Drogenkoma, Kindheitstraumata, zerstörte Nase: Als Netflix zuletzt einen Blick hinter die Kulissen eines Deutschrap-Superstars gewährte, dominierte jene Doku wochenlang die Schlagzeilen.
Wenn nun erneut ein Genre-Schwergewicht die Türen öffnet – und erst noch eine so polarisierende Figur wie Shirin David, eine der erfolgreichsten Deutschrapperinnen der Gegenwart – lohnt sich ein genauer Blick.
Ganz so dramatisch wie bei manchen Kollegen verläuft die Biografie der Hamburgerin jedoch nicht. Geboren als Barbara Shirin Davidavičius beginnt ihre Karriere vergleichsweise unspektakulär: mit YouTube-Videos, die sie seit sie 19 ist veröffentlicht. Zunächst Influencerin, folgt 2019 der Schritt in die Musik. Mit dem Sommerhit «Bauch Beine Po» (2024) erreicht diese Laufbahn ihren bisherigen kommerziellen Höhepunkt.
Seit sie im Rampenlicht steht, ist David massiver Onlineanfeindung ausgesetzt – auch «Barbara – Becoming Shirin David» thematisiert dies kurz. Die Erkenntnis fällt ernüchternd aus: Gegen das Internet lässt sich kaum gewinnen.
Darum soll im Zentrum dieser Doku, die im Vorfeld von Davids Arena-Tour 2025 beginnt, lieber etwas anderes stehen. David formuliert die Leitfrage gleich selbst: Wie koexistieren Privatperson und Bühnenfigur eines Superstars? «Wie ist Shirin? Wie ist Babsi?», fragt die Musikerin. Babsi ist ein Kosename, den sie von ihrer Mutter erhalten hat.
Das Produkt «Shirin David»
Wer David in den Interviewpassagen zuhört, merkt sofort: Mit der klischeehaften Blondine, die sie auf der Bühne verkörpert, hat die reflektierte Geschäftsfrau wenig gemeinsam. Die Rapperin spricht über Ehrgeiz, über ihren «Ich zeig's euch»-Antrieb, über Druck und darüber, dass sie längst nicht nur Musikerin, sondern auch das Gesicht eines Unternehmens ist.
Natürlich kommen auch ihre engsten Bezugspersonen zu Wort: Mutter Erika und Manager Taban. Doch der versprochene, noch nie dagewesene Blick hinter die Kulissen bleibt frustrierend vorsichtig.
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Bild 1 von 5. Auch abseits der Bühne stets durchgestylt: Shirin David auf dem Poster ihrer Netflix-Doku. Bildquelle: Netflix.
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Bild 2 von 5. Shirin David posiert mit ihrem zweiten Bambi nach der Verleihung in München (2024). Bildquelle: Netflix.
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Bild 3 von 5. Um einen makellosen Auftritt hinzulegen, hat Shirin David ein ganzes Team hinter sich – auch in der Maske. Bildquelle: Netflix.
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Bild 4 von 5. Denn Haare, Make-Up und Kleider müssen stets perfekt sitzen. Bildquelle: SRF.
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Bild 5 von 5. Verletzliche Momente sind in der Doku ebenfalls zu sehen, auch wenn vieles kuratiert wirkt. Bildquelle: SRF.
Erwartungsgemäss zeigt «Barbara – Becoming Shirin David» zahlreiche verletzliche Momente. Etwa wenn David darüber spricht, wie sehr sie unter ihrem Perfektionismus leidet. Oder über ihre Unsicherheit in der Öffentlichkeit – und über die Abwesenheit ihres mittlerweile verstorbenen Vaters. Man sieht Tränen und hört Zweifel.
Doch vieles wirkt kuratiert. Fast so, als hätte man es mit jenen Bewerbungsantworten zu tun, in denen jemand nach seinen Schwächen gefragt wird – und dann eine perfekt verpackte Stärke präsentiert. Oder als stünde alles, was gezeigt werden darf, längst auf jenem weissen Whiteboard, auf welchem David in ihrem Büro ihren Masterplan skizziert.
Kontrolle als Konzept
Vielleicht wirkt die Doku auch deshalb so glatt, weil ihre Entstehung selbst turbulent verlief. Die Dreharbeiten begannen bereits während Davids erster Arena-Tour 2023. Später wurde das komplette Produktionsteam ausgetauscht – laut David seien «viele Dinge unprofessionell verlaufen», wie sie ihren Fans in einem Livestream mitteilte.
Das Resultat: ein Neustart – und letztlich ein Produkt, das zum Selbstbild der Künstlerin passt. Zu jemandem, der sich selbst als Kontrollfreak beschreibt und seine Karriere von Beginn an als sorgfältig geplante Inszenierung versteht: kontrolliert – bis ins allerletzte Detail.
Streamingstart: 13.03.2026 (Netflix)