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Fixstern am Musikhimmel Stephan Eicher: «Meine Lieblingsdroge ist Arbeit»

Stephan Eicher ist seit über 40 Jahren eine feste Grösse im Musikbusiness. Kürzlich ist sein 18. Album erschienen.

Stephan Eicher

Musiker

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Stephan Eicher ist ein Schweizer Popmusiker, der durch seine Mehrsprachigkeit besticht. Er hat Lieder in Französisch, Deutsch, Englisch, Italienisch und Berndeutsch veröffentlicht. Eichers Karriere begann in den frühen 1980er Jahren mit Post-Punk und Synthie-Pop. Seine Musik entwickelte sich aber zu einer Mischung aus Folk, Rock und Chanson. Der heute 65-Jährige gilt als Brückenbauer zwischen den Sprachkulturen.

SRF: Musikschaffende verdienen am Streaming fast nichts.

Stephan Eicher: Ja, aber seit 2018 habe ich mit diesem wenigen Geld konsequent Spotify-Aktien gekauft.

Echt?

Ja (grinst). Und zur Finanzierung meines neuen Albums habe ich diese Aktien verkauft, die nun 600 Prozent mehr wert waren. Zum Glück bin ich sie los, denn der Spotify-CEO investiert mittlerweile viel in Waffen.

Welches Gefühl umschreibt Dein neues Album am besten?

Wenn man über ein künstlerisches Erzeugnis gut sprechen kann, hat man etwas falsch gemacht. Auf dem Album erzähle ich in einem warmen Zuhause jemandem – hoffentlich zärtlich und aufmerksam – was ich in der Welt draussen alles gesehen habe.

Bist Du Melancholiker?

Melancholie ist schon ein Parfüm, das ich schätze. Aber eigentlich bin ich eher frohen Mutes – einfach erst nach dem zweiten Kaffee.

Passt das Wort «Sehnsucht»?

Noch besser, voilà! Mach doch das Interview mit dir selbst (lacht).

Wir leben in turbulenten Zeiten. Macht das Morgen Dir Angst?

Ich bin nicht sicher, ob sie turbulenter sind als andere. Ich glaube, die Welt ist gar nicht so schlecht. Vielleicht scheint ja morgen ein wenig die Sonne.

Bist Du positiver, als man Dir zutraut?

Meine Mutter hat mir Contenance beigebracht. Musik ist das Gegenteil von Angst. Ich gehe sie immer voller Elan und Zuversicht an.

Auch keine Angst vor Schreibblockaden?

Nein, ich liebe Arbeit. Sie ist meine Lieblingsdroge. Ich bin nicht sehr talentiert, aber ziemlich ehrgeizig.

Gibt es Dinge, die Du nur mit Musik ausdrücken kannst?

Absolut. Aus dem Zusammenspiel von Leuten entsteht etwas, das grösser ist als die Einzelpersonen. Das kann nur Musik. Sie ist mein bester Freund.

Die Promo-Arbeit für neue Werke hast Du «Schlachfeld der Aufmerksamkeit» genannt. Du fühlst Dich also jetzt hier unwohl?

Nein, ich bin gern im Kontakt mit Menschen. Gemeint war eher Social Media, wo man in fünf Wörtern etwas für gut oder schlecht befindet. Ausserdem wird dort Intimität eingefordert.

Auf dem neuen Album ist ein Liedtext des Schweizer Autors Martin Suter. Er wirkt fast wie ein Liebeslied. An Dich?

Ich habe das nie herausgefunden.

Hast Du nachgefragt?

Natürlich, aber er gibt nie eine Antwort. Er ist viel zu intelligent und weiss schon, wie man mit mir reden muss (lacht).

Du bist 65. Habe ich einen AHV-Bezüger vor mir?

Nein, und mit der AHV kann man ehrlich gesagt ein Leben als Musiker auch nicht bestreiten.

Du kannst gar nicht aufhören, zu arbeiten?

Auf Tournee habe ich ein Team von rund 15 Leuten. Die sind jünger als ich und haben finanzielle Verpflichtungen. Es wäre nicht so chic, ihnen zu sagen: «Das war's jetzt».

Martin Suter hofft, dass Du nie erwachsen wirst.

Ein schöner Satz.

Besteht die Gefahr?

Manchmal schon. Aber ich habe es noch nicht vor.

Das Gespräch führte Urs Gredig.

SRF 1, 15.1.2026, 22:25 Uhr ; 

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