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Ex-Miss und Best-Ager-Model Bianca Sissing: «Tragisch, dass Fehlgeburten ein Tabuthema sind»

Die Miss Schweiz von 2003 kam diesen Frühling durch «Germany’s Next Topmodel» zurück ins Rampenlicht. Bianca Sissing nützt ihre Öffentlichkeit aber auch, um offen über schwierige Zeiten zu reden und so anderen Mut zu machen.

Bianca Sissing

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Die 1979 geborene Bianca Sissing erlangte 2003 als Miss Schweiz landesweite Bekanntheit. Die gebürtige Kanadierin mit südafrikanischen Wurzeln arbeitete nach ihrer Amtszeit als Model und Moderatorin. Ab 30 zog sie sich aus der Öffentlichkeit zurück und arbeitete als zertifizierte Yogalehrerin und Mental Coach. Im Frühjahr 2026 nahm sie bei «Germany's Next Top Model» teil und schaffte es in die Top 10.

SRF: Wie kamen Sie auf «Germany’s Next Topmodel»?

Bianca Sissing: Ich wollte eine Familie gründen, was nicht geklappt hat. Also fand ich: Das kann nicht alles sein. Modeln hat mir stets Spass gemacht, aber ich gab es mit 30 auf, weil damals der Stress gross war, dünn zu sein. In den letzten Jahren hat sich die Model-Branche aber für Diversität geöffnet. Also dachte ich über ein Comeback nach. Und als schneller Weg zurück bot sich diese TV-Sendung an.

Was nehmen Sie aus der Sendung mit?

Ich habe viel über meine Stärken und Schwächen gelernt. Es ergaben sich auch bereits Model-Jobs.

Wieviel hat die Miss Schweiz von 2003 noch mit der heutigen Bianca Sissing zu tun?

Mit der Lebenserfahrung wird man besser. Ich bin aber stolz auf die Bianca von damals und habe das Miss-Jahr sehr genossen.

Hat sich der Zeitgeist seither stark verändert?

Ja, zum Positiven. Damals habe ich auch rassistische Kommentare erhalten. Heute wird Diversität gefeiert. Auf der Strasse sprechen mir viele Lob für meine Auftritte als Best-Ager-Model aus.

Und negative Social-Media-Kommentare?

Klar, die Fashion-Branche geht nicht ohne Social Media. Durch die Anonymität schreiben die Leute vieles. Ich erhalte aber weniger schlechte Kommentare.

Sie blieben ungewollt kinderlos, weil ihr Partner Sie immer auf später vertröstete. Wie gehen Sie heute mit dieser schmerzhaften Erfahrung um?

Das war ein eher langer Prozess. Ich habe mir Hilfe gesucht und darüber gesprochen, weil mir das half. Emotionen zuzulassen ist sehr wichtig. Und auch Bewegung. Bewegung wirkt Depressionen entgegen.

Und wie gross ist Ihr Ärger?

Wut, Ärger und Frustration waren am Anfang sehr präsent.

Sie haben Ihrem Partner den Kinderwunsch immer klar kommuniziert.

Ja. Und jetzt spreche ich offen darüber, weil ich weiss, dass sehr viele Frauen Ähnliches erlebt haben. Ich erhalte viele Zuschriften. Ich will, dass dieses Thema kein Tabu mehr ist.

Auch mit Ihren zwei Fehlgeburten haben Sie etwas thematisiert, über das wenig gesprochen wird. Wieso ist das so?

Das frage ich mich auch. Das passiert so oft. Es ist fast normal. Warum also reden wir nicht darüber – auch Frauen untereinander nicht? Das ist tragisch.

Ihr Ex-Partner wurde in seiner nächsten Beziehung Vater.

Erst fühlte ich mich im falschen Film. Heute denke ich, vielleicht waren wir einfach nicht die richtigen Personen füreinander, um Kinder zu haben. Ich sage mir: Wenn das nicht mein Weg ist, muss es eine andere Form geben, meine mütterliche Liebe zeigen oder teilen zu können.

Was raten Sie Frauen in ähnlichen Situationen?

Es ist immer gut, über Dinge zu sprechen – so früh wie möglich. Und man sollte nie eigene Träume aufgeben wegen jemand anderem.

«Gredig direkt» neu als Podcast

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Urs Gredig
Legende: SRF

Urs Gredig empfängt in seiner wöchentlichen Talkshow prominente Gäste aus Politik, Wirtschaft, Unterhaltung, Sport und Gesellschaft. Seit Januar dieses Jahres gibt es seine Sendung auch als Podcast.

Haben Sie mit dem Kinderwunsch abgeschlossen?

Ich habe mit meinem neuen Partner viel unternommen, um schwanger zu werden. Aber es hat nicht geklappt. Jetzt bin ich 47 und habe es akzeptiert, kein eigenes Kind zu haben.

Resilienz war für Sie immer ein Thema. Ihre Mutter war schwer depressiv. Waren Ihre Kindheitserfahrungen später mehr Hilfe oder Last?

Ich sehe alle Dinge immer positiv. Meine Kindheit hat mich resilient gemacht. Und wenn ich zurückschaue, war ich als Kind schon Mutter – für meine eigene Mutter. Ich denke, das Universum sagt deshalb: Du hattest Deine Mutterrolle schon. Jetzt ist die Zeit, zu Dir selbst zu schauen.

Das Gespräch führte Urs Gredig.

SRF 1, 21.5.2026, 22:25 Uhr ; 

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