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Ein kleines Auto in Pink, auf dem Dach drei Koffer.
Legende: Vorteil Autoreise: Man braucht keinen Mundschutz. Aber wo bleibt der Naturschutz? Getty Images / Jon Feingersh Photography Inc (bearbeitet)
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Sommer vor der Tür Wo kommen wir hin, wenn alle das Auto nehmen?

Täuscht der Eindruck, oder sitzen wir viel öfter im Auto als vor Corona? Höchste Eisenbahn, Gegensteuer zu geben.

Deutschschweizer gehen gern. Sagen sie. Er geht einkaufen. Sie geht mit der besten Freundin in die Berge und nächstes Jahr vielleicht nach Australien. Im Sommer ging man gemeinsam ans Meer. Damals, als das noch ein wenig angesagter war als heute.

Die Hochdeutschen waren uns da schon immer einen Schritt voraus. Die sagen ehr- und redlich «fahren», wenn sie mit dem Wagen nach Berlin oder Bonn, Wuppertal oder Wanne-Eickel «gehen». Oder rasen. Düsen! Hauptsache: Motor.

Serie: Sommer vor der Tür

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Das Corona-Cabrio

Tatsächlich fahren auch Herr und Frau Deutschschweizer mehr Auto, als sie sich sprachlich in den Hosensack lügen. Viel mehr. Erst recht seit dem Ende dieses langen und unlustigen Lockdowns, der kein richtiger war.

Man pendelt wieder per PKW. Man fährt mit dem Kleinwagen zum Grossverteiler um die Ecke. Man «geht» jetzt mit dem Mietauto zu den Schwiegereltern nach Schwamendingen oder Schwerzenbach. Pläne für die Sommerferien in der Schweiz? Mehrfachantwort aus erwachsenem Munde: Wir rollen auf allen Vieren durchs Land.

Ich kenne sogar Leute, die Leute kennen, die sich – angeblich aus Sicherheitsgründen – nach wiedergewonnener Beinfreiheit als erstes ein neues Wägelchen angelächelt haben, das sie ihr «Corona-Cabrio» nennen. Ich bin nun wirklich für jede alberne Alliteration zu haben. Aber Corona-Cabrio?

Schlangen in der Stadt

Stockender Kolonnenverkehr. Stau, und das am heiterhellen Nachmittag: Ich bin nachhaltig schockiert, wenn ich runter in die Stadt radle und sehe, wie da mehr steht als geht. Giftschlangen, grummelt's in mir. Sieht ja aus, als wäre man in den Tropen gelandet und nicht in Downtown Turicum.

Soll mir bloss keiner sagen, das seien alles Handwerker, die nicht auf ihre systemrelevanten Montagewagen verzichten können, oder Frauen in Hybrid-Hondas, die ihren werten Risikogruppen-Gatten notfallmässig beim Friseur einchecken müssen. Wie wird das erst, wenn sich die Schweizer zum Ferienstart in Sommerfrischlinge verwandeln, oder wie das heisst?

Audio
Leere Züge und Busse wegen Corona: ÖV-Branche will Unterstützung
aus Info 3 vom 21.06.2020.
abspielen. Laufzeit 14 Minuten 18 Sekunden.

Gegensteuer geben

Der öffentliche Verkehr scheint gerade auf der Strecke zu bleiben. Neulich sass ich in einem fast leeren ICE nach Irgendwo und versuchte vergeblich, den Abschnitt eines Artikels zu lesen, in dem ich mich selbst zum Affen machte.

Das ging lustigerweise nicht, also das mit dem Lesen: Meine Brille hatte sich beschlagen – die benebelnde Nebenwirkung des modischen Mundschutzes, den ich als zirka einziger in meinem Wagen trug.

Ich hoffe nur, dieses Stück Stoff im Gesicht, das wir ja ab Montag völlig richtigerweise nicht mehr aus freien Stücken tragen, ist nicht der einzige ungute Grund, warum wir so vorschnell ins Auto steigen. Denn ohne ÖV kommen wir auch nicht weiter.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Bucher  (DE)
    Nicht nur mein Arbeitgeber sondern auch der Bund und Experten haben den Individualverkehr gegenüber dem ÖV bevorzugt und gelobt. Zeit die Wahrheit zu sagen und nicht den ÖV gutzureden.
    Das Auto ist sicherer und die beste Option um Ferien zu machen.
  • Kommentar von Martin Ebnöther  (Venty)
    Nachdem der OeV momentan (hoffe ich mal) einem mit der Maskenpflicht komplett vergaellt wird, brauchts schon etwas mehr als nur ein bisschen Stau, um einem das eigene Auto madig zu reden.
    Und ja, ich hab mir auch vor zwei Wochen ein Beetle Cabrio gekauft, als Zweitwagen nur Wechselnummer. Dies aber nicht zum Schutz vor Corona, sondern um die anrollende Midlife-Crisis zu zelebrieren. Schwanzverlaengerung Ahoi!
  • Kommentar von Adrian Zuckermann  (azu)
    Wo kommen wir hin, wenn alle das Auto nehmen? Nirgendwohin, ausser bis zum nächsten Stau! Witzig: In der Werbung stehen die Autofahrer übrigens nie im Stau. Und das sagt sehr viel mehr über die Autofahrer aus, als denen Lieb sein kann = Realitätsverweigerung =)