Die Nachrichten sind mies. Die Welt ist in Aufruhr: Unruhen, Attentate, die Wirtschaften mehrerer südamerikanischer Länder stehen vorm Zusammenbruch. Schuld ist Ven, der reichste Mann der Welt und Besitzer der Social-Media-Plattform Traan.
Er hat ein neues Feature herausgebracht, das Deepfakes zum Kinderspiel und Wahrheit zu einer aussterbenden Art macht. Ihm ist das egal. «Wir werden den Nutzern so viel Scheisse wie möglich zeigen, bis alle erkennen, dass nichts wirklich ernst ist», sagt Ven.
Er ist mit Randall, Jeff und Souper – drei anderen Tech-Unternehmern – in einer schicken Villa in den Bergen. Eigentlich wollen sie nur Spass haben, aber jeder hat geschäftliche Absichten.
Ven möchte Jeffs Firma übernehmen. Weil die eine Technologie zur Faktenprüfung besitzt, mit der eine Überarbeitung seines neuen Features nicht durchführen müsste.
Randall, der älteste in der Gruppe, ist krebskrank, hofft auf Unsterblichkeit durch «transhumane» Rettung. Sprich, dass sein Geist irgendwie ins Netz gespeist werden kann. Der einzige, dem er das zutraut, ist Ven. Souper hingegen möchte, dass die anderen in Slowzo, seine «Lifestyle-Super-App», investieren.
Die selbsternannten Herren der Welt
Die vier Egomanen sind eitel, eingebildet, kindisch. Sie halten sich für die Könige der Welt, allen anderen überlegen. Dass sie die Verantwortung für die aktuelle Weltkrise haben, kommt ihnen nicht in den Sinn. Dafür glauben sie, jedes Problem lösen zu können.
Als die Situation in Südamerika eskaliert, beschliessen sie eines der Länder zu übernehmen und aus der Krise zu führen. Ein Milliardär fragt ironisch: «Sind wir die Bolschewiken einer neuen technologischen Weltordnung, die heute Abend beginnt?»
Bösewichte mit viel Geld und viel Macht
Der Tech-Milliardär als irrationaler, arroganter Superschurke war schon vor der Bromance zwischen Musk und Trump und deren späterem Ende ein beliebtes Thema in vielen Filmen. Ob im Ryan-Reynolds-Film «Free Guy» (2021), dem vierfach oscarnominierten Endzeitkomödie «Don't Look Up» (2021) oder zuletzt, in diesem Jahr, in der Fortsetzung von «The Naked Gun». Da will der Tech-Bösewicht die Menschheit in Primaten verwandeln.
Schon 2022 beschwerte sich Elon Musk auf X (damals noch Twitter): «Hollywood weigert sich, auch nur eine einzige Geschichte über ein echtes Start-up-Unternehmen zu schreiben, in der der CEO kein Trottel und/oder Bösewicht ist.» «Mountainhead» wird ihm also sicher nicht gefallen.
Die Story-Ansätze von «Mountainhead» sind aktuell, aber nicht sonderlich originell. Dass Tech-Unternehmer sich als Weltverbesserer inszenieren, ist Realität. Die Vorstellung, dass sie die Macht übernommen haben, eine bekannte Verschwörungserzählung. Diese wirkt für viele seltsam real, seit der Versammlung von Meta-CEO Mark Zuckerberg, Amazon-CEO Jeff Bezos, Google-CEO Sundar Pichai und X-Chef Elon Musk bei Donald Trumps Amtseinführung.
Steve Carell in Bestform
Der HBO-Film ist kein Meisterwerk, aber humorvoll und bissig, mit guten Dialogen und tollen Schauspielern. Insbesondere Steve Carell («The Office») war selten besser.
Das Ganze besitzt eine gute Horrornote. Denn die Tech-Schurken sind mit ihrer Mischung aus Intelligenz, Naivität und Skrupellosigkeit seltsame, faszinierende Monster in Menschengestalt, die einem Angst machen.
«Mountainhead» läuft ab dem 30. August auf Sky.