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Neu im Kino «Michael»: ein Jackson-Biopic ohne sein dunkelstes Kapitel

Ein verängstigtes Kind, ein brutaler Vater, ein aussergewöhnliches Talent: Das Biopic «Michael» zeigt den Musiker Michael Jackson als Mann mit schwieriger Kindheit und Opfer seines frühen Ruhms. Die Missbrauchsvorwürfe gegen ihn blendet der Film komplett aus.

«Michael» ist eine Heldengeschichte, wie sie die meisten Biopics erzählen. Michael Jackson schafft es, trotz widriger Umstände – in diesem Fall ein furchteinflössender, gewalttätiger Vater, der nicht will, dass sein Sohn eine Solokarriere macht – zum Star zu werden.

Nur: Die schwierige Beziehung zum Vater ist nichts Neues. Michael Jackson hat darüber gesprochen und in seiner Autobiografie geschrieben.

«Michael» deckt die Zeit von Mitte der 1960er bis Ende der 1980er ab. Es geht um die Anfänge mit den Jackson Five, als Michael Jackson gerade mal sechs Jahre alt war, um sein erstes Soloalbum «Off The Wall» (1979), um seinen Welterfolg mit «Thriller» (1982), dem meistverkauften Album der Musikgeschichte. Der Film endet während der «Bad»-Tour (1987 bis 1989).

Michael Jackson – das Opfer

In diesem Biopic hat Michael Jackson auch die Opferrolle. Opfer seines Vaters, Opfer seines frühen Erfolges. Aus diesen Ereignissen versucht der Film seine bekannten Schwächen und Marotten zu erklären.

ein Mann im Tonstudio.
Legende: Family Business: Jaafar Jackson spielt in «Michael» den King of Pop. Der 29-Jährige ist der Neffe von Michael Jackson. Universal

Der Vater war einschüchternd. Deshalb hatte Michael Jackson ein angeschlagenes Selbstbewusstsein. Weil der Vater sich in seinen Kindheitstagen über die angeblich zu grosse Nase lustig machte, marschierte Michael Jackson als Erwachsener zum Schönheitschirurgen und wurde besessen von seinem Riechorgan.

Wegen des rigiden Tanz- und Gesangstrainings des Vaters und des frühen Erfolges, sagt der Film, hatte der Star keine Kindheit, war oft allein und besass keine Freunde. Das war der Grund, dass er später Schimpanse Bubbles als ständigen Begleiter hatte und sich gerne unter Kindern aufhielt.

Person in rotem Hemd mit Affe.
Legende: Der echte Michael Jackson und Affe Bubbles. Er nahm das Tier mit auf Tour. Es lebte bis 2003 bei dem Star. Keystone/Str

Missbrauchsvorwürfe bleiben unerwähnt

Die Erklärungen machen ohne weiteres Sinn. Trotzdem wirken sie seltsam harmlos. Weil die Vorwürfe wegen Kindesmissbrauch keinen Platz finden. Dass es erst im Februar eine neue Klage gab, macht die Sache brisanter.

Laut Branchenblatt «Variety» sollte das Biopic die Auswirkungen der Vorwürfe auf Jackson beleuchten. Doch jegliche Erwähnungen wurden entfernt.

Warum sind die Erwähnungen nicht mehr im Film?

Box aufklappen Box zuklappen

Die Anwälte der Jackson-Nachlassverwalter, die auch Produzenten sind, sollen etwas übersehen haben: eine Klausel in einer früheren Einigung mit einem der Jackson-Ankläger, die seine Darstellung oder Erwähnung in Filmen untersagt.

Als Folge mussten Teile von «Michael» neu gedreht werden. Statt mit den Missbrauchsvorwürfen gegen den «King of Pop» zu schliessen, endet der Film nun mit dem Abschluss der «Bad»-Tour im Januar 1989. Die Kosten für die Nachdrehs trug der Jackson-Nachlass.

So ist der Film eines dieser typischen Biopics geworden, die ein weichgezeichnetes Portrait des Stars abliefern. So wie zuvor «Bohemian Rhapsody» über Freddie Mercury, «Back to Black» über Amy Winehouse oder «Bob Marley: One Love».

Person mit Sonnenbrille unter einem schwarzen Regenschirm, umgeben von anderen Menschen.
Legende: 1993 wurde Michael Jackson erstmals vorgeworfen, ein Kind sexuell missbraucht zu haben. 2003 gab es erneut Vorwürfe. 2005 wurde er vor Gericht gestellt und freigesprochen. In «Michael» wird das Kapitel nicht thematisiert. IMAGO / Newscom World

Die Ursache ist meist gleich: Die Stars selbst, deren Familie oder Nachlassverwalter produzieren den Film und möchten ein möglichst positives Bild abliefern. Aus persönlichen Gründen, aber natürlich auch, um Geld zu verdienen. Mit wirklich kritischen Filmen geht das nicht.

Kritik von der Tochter

Die Michael-Jackson-Tochter Paris, die sich von «Michael» distanziert hat, hat die Problematik auf Instagram gut erklärt: «Das Problem bei diesen Biopics ist: Es ist Hollywood. Es ist ein Fantasieland. Es ist nicht real.»

Eine blonde Frau.
Legende: Paris Jackson: Die Schauspielerin ist das zweite Kind von Michael Jackson und Debbie Rowe. Dem Biopic «Michael» steht die 28-Jährige kritisch gegenüber. Keystone/Richard Shotwell

Zu «Michael» bemerkte sie: «Es gibt viele Ungenauigkeiten und jede Menge regelrechte Lügen, und letztendlich kann ich mich damit nicht wirklich anfreunden … Ich habe meine Meinung gesagt, man hat mir nicht zugehört.» Ausserdem sagte sie: «Der Film richtet sich an einen ganz bestimmten Teil der Fangemeinde meines Vaters, der immer noch in der Fantasiewelt lebt. Und die werden damit zufrieden sein.» Dem gibt es eigentlich nichts hinzuzufügen.

Kinostart am 22. April.

News Plus, 22.4.2026, 17:14 Uhr

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