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Macht mit Meerblick «Yacht oder nicht Yacht»: Einblick in das Reich der Ultrareichen

US-Journalist Evan Osnos zeigt eine Elite, die am Steuer sitzt – und sich gleichzeitig auf den Untergang vorbereitet.

Ab wann wird Reichtum peinlich? Das wäre eine nette Einstiegsfrage. Aber der US-amerikanische Journalist Evan Osnos denkt grösser. In seinem Buch «Yacht oder nicht Yacht. Nachrichten aus der Welt der Ultrareichen» geht es dem Pulitzer-Preisträger nicht ums Angeben, nicht ums Sonnen auf dem Deck.

Es geht um den Moment, an dem Vermögen eine eigene Weltsicht hervorbringt: mit Moral nach Mass und Distanz zum Rest der Menschheit.

eine Superyacht
Legende: Meerblick, Sicherheitspersonal und sehr viel Abstand zum Rest der Welt: Mark Zuckerbergs Superyacht namens Launchpad. IMAGO / nicepix.world

Für seine Reportagen reist Osnos ins Silicon Valley, sitzt in den Lounges von Monte Carlo, hört den Milliardären bei ihren Untergangsszenarien zu oder lässt sich Anekdoten erzählen: «Einmal arbeitete der Kapitän für einen Eigner, der die Anzahl der Zeitungen an Bord begrenzte, damit er zuschauen konnte, wie seine Gäste warteten und sich wanden», schreibt Osnos. «Es war ein Psychospiel unter Milliardären. Es gab sechs Paare und drei Zeitungen.»

Gigayacht, Bunker, Helikopter

Formal ist das Buch als lose Folge von Essays gebaut. Man merkt ihnen die journalistische Herkunft an: Szenen, Gespräche, beiläufige Details, die mehr im Gedächtnis bleiben als jede These. Osnos vertraut darauf, dass sich Bedeutung ergibt, indem die Geschichten nebeneinander stehen.

Eine Yacht ist nie nur ein Boot, sondern ein schwimmender Kleinstaat. Ein Dinner ist nie nur ein Dinner, sondern ein Vorspiel für neue Deals. All das ist elegant erzählt. So stilvoll, dass man beim Lesen fast vergisst, wie absurd es ist. Bis einem wieder einfällt, dass hier ein paar Leute mehr besitzen als ganze Länder.

Ein Mann mit Hemd und Jacke steht vor einem Garten.
Legende: Evan Osnos ist Reporter beim «New Yorker», Pulitzerpreisträger und Berufsbeobachter von Menschen, die mehr Geld besitzen als viele Länder. Getty Images/Drew Angerer

Osnos zeigt eine Welt, in der Gigayachten, private Bunker und steueroptimierte Philanthropie nicht als Exzess erscheinen, sondern als logische Vorsorge. Reichtum als Strategie: Schutz, Absicherung, Flucht. Osnos zitiert etwa einen Investmentmanager, der einen Helikopter ständig betankt hält und über einen unterirdischen Bunker mit Luftfiltersystem verfügt.

Unaufgeregt aufregend

Die Szenen bleiben hängen, gerade weil sie so unaufgeregt sind. Osnos protokolliert wie ein Reporter alter Schule: sehen, notieren, weitergehen. Andere hätten längst eine These gezückt. Er nicht. Das ist angenehm lesbar, aber wer eine Analyse der globalen Ungleichheit sucht, wird sie hier nicht finden.

Osnos interessiert sich weniger für Strukturen als für Mentalitäten. Seine Ultrareichen sind keine Monster, sondern Menschen mit erstaunlich banalen Ängsten: Statusverlust, Kontrollverlust, Enteignung.

Alle sind gleich, aber manche sind gleicher

Erst spät sagt das Buch, was man die ganze Zeit erwartet: Extremer Reichtum verschärft die soziale Ungleichheit und schadet der Demokratie. Nicht durch Bosheit, sondern durch Rückzug: In eine Gleichgültigkeit gegenüber allem, was ausserhalb der eigenen Welt liegt.

Osnos sagt das nie frontal. Er lässt es entstehen, aus Szenen und Titeln wie «Survival of the Richest». Er benennt die Begriffe: Oligarchie, Plutokratie – und er beschreibt eine Welt, in der sich Politik offen dem Geld anvertraut. Etwa wenn er an jenen Moment erinnert, als Trump seinen Amtseid vor einer Bühne voller Milliardäre ablegte – Zuckerberg, Bezos und Musk.

Gruppe von Personen in Anzügen bei einer Veranstaltung.
Legende: Wieviel Vermögen bildet dieses Foto wohl ab? Trump leistete im Januar 2025 seinen Amtseid. Hinter sich vereint – zumindest symbolisch – die amerikanische Elite: Mark Zuckerberg (Meta), Jeff Bezos (Amazon), Sundar Pichai (Google), Elon Musk (Tesla, X). IMAGO / ABACAPRESS

In dieser Dichte haut einen das um. Doch «Yacht oder nicht Yacht» weigert sich, laut zu werden. Es setzt nicht auf Empörung, sondern will verstehen, wie sich die Ultrareichen heute absichern und abschotten. Vielleicht liegt genau darin die Pointe: Die Superreichen sitzen am Steuer und bauen sich zugleich Rettungsboote.

Buchhinweis

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Evan Osnos: «Yacht oder nicht Yacht. Nachrichten aus der Welt der Ultrareichen». C.H. Beck, 2026.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 20.2.2026, 17:20 Uhr

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