Der Film «Hamnet» spielt Ende des 16. Jahrhunderts und erzählt eine fiktionalisierte Version der Familiengeschichte von William Shakespeare. Im Zentrum steht seine Frau Agnes – eine naturverbundene Falknerin und Heilerin –, sowie das gemeinsame Familienleben.
Das Ehepaar bekommt drei Kinder, darunter die Zwillinge Judith und Hamnet. Der einzige Sohn ist eng verbunden mit seinem Vater, dem bewunderten Dramatiker. Doch die heile Welt zerbricht: Hamnet stirbt mit elf Jahren an der Pest. Die Liebe zwischen den Eltern droht am Schmerz zu ersticken.
Wie wird aus Verlust ein Meisterwerk?
Um den Verlust zu verarbeiten, zieht William Shakespeare nach London und beginnt «Hamlet» zu schreiben – eines der grossen Dramen der Literaturgeschichte.
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Bild 1 von 2. Jacobi Jupe beeindruckt als junger Hamnet. Bildquelle: FOCUS FEATURES.
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Bild 2 von 2. Sein Bruder Noah Jupe als älterer Hamlet im Bühnenstück. Bildquelle: FOCUS FEATURES.
«Hamnet» basiert auf dem gefeierten gleichnamigen Roman der irisch-britischen Schriftstellerin Maggie O'Farrell. Er erzählt die fiktive Geschichte von Shakespeares Familie, die auf historischen Fakten basiert: William Shakespeare und seine Frau hatten drei Kinder. Und Sohn Hamnet starb mit elf Jahren. Durchaus möglich dass diese Tragödie den Poeten zu seinem Meisterwerk «Hamlet» inspirierte.
Emotionale Räume statt Biographie
Regie führt die chinesische Oscarpreisträgerin Chloé Zhao («Nomadland», «Eternals»), die gemeinsam mit der Autorin auch das Drehbuch schrieb. Zhao interessiert sich weniger für biographische Genauigkeit als für die emotionalen Räume dahinter. Diese erzählt sie eindringlich und sensibel.
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Bild 1 von 1. Das stolze «Hamnet»-Team mit zwei Golden-Globes-Trophäen: Der Film wurde bei den Golden Globes als bestes Drama ausgezeichnet. Jessie Buckley gewann den Preis als beste Hauptdarstellerin. Bildquelle: Keystone/AP Photo/Chris Pizzello.
«Diese Frau ist so lebendig und kompromisslos und hat eine elementare Kraft», sagt die Hauptdarstellerin Jessie Buckley über ihre Figur Agnes: «Manchmal ist es eine Art schwarz und weiss, wenn man eine starke Frau ist. Entweder bist du stark oder verletzlich. Und diese Frau besitzt beides, eine grosse Stärke und eine wilde Zärtlichkeit. Und das war genau das, was ich erforschen wollte.»
«Der Roman ist brillant geschrieben», schwärmt Chloé Zhao, «je grösser die Trauer ist, die man empfindet, desto grösser ist auch die Liebe. Das eine kann ohne das andere nicht existieren.»
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Bild 1 von 1. Chloé Zhaos «Nomadland» gewann 2021 den Oscar für den besten Film. Sie selbst gewann den Preis für die beste Regie – als erst zweite Frau in der Oscargeschichte. Bildquelle: KEYSTONE/DPA/Carsten Koall.
Und Jessie Buckley doppelt nach: «Für mich ist es nicht nur eine Geschichte über Trauer. Es ist auch eine Geschichte über Liebe und den Mut zu lieben. Auch wenn man weiss, dass man verlieren kann.»
Beeindruckend ist nicht nur das Schauspiel von Jessie Buckley, sondern auch das von Jacobi Jupe, dem Darsteller des jungen Hamnet.
«Hamnet» bricht einem das Herz – und setzt es wieder zusammen
Die Anforderungen im Casting seien hoch gewesen, so die Regisseurin: «Hamnet musste dem Publikum das Herz öffnen, dann das Herz brechen und es in einem Theaterstück, das nach ihm benannt ist, wieder zusammensetzen.»
Gemeint ist die Schlussszene des Films, in der Agnes im Globe Theatre der Premiere von «Hamlet» beiwohnt – jenem Stück, das Shakespeare nach dem Tod seines Sohnes schrieb und das der Film als emotionalen Spiegel der Familiengeschichte inszeniert.
«Hamnet» erzählt von Liebe und Trauerbewältigung. Und von einem Heilungsprozess, der erst durch die Kraft der Kunst möglich wird. Tiefgründig, kraftvoll und mitreissend.
Kinostart: 22. Januar