Die neue Sky-Serie «Lord of the Flies» basiert auf dem gleichnamigen Roman von 1954 und erzählt von einer Gruppe Jungs, die ohne Erwachsene auf einer abgelegenen Insel strandet. Was erst wie ein Abenteuer wirkt, entwickelt sich zu einem unfreiwilligen Selbstversuch in Sachen Moral und Gemeinschaft.
Die Drehbücher hat der Brite Jack Thorne («Harry Potter and the Cursed Child», «Enola Holmes») geschrieben. Er ist auch der Autor der Serie «Adolescence» über einen 13-Jährigen, der ein Mädchen tötet, die 2025 für einigen Gesprächsstoff sorgte und jede Menge Preise gewann.
Thematisch gibt es da Überschneidungen: Gewalt unter Jugendlichen, ein toxisches Männerbild. Bei «Lord of the Flies» kommen noch grössere Themen hinzu wie Macht, Recht oder Moral; die Frage danach, wie dick oder dünn der Mantel der Zivilisation über dem Menschen liegt.
Die Handlung spielt in den 1950er-Jahren. Ein Krieg tobt und eine Gruppe Jungs wird mit einem Flugzeug in Sicherheit gebracht. Doch es stürzt ab. Einer der Jungen, der Piggy genannt wird, überlebt. Mitten im Dschungel kommt er zu sich.
Ordnung vs. Spass
Piggy hat Angst: vor den blutsaugenden Insekten, die ihn attackieren, vor dem Tierkadaver, den er entdeckt. Im Wald trifft er auf Ralph. Sie gelangen an einen Strand, an dem sie eine riesige Muschel entdecken. Diese benutzen sie als Signalhorn, um andere Überlebende zu rufen. Nach und nach kommen diese aus dem Dschungel.
Schnell findet die Gruppe heraus, dass die Erwachsenen an Bord tot sind und dass sie sich auf einer unbewohnten Insel befinden. Piggy und Ralph versuchen, mit Toiletten, Unterkünften und einem Signalfeuer eine Ordnung aufzubauen.
Dichter Dschungel, wilde Jäger
Jack jedoch verweigert sich. Er will keine Regeln, sondern Spass. Er will Jagen; ist darauf fixiert, ein Wildschwein zu töten. Viele Jungs schliessen sich ihm an, die Gruppe bezeichnet sich als Jäger.
Als sie erfolgreich ein Schwein erlegen, dabei aber das Signalfeuer erlöschen lassen, während ein Schiff an der Insel vorbeifährt, kommt es zum Streit. Jack gründet sein eigenes Lager. Das ist der Beginn eines Konfliktes, der mit dem Tod einiger Jungs enden wird.
Das Casting der Serie ist unglaublich gut, grösstenteils sind die Darsteller logischerweise jung und noch Schauspiel-Neulinge. Allen voran David McKenna als Piggy, ein 12-Jähriger Nordire in seiner ersten Rolle.
Dann ist da noch der 14-jährige Brite Lox Pratt als Jack, dessen Karriere spätestens 2027 durch die Decke gehen wird, wenn er als Draco Malfoy in der neuen Harry-Potter-Serie auftreten wird.
«Lord of the Flies» ist ein Hingucker. Gedreht wurde in Malaysia. Die Insel mit ihren steilen Klippen, schönen Stränden und dichten Wäldern ist eine der Hauptdarsteller und genauso widersprüchlich wie die menschlichen Bewohner. Mal paradiesisch, mal bedrohlich, mal ein surrealer Alptraum in Rot und grellem Grün, der einen an fremde Welten aus «Avatar» oder «Star Trek» denken lässt. Das passt. Denn für die Jungs ist die Insel so unbekannt wie ein ferner Planet.
Ein Hauch «White Lotus»
Zu den Bildern passt der packende Soundtrack des chilenisch-kanadischen Komponisten Juan Cristobal Tapia de Veer, der schon bei «The White Lotus» bewiesen hat, dass er weiss, wie man einer Serie perfekt musikalisch verpackt.
Fazit: Eine gelungene, verstörende Neuverfilmung eines Buches von 1954, dessen Themen bis heute aktuell sind.
«Lord of the Flies» ist ab 24. Februar auf Sky zu sehen.