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Der Basler Grenzwald «Eiserne Hand»
Aus Kultur-Aktualität vom 24.07.2020.
abspielen. Laufzeit 03:58 Minuten.
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Flucht durch Basler Grenzwald Der Weg in die Freiheit führte durch die «Eiserne Hand»

Im Zweiten Weltkrieg gab es im Basler Wald eine Lücke im Grenzzaun. Viele entkamen hier den Nazis. Nur verirren durfte man sich nicht.

In diesem Frühling waren wegen der Corona-Pandemie die Grenzen geschlossen, erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg. Selbst die grüne Grenze im Wald war mit rot-weissen Bändern abgesperrt und mit Warnschildern versehen: «Kein Durchgang Landesgrenze».

Die geschlossenen Grenzen erinnern an die Zeit während des Zweiten Weltkriegs. Damals boten manche Wälder Schutz für Flüchtlinge, die über die grüne Grenze in die Schweiz fliehen wollten.

Ein Schild zeigt die Länderflaggen zwischen Deutschland und der Schweiz.
Legende: Im Zweiten Weltkrieg war die deutsch-schweizerische Grenze dicht. Nur im Wald bei Riehen gab's eine Lücke. SRF

Ein Ort, an dem besonders viele Menschen die Flucht versuchten, liegt in der Region Basel: bei Riehen, im Gebiet der «Eisernen Hand».

Eine Lücke im Zaun

Die «Eiserne Hand» ist ein Gebiet mit einer besonderen Geschichte und einer besonderen Geografie. Die Schweiz ragt hier wie ein schmaler Finger in das deutsche Gebiet hinein. 300 Meter breit und 1,7 Kilometer lang ist dieser Finger.

Sommerserie «Waldgeschichten»

SRF Kultur porträtiert diesen Sommer aussergewöhnliche Wälder – und betrachtet den Wald aus historischer, ökologischer und philosophischer Perspektive.

Alle Radiobeiträge sind bereits verfügbar unter srf.ch/radio-srf-2-kultur

Deutschland wollte im Zweiten Weltkrieg auf diesem schmalen Streifen eigentlich seinen Grenzzaun aufbauen und somit ein Stück Schweizer Territorium abschneiden.

Die Schweiz habe dieses Ersuchen jedoch abgelehnt, erklärt die Historikerin Alexandra Heini. Somit sei bei der «Eisernen Hand» eine Lücke im Grenzzaun geblieben. Andernorts stand in dieser Zeit ein acht Meter breiter Grenzzaun aus Stacheldraht zwischen den beiden Ländern.

Vor lauter Bäume die Grenze übersehen

Viele Menschen versuchten in dieser Zeit aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die Schweiz zu fliehen. Der Wald bei der «Eisernen Hand» bot ihnen Schutz. Er war aber auch eine Gefahr. Man riskierte die Lücke zu verfehlen, denn im Wald ist es nicht leicht, sich zu orientieren.

Überliefert ist, dass die Menschen auf der Flucht Hilfe von der lokalen Bevölkerung bekamen. Viele Flüchtlinge waren Juden: Sie mussten heimlich über die Grenze kommen, denn die offizielle Schweiz nahm keine jüdischen Flüchtlinge auf.

Wie viele Menschen in der Kriegszeit über die «Eiserne Hand» in die Schweiz kamen, ist nicht dokumentiert.

Ein bemooster Grenzstein, dahinter Wald.
Legende: Heute ist die Grenze gut versteckt: Ein Grenzstein steht im Wald bei Riehen. SRF

«Überall Wachtposten und Schäferhunde»

Eine anonyme Zeitzeugin – im Buch «Fast täglich kamen Flüchtlinge» von Lukrezia Seiler und Jean-Claude Wacker (Christoph-Merian-Verlag 2013) wird sie «C.C.» genannt – floh in einer Dezember-Nacht 1944 bei der «Eisernen Hand» über die Grenze. Sie erinnert sich:

«Die gefühlsmässige Stimmung ist mir heute noch gegenwärtig – die finstere Nacht, ein Grenzweg durch den dunklen Wald. Wir wussten, dass überall in der Dunkelheit Wachtposten und Schäferhunde waren.

Meine Mutter, in ihren Pelzmantel eingehüllt, trug meinen kleinen Bruder im Arm, ich selber wurde auf den Schultern meines Stiefvaters getragen, und wir durften keinen Laut von uns geben.»

Die Zeitzeugin war damals ein Kind. Die Flucht gelang. Bis heute lebt sie in Basel.

Ab August: Ausstellung «Grenzfälle» in Basel

Eine Ausstellung im Historischen Museum Basel fragt nach den grenzüberschreitenden Beziehungen Basels in der Zeit zwischen 1933 und 1945.

Sie thematisiert das Verhältnis von Baslerinnen und Baslern, Schweizer Behörden sowie lokalen Unternehmen und Institutionen zum Nationalsozialismus und zum NS-Staat.

Die Ausstellung läuft ab 21. August 2020 bis 28. März 2021, Link öffnet in einem neuen Fenster.

RadioS RF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 23.7.2020, 8:20 Uhr

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Gasser  (Markus Gasser)
    Wie recht haben Sie, Herr Stadler. Warum keinen Kartenausschnitt des betreffenden Grenzgebietes zeigen. Aber solche Unterlassungen sind gang und gäbe. Da wird oft seitenlang in Zeitungen, in Doks beim Fernsehen in Büchern eine Region beschrieben ohne einen schlagartig klärenden Kartenausschnitt. Glauben die Autoren, es handle sich hier nur um Wünsche weniger "Intellektueller" und de meisten könnten ohnehin nicht Karten lesen.
    Weit gefehlt !
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  • Kommentar von Christoph Stadler  (stachri)
    Ich kenne die Grenzverläufe in der Region Basel wie meine Westentasche. Ich frage mich jedoch, warum die Verfasserin dieses Berichts keinen Kartenausschnitt dieses Grenzbereichs abbildet. Der "verlorene" Grenzstein im Foto jedenfalls kann diese kuriose Grenzführung nicht dokumentieren und der geneigte Leser muss Google Maps oder eine genaue Landkarte bemühen.
    Ich glaube aber kaum, dass sehr viele Flüchtlinge dort die Grenze überschreiten konnten - das "Loch" im Zaun war den Nazis ja bekannt...
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