich. Dieses Signal hat die Raumkapsel einen Tag vor ihrer Rückkehr gesendet.

Wenn Zürich aber vom Mond wegschaut, gibt es keinen Kontakt zur Kapsel und kein Signal. Darum braucht es ein weltweites Netz dieser kleineren Antennen. Messen mehrere Bodenstationen gleichzeitig, kann berechnet werden wo sich die Kapsel befindet, und wohin sie fliegt. «Es ist beeindruckend, mit wie wenig Ressourcen der Empfang von solchen Signalen überhaupt möglich ist. Und es macht Spass, mit Studierenden daran zu arbeiten.»

Bevor die Nasa entscheidet, ob – und an wen – sie Navigationsaufträge auslagert, muss sie nun untersuchen, ob die aufgezeichneten Daten überhaupt gut genug sind. Ob also gespart werden kann, wird sich erst nach der Datenauswertung in einigen Monaten zeigen.

Radio SRF 1, Echo der Zeit, 10.4.2026, 18:00 Uhr

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