«Michael» ist eine Heldengeschichte, wie sie die meisten Biopics erzählen. Michael Jackson schafft es, trotz widriger Umstände – in diesem Fall ein furchteinflössender, gewalttätiger Vater, der nicht will, dass sein Sohn eine Solokarriere macht – zum Star zu werden.
Nur: Die schwierige Beziehung zum Vater ist nichts Neues. Michael Jackson hat darüber gesprochen und in seiner Autobiografie geschrieben.
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Bild 1 von 2. Der echte Michael Jackson mit seinem Vater Joseph «Joe» Jackson. 1993 gab der Musiker Oprah Winfrey ein 90-minütiges Interview. Darin erzählte er quasi die Geschichte von «Michael»: Missbrauch durch den Vater, keine Kindheit und grosse Einsamkeit. Mit 90 Millionen Zuschauern wurde es zum meistgesehenen Fernsehinterview in der US-Geschichte. Bildquelle: Keystone/Joshua Gates Weisberg.
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Bild 2 von 2. Im Film wird Joe Jackson vom Emmy-Gewinner und zweifach Oscar-nominierten Schauspieler Colman Domingo gespielt. Bildquelle: Universal.
«Michael» deckt die Zeit von Mitte der 1960er bis Ende der 1980er ab. Es geht um die Anfänge mit den Jackson Five, als Michael Jackson gerade mal sechs Jahre alt war, um sein erstes Soloalbum «Off The Wall» (1979), um seinen Welterfolg mit «Thriller» (1982), dem meistverkauften Album der Musikgeschichte. Der Film endet während der «Bad»-Tour (1987 bis 1989).
Michael Jackson – das Opfer
In diesem Biopic hat Michael Jackson auch die Opferrolle. Opfer seines Vaters, Opfer seines frühen Erfolges. Aus diesen Ereignissen versucht der Film seine bekannten Schwächen und Marotten zu erklären.
Der Vater war einschüchternd. Deshalb hatte Michael Jackson ein angeschlagenes Selbstbewusstsein. Weil der Vater sich in seinen Kindheitstagen über die angeblich zu grosse Nase lustig machte, marschierte Michael Jackson als Erwachsener zum Schönheitschirurgen und wurde besessen von seinem Riechorgan.
Wegen des rigiden Tanz- und Gesangstrainings des Vaters und des frühen Erfolges, sagt der Film, hatte der Star keine Kindheit, war oft allein und besass keine Freunde. Das war der Grund, dass er später Schimpanse Bubbles als ständigen Begleiter hatte und sich gerne unter Kindern aufhielt.
Missbrauchsvorwürfe bleiben unerwähnt
Die Erklärungen machen ohne weiteres Sinn. Trotzdem wirken sie seltsam harmlos. Weil die Vorwürfe wegen Kindesmissbrauch keinen Platz finden. Dass es erst im Februar eine neue Klage gab, macht die Sache brisanter.
Laut Branchenblatt «Variety» sollte das Biopic die Auswirkungen der Vorwürfe auf Jackson beleuchten. Doch jegliche Erwähnungen wurden entfernt.
So ist der Film eines dieser typischen Biopics geworden, die ein weichgezeichnetes Portrait des Stars abliefern. So wie zuvor «Bohemian Rhapsody» über Freddie Mercury, «Back to Black» über Amy Winehouse oder «Bob Marley: One Love».
Die Ursache ist meist gleich: Die Stars selbst, deren Familie oder Nachlassverwalter produzieren den Film und möchten ein möglichst positives Bild abliefern. Aus persönlichen Gründen, aber natürlich auch, um Geld zu verdienen. Mit wirklich kritischen Filmen geht das nicht.
Kritik von der Tochter
Die Michael-Jackson-Tochter Paris, die sich von «Michael» distanziert hat, hat die Problematik auf Instagram gut erklärt: «Das Problem bei diesen Biopics ist: Es ist Hollywood. Es ist ein Fantasieland. Es ist nicht real.»
Zu «Michael» bemerkte sie: «Es gibt viele Ungenauigkeiten und jede Menge regelrechte Lügen, und letztendlich kann ich mich damit nicht wirklich anfreunden … Ich habe meine Meinung gesagt, man hat mir nicht zugehört.» Ausserdem sagte sie: «Der Film richtet sich an einen ganz bestimmten Teil der Fangemeinde meines Vaters, der immer noch in der Fantasiewelt lebt. Und die werden damit zufrieden sein.» Dem gibt es eigentlich nichts hinzuzufügen.
Kinostart am 22. April.