Auch zum 90. Geburtstag von Ursula Andress findet sich in der Schweiz keine Schauspielerin und kein Schauspieler, die oder der annähernd das geschafft hat, was der Frau aus Ostermundigen geglückt ist.
Mit 16 verliess sie die Schweiz, erst nach Paris und dann Rom. Dort soll ihr Marlon Brando geraten haben, Schauspielerin zu werden. Schon bald folgte jener bekannte Kinomoment, der Ursula Andress’ Leben nachhaltig verändern sollte.
Das erste und beste Bond-Girl
Als Ursula Andress im Film «Dr. No» im weissen Bikini aus dem Meer steigt, ist nicht nur James Bond hin und weg. Ursula Andress wurde in diesem Moment zum Star und als erstes Bond-Girl auch zum Sex-Symbol. Das alles sind Bezeichnungen, die Ursula Andress nie mochte.
Ohnehin pflegt Andress bis heute ein zwiespältige Verhältnis zu ihrer Berühmtheit. Die Öffentlichkeit meidet sie, und wenn sie doch mal in Erscheinung tritt, gibt sie sich bescheiden.
Dennoch wusste sie ihr Aussehen als Motor für ihre Karriere einzusetzen. Nachdem Sie zu Beginn der 1960er-Jahre zum Star geworden war, zeigte sie sich nackt im Playboy. Gleichzeitig belegt der Golden Globe für ihre Rolle in «Dr. No» ihr schauspielerisches Talent.
Im Schatten der grossen Männer Hollywoods
Im Verlauf ihrer Karriere war Ursula Andress stets in der Nähe von mächtigen Männern. Sie drehte das Musical «Fun in Acapulco» mit Elvis Presley, die Western «4 for Texas» mit Frank Sinatra und Dean Martin und «Red Sun» mit Charles Branson und Alain Delon oder die Screwball-Komödie «What’s New Pussycat» mit Peter Sellers und Woody Allen.
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Bild 1 von 7. Anita Ekberg, Frank Sinatra und Dean Martin mit Ursula Andress (von links) im Western «4 for Texas) 1963. Bildquelle: IMAGO / Album.
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Bild 2 von 7. Mit Jean-Paul Belmondo in der Komödie «Die tollen Abenteuer des Monsieur L.» (1965). Mit Belmondo war Andress sieben Jahre lang verheiratet. Bildquelle: IMAGO / Everett Collection.
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Bild 3 von 7. Und nochmals James Bond: Mit Peter Sellers in der Bond-Parodie «Casino Royale» 1967. Bildquelle: IMAGO / Ronald Grant.
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Bild 4 von 7. Ursula Andress und Alain Delon im unterhaltsamen Italo-Western «Red Sun» 1971. Bildquelle: IMAGO / Allstar.
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Bild 5 von 7. Fleischeslust: Ursula Andress auf dem Poster für den trashigen Italo-Kannibalen-Horror «Die weisse Göttin der Kannibalen» von 1978. Bildquelle: IMAGO / Cinema Publishers Collection.
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Bild 6 von 7. Nur in zwei Schweizer Filmen spielte Ursula Andress bislang mit. Der eine ist der Krimi «Klassezämekunft» von 1988. Bildquelle: IMAGO / United Archives.
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Bild 7 von 7. Der andere ist Clemens Klopfensteins «Vogelpredigt» von 2005. Darin spielt Andress die Madonna. In ihren Armen liegt Klopfensteins Sohn Lukas. Bildquelle: IMAGO / Allstar.
Auch in ihrem Privatleben war Ursula Andress von den grossen Männern Hollywoods umgeben. Sie hatte Beziehungen mit Stars wie Dennis Hopper, James Dean und Jean-Paul Belmondo.
Eine Karriere im männlichen Blick
Die Rollen, in denen Andress besetzt wurde, beliessen sie oft im Schatten dieser grossen Männer. Oft spielte sie das Objekt männlicher Begierden in Filmen, die aus heutiger Sicht schrecklich sexistisch anmuten. Aber auch in diesen Rollen setzte sie mit energiegeladenen Auftritten Akzente.
Vielleicht war es der Schweizer Akzent, den Ursula Andress auch nach vielen Jahren in den USA nie ganz ablegen konnte, der es verhindert hat, dass sie sich langfristig in Hollywood etablieren konnte.
So drehte Andress immer mehr in ihrer zweiten Wahlheimat Italien. Viele dieser Filme sind Trash mit erotischem Einschlag. Ihr letzter grosser Film war 1981 «Kampf der Titanen».
Späte Schweizer Filmkarriere
Zum Schweizer Film kam sie erst gegen Ende ihrer Karriere: In «Klassezämekunft» nahm sie 1988 den verdienten Platz unter den Schweizer Schauspielgrössen ein. Im Ensemble-Krimi spielte sie neben Stephanie Glaser, Anne-Marie Blanc und Ruedi Walter. Ihr vermutlich letzter Film war Clemens Klopfensteins «Vogelpredigt», in dem sie die Madonna spielte.
Seit Ursula Andress 2017 ihr Haus in Beverly Hills verkauft hat, lebt sie meist in Rom. Zuletzt machte Schlagzeilen, dass sie Strafanzeige gegen ihren verstorbenen Vermögensverwalter erhob, der ihr Vermögen mit undurchsichtigen Investitionen durchgebracht haben soll.
Ihren 90. Geburtstag wird sie nicht nur deshalb ganz still zuhause in Rom begehen. Zuviel Aufsehen um ihre Person mag Ursula Andress bekanntlich nicht. So, wie das bei den ganz grossen Stars eben ist.