«Kommen ein Jude, ein Araber und ein Schweizer in eine Bar.» So könnte ein Witz anfangen. «Da denke ich mir: Oh! Wo ist hier der Witz versteckt? Über wen wird sich hier lustig gemacht?», reagiert Gülsha Adilji prompt.
Witz in der Krise
Doch wer darf eigentlich worüber Witze machen? Die Kabarettistin Anet Corti zeigt, wie politisch Humor sein kann. Für ihren Auftritt im SRF-Format «Fun Fatale» kocht sie vor Publikum eine «Diktatur».
Zu den Zutaten gehören unter anderem «hochprozentige Arbeitslosigkeit, Inflation und eine gute Portion Xenophobie». Eine Weltlage voller Krisen – müsste das für eine Kabarettistin wie sie nicht ein Paradies sein?
«Ja. Aus diesen Situationen, die mich und mein Umfeld betreffen, entsteht auch der Humor», so Corti. Da Humor zu schöpfen, das sei das Spannende. Eine goldene Regel sei: «Gegen oben darf man Witze machen, gegen unten tritt man nicht». Corti könnte sich gar nicht über jemanden lustig machen, der sozial schlechter dastehe als sie. So ihre Bühnenfiguren. Und privat? Keine grenzwertigen Witze?
«Privat erzähle ich auch mal etwas, das ich auf der Bühne nicht erzähle.» Wenn eine Situation schlimm sei, dann mache sie vielleicht einen Witz darüber. Da komme es aber auch darauf an, wer einem gegenübersitzt. Denn: Humor hat auch mit Beziehung zu tun.
Intimität und Humor
«Studien zeigen, dass es die Intimität erhöht, wenn wir über dieselben Dinge lachen», sagt Humor-Forscherin Andrea Samson. Es sei wie ein sozialer Klebstoff. Humor helfe, zu erkennen, wer die gleichen Einstellungen hat und ähnliches erlebt habe – und das bringe einen näher zusammen.
Humor ist individuell, und nicht alle finden alles lustig. Und trotzdem: «Man kann über wirklich alles Witze machen», findet Gülsha.
«Es ist immer entscheidend, wer den Witz macht und auch, wie man ihn macht.» Entscheidend sei, ob beim Erzählen eines Witzes Augenhöhe hergestellt werden könne. Und man merke beispielsweise schnell, wenn ein Witz etwa einen rassistischen Beigeschmack habe.
Dabei sei auch die Frage entscheidend, über wen gesprochen wird – und aus welcher Position heraus. Auch Gülsha macht Witze über Männer. Warum? «Ich ziehe über Männer her, aber ich mache keine Witze über sie – das muss man unterscheiden.» Sie lacht. «Wobei, das stimmt nicht ganz. In meinem Bühnenprogramm ziehe ich schon über Männer her.»
Klischees brechen
Sie arbeite dabei bewusst nicht mit Klischees über Männer, sondern erzähle individuelle Geschichten, Anekdoten aus ihren eigenen Dating-Erfahrungen. Anders sehe es aus, wenn einige männliche Comedians über Frauen sprechen: «Wenn sie klischierte Witze erzählen, wird dieses Bild der Frau zementiert.» Etwa mit Pointen wie: «Frauen reden so viel!» oder «Frauen motzen, weil ich den Geschirrspüler nicht ausräume!»
Aber ist Humor nicht immer auch ein Spiel mit Klischees? «Das ist auf jeden Fall so», sagt Gülsha. «Aber wichtig ist, dass es ein Spiel bleibt.» Klischees sollten nicht verfestigt, sondern analysiert und vielleicht sogar aufgelöst werden. Humor funktioniere, indem man Menschen auf eine Fährte locke und dann überraschend in eine andere Richtung abbiege.
Also: Ein Araber, ein Jude und ein Schweizer kommen in eine Bar. Sagt der Barkeeper: «Das ist ein Witz, oder?!»