Das Universum wirkt schwarz, ist aber voller sichtbarer und unsichtbarer Farben. Astronom und Autor Florian Freistetter erklärt, warum Licht die wichtigste Informationsquelle der Kosmologie ist und welche Farbe der Urknall hatte.
SRF: Sie sagen, das Universum sei nicht schwarz, sondern kunterbunt – warum sehen wir dann einen schwarzen Nachthimmel?
Florian Freistetter: In erster Näherung ist das Universum leer. Da gibt es sehr viele Bereiche, wo überhaupt nichts ist. Und wo nichts ist, kann es auch keine Farbe geben. Das heisst, dort wo das Universum leer ist, ist es schwarz, weil dort keine Farbe existiert. Aber in dieser Leere sind dann doch jede Menge Sachen drin. Und diese Sachen wiederum haben Farben, aber halt in sowohl sichtbaren als auch für uns unsichtbaren Farben.
Das einzige Bindeglied zwischen uns und Sternen oder Galaxien ist das Licht.
Licht ist unsere primäre Informationsquelle über das All. Wie helfen Farben beim Verstehen des Universums?
In der Astronomie gilt: Nur schauen, nichts anfassen. Fast alles ist so weit weg, dass wir nie physisch damit interagieren können. Das einzige Bindeglied zwischen uns und Sternen oder Galaxien ist das Licht, von der sichtbaren Regenbogenpalette bis zu unsichtbaren Wellenlängen – alles, was wir wissen wollen, müssen wir irgendwie aus diesem Licht, also Farben, rauskriegen. Aus ihnen lassen sich die Temperatur, Bewegung, Zusammensetzung und Entstehungsgeschichten ablesen.
Hatte denn auch der Urknall eine Farbe?
Der Urknall war ein sehr energetisches Ereignis, also sehr heiss. Temperatur und Farbe hängen bekanntlich zusammen. Das junge Universum leuchtete zunächst in unsichtbaren Farben, nämlich hochenergetischer Gammastrahlung. Sobald es sich aber so weit abkühlte, dass theoretisch sichtbares Licht entstehen konnte, war die dominante Farbe orange.
Es könnte für uns Fragen geben, die prinzipiell ausserhalb unserer geistigen Reichweite liegen – und trotzdem lohnt es sich, weiter darüber nachzudenken.
Es gibt ja dieses «Babyfoto» des Universums, 380'000 Jahre nach dem Urknall. Was sieht man darauf?
Das ist die sogenannte kosmische Mikrowellenhintergrundstrahlung, also Strahlung, die 380’000 Jahre nach dem Urknall entstand. Gewissermassen das Nachleuchten des Urknalls und der Zeit, in der sich die ersten Atome gebildet haben und Licht sich frei ausbreiten konnte. Sichtbar auf diesem computergenerierten Bild sind Temperaturunterschiede, die als Farbkontraste dargestellt werden. Die Hintergrundstrahlung besteht übrigens bis heute.
Vor 13.82 Milliarden Jahren ist das Universum aus dem Nichts entstanden. Aus dem Nichts kann doch unmöglich etwas entstehen? Was war davor?
Die ehrliche Antwort lautet: Wir haben keine Ahnung, und jede Hypothese – etwa ein vorheriges Universum – führt sofort zur nächsten Frage, was davor war. Vielleicht sind wir mit unserem Gehirn schlicht nicht in der Lage, solche Probleme vollständig zu lösen. So wie kein Hund je eine Differentialgleichung löst, könnte es auch für uns Fragen geben, die prinzipiell ausserhalb unserer geistigen Reichweite liegen – und trotzdem lohnt es sich, weiter darüber nachzudenken.
Sie sind Podcaster, Blogger und Mitglied der Science Busters, einer Gruppe, die Wissenschaftskabarett macht – mit eigener Sendung im ORF. Was kann Kabarett, das ein Sachbuch nicht kann?
Kabarett hilft, Vorurteile abzubauen: Viele Menschen halten Naturwissenschaft für zu kompliziert oder zu langweilig, ins Kabarett gehen sie aber ohne Angst. Dort bekommen sie einen unterhaltsamen Abend und nehmen nebenbei Wissen mit, ohne es zu merken – damit ist schon ein Stück Skepsis und Wissenschaftsferne verschwunden.
Das Gespräch führte Olivia Röllin. Der Text ist ein gekürzter Auszug aus der Sternstunde Philosophie.