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Männer spielen Schach in Gemeinschaftsraum.
Legende: Zodiac Pictures/Rob Baker Ashton

Petra Volpe feiert Premiere Standing Ovations beim Sundance Film Festival für «Frank & Louis»

Die Schweizer Regisseurin Petra Volpe («Heldin», «Die göttliche Ordnung») stellt beim Sundance Filmfestival in Utah ihren neuen Film vor. Das Drama über Pflege, Altern und Empathie in einem amerikanischen Gefängnis berührt – und hallt nach.

Es gibt einen Schlüsselmoment auf der Leinwand, der nachklingt: Frank (Kingsley Ben-Adir) erkennt, dass es nicht mehr nur um ihn geht, sondern dass er sich mehr um einen anderen Menschen – Louis (Rob Morgan) – sorgt als um sich selbst. Ein unaufgeregt inszenierter Augenblick, voller Emotionen. Genau diese Nähe und Verletzlichkeit wollte Petra Volpe zeigen. Ihr neuer Film erzählt von Männern in einem Hochsicherheitsgefängnis, die sich um ihre älteren, dementen Mitgefangenen kümmern.

Zwei Männer in blauer Gefängniskleidung sitzen auf einer Bank vor einem Zaun.
Legende: «Frank & Louis» beschäftigt sich mit Menschlichkeit und Mitgefühl. In den Hauptrollen: Rob Morgan als Louis (links) und Kingsley Ben-Adir als Frank. Aus einer Beziehung, die anfangs aus Eigennutz und mit der Perspektive einer vorzeitigen Entlassung beginnt, entwickelt sich allmählich eine tiefe Verbindung. Ali Painter

Am Sundance Filmfestival in Utah feierte der Film seine Premiere. Die ausverkaufte Vorstellung im Library Theatre beginnt nervös. Volpe hat ihre Filme bisher ausschliesslich im deutschsprachigen Raum vorgestellt – diesmal ist alles anders.

Person mit Brille und grauen Haaren vor neutralem Hintergrund.
Legende: Petra Volpe sorgte zuletzt mit dem Film «Heldin» (2025) für Aufmerksamkeit – das Drama über die Arbeit in der Krankenpflege eroberte die Schweizer Kinocharts und stand auf der Shortlist für die Oscarnominierungen als bester internationaler Film. Mit «Frank & Louis» feierte nun ihr erster englischsprachiger Kinofilm Premiere. Getty Images/Mat Hayward

«Ich wusste nicht, wie das amerikanische Publikum reagieren würde», erzählt sie nach der Vorführung. Englisch ist nicht ihre Muttersprache. Umso grösser die Erleichterung, als das Publikum ruhig eintaucht, dem Film folgt – und ihn am Ende mit Standing Ovations würdigt. «In diesem Moment habe ich gespürt, dass der Film jetzt dem Publikum gehört», sagt Volpe. Sie sei nervöser gewesen als ihr Hauptdarsteller Rob Morgan, der souverän auf jede Frage reagierte.

Es geht darum, dass Menschen, die vom System entmenschlicht wurden, ihre Würde zurückerlangen.
Autor: Petra Volpe Regisseurin

Danach folgt die Q&A-Runde. Volpe erzählt von den «Gold Coats» – Häftlingen, die andere Gefangene mit Demenz betreuen – und davon, dass sie während der zehnjährigen Entstehungszeit des Films intensiv mit ihnen gesprochen habe.

Ein Film mit hochemotionalem Kern

«Solche Begegnungen verändern Perspektiven», sagt sie. «Es geht darum, dass Menschen, die vom System entmenschlicht wurden, ihre Würde zurückerlangen.» Auf die Frage, wie sie die bedrückende Gefängnisatmosphäre am Set vermittelt habe, ohne dass Cast und Crew diese Last mit nach Hause nehmen mussten, erklärt Volpe, dass bewusst in einem stillgelegten Gefängnis gedreht wurde.

Vier Personen vor einem Stacheldrahtzaun.
Legende: «Frank & Louis» wurde in einem stillgelegten Gefängnis in Shrewsbury in England gedreht und der letzte Teil in der Schweiz abgeschlossen. Petra Volpe und die Hauptdarsteller, v.l. Kingsley Ben-Adir, Rob Morgan und René Pérez Joglar aka Residente. (2025) SRF/Ali Painter

Die Bedrohung sollte nicht eins zu eins reproduziert, sondern erzählerisch verdichtet werden: «Wir wollten zeigen, was Inhaftierung mit Franks Seele macht – und dem die Pflege von Louis gegenüberstellen.» Viele der realen Gold Coats hätten ihr gesagt, diese Arbeit habe sie «wieder menschlich» gemacht. Genau dieses Zurückgewinnen von Würde sei für sie der emotionale Kern des Films gewesen.

Menschlich und nachhallend

Dazwischen: hektische Pressetermine. Journalisten stehen vor den Zetteln am Boden, die mit dem Namen ihres Mediums markiert sind. Alle Kameras klicken auf einmal. Eine Fotografin von «Getty Images» fragt lachend: «What does SRF mean?» – und eilt weiter. Mittendrin: Petra Volpe. Man merkt, dass das Rampenlicht nicht ihr Zuhause ist.

Überall wird diskutiert – im Bus, auf der Strasse, im Kino.
Autor: Petra Volpe Regisseurin

Eine Woche zuvor war sie noch in Los Angeles, wo ihr das Zurich Film Festival das «Goldene Auge» für ihr bisheriges Schaffen verliehen hatte. Das Verpassen der Oscarnominierung für «Heldin» sei keine Überraschung gewesen. In Park City ist von Enttäuschung wenig zu spüren. Sundance, dieses Jahr zum letzten Mal hier, geprägt von der Abschiedsstimmung rund um Robert Redford, fühlt sich für Volpe wie ein Gegenentwurf an.

«Hier geht es um Filme», sagt sie. «Überall wird diskutiert – im Bus, auf der Strasse, im Kino.» Es sei ein Festival der Entdeckungen. Und für Volpe ein Ort, an dem ihre Geschichten genau das werden dürfen, was sie sein sollen: leise, menschlich – und nachhaltig wirksam.

Hinweis

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«Frank & Louis» wurde von SRF koproduziert.

Der Kinostart ist für 2026 geplant, mit späterer Ausstrahlung auf Play SRF und SRF 1. 

Radio SRF 3, 22.1.2026, 18 Uhr

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