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Vermächtnis des Modemaestros Schlicht, aber raffiniert: Das machte Valentinos Stil aus

Der italienische Modedesigner Valentino Garavani, eine Ikone der Modewelt, ist am 19. Januar 2026 im Alter von 93 Jahren gestorben. Er steht wie kaum ein anderer für zeitlose Eleganz. Im Gespräch erklärt Modeexpertin Silke Wichert, warum seine klare Handschrift die Modewelt bis heute prägt.

Silke Wichert

Journalistin und Modeexpertin

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Silke Wichert, geboren 1977, studierte Film- und Fernsehwissenschaften in Bochum und besuchte die Axel-Springer-Journalistenschule in Berlin. Als freie Journalistin und Autorin schreibt sie für die SZ und NZZ über Mode- und Gesellschaftsthemen.

SRF: Bei Valentino denkt man an elegante Abendroben, viel Seide, sanfte, elegante Formen. Kein Augenzwinkern, keine ironische Distanz zu sich selbst. Stimmt dieser Eindruck?

Silke Wichert: Der stimmt auf jeden Fall. Valentino hat selbst immer von Eleganz und Schönheit gesprochen; das war ihm ganz wichtig. Ein berühmtes Zitat von ihm lautet: «Mode ist vergänglich, Eleganz ist ewig.» Das war wirklich die Essenz seines Schaffens.

Designer winkt bei Modenschau mit Modelreihe.
Legende: Der Maestro auf dem Laufsteg während der Valentino-Modenschau im Rahmen der Pariser Haute Couture Fashion Week im Frühjahr/Sommer 2007. Getty Images/Michel Dufour

Ist er diesem Stil, der tragbaren Haute Couture, treu geblieben?

Er ist dem Stil treu geblieben, Ausreisser gab es weniger. Oder man erinnert sich einfach nicht so daran. Ich glaube, das wollte Valentino auch nicht. Er hat selber gesagt, er erinnere sich nur an das Schöne im Leben und den Rest hat er auch für sich selbst unter den Tisch fallen lassen. Tatsächlich waren seine atemberaubenden, zum Niederknien schönen Roben, das, was dann den einen oder anderen nicht so gelungenen Entwurf überstrahlte.

Zwei elegant gekleidete Personen auf rotem Teppich bei Veranstaltung.
Legende: Ein Blickfänger: Die roten Kleider von Valentino, hier getragen von Liz Hurley. Imago/Famous

Ist er mit der Zeit gegangen?

Nicht so richtig. Er hat zwar variiert, aber er hat auch gesagt, dass er seinem Stil treu bleiben will. So versteht er die Haute Couture: ein Couturier muss eine Handschrift haben. Und er hat gesagt: «Ich ändere auch ein wenig, aber nie zu viel, damit ich meine Identität bewahre.»

Welches Vermächtnis hinterlässt der Modeschöpfer?

In jedem Fall das berühmte Valentino Rot, an das man sofort denkt, wenn man seinen Namen hört. Ich finde aber: das tolle Rot hin oder her – bei Valentino denke ich immer sofort an dieses unglaublich tolle Kleid, das Julia Roberts bei ihrem Oscargewinn trug.

Frau in Abendkleid hält Statue vor blauem Hintergrund.
Legende: Vorne hui, hinten hui: Julia Roberts gewann 2001 den Oscar als beste Schauspielerin für ihre Leistung in «Erin Brockovich» von Steven Soderbergh – und glänzte bei der Verleihung in einem Valentino-Kleid. Getty Images/Frank Trapper

Dieser Moment war auch einer der ersten grossen Vintage-Momente. Das ist ein schwarzes Samtkleid mit einem weissen Band. Vorne ist es relativ schlicht, doch das weisse Band zieht sich nach hinten durch und hat dann einen ganz besonderen Faltenwurf. Das steht total für seinen Stil.

Valentino hat seinen Namen zur Marke gemacht. Was ist aus ihr geworden, nachdem er sich 2001 aus dem Konzern und später auch künstlerisch zurückgezogen hat?

Tatsächlich hat die Marke daraufhin einen Boom erlebt. Das lag an seinen Nachfolgern, die seinen Segen hatten. Es waren nämlich ehemalige Mitarbeitende von ihm: Pierpaolo Piccioli und Maria Grazia Chiuri, die damals – abgesehen von immer noch tollen Kleidern – sehr viel modernere, tragbare Sachen gemacht haben. Und viele Accessoires, die unglaublich erfolgreich waren. So wie die Rockstud-Collection mit diesen ganzen kleinen Nieten.

Sie haben Valentino auch persönlich kennengelernt. Welcher Mensch hat sich hinter der piekfeinen, gebräunten Fassade befunden, die er in der Öffentlichkeit immer gezeigt hat?

Der Mann an sich war ein Spektakel. Ein Kaliber, das es heute kaum noch gibt. Immer auch von sich selbst ergriffen, aber wahnsinnig liebenswert dabei. Zuzusehen, wie er bei Fragen an ihn manchmal nur mit einer Geste seine Despektierlichkeit ausdrückte – das war schon spektakulär.

Das Gespräch führte Ruth Wili.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Nachrichten, 20.1.2026, 7:00 Uhr ; 

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