Zum Inhalt springen

Header

Audio
Wenn Masken plötzlich Mode werden
Aus Kultur-Aktualität vom 09.07.2020.
abspielen. Laufzeit 04:07 Minuten.
Inhalt

Stoffmasken im Stresstest Schick sind sie – schützen sie auch?

Stoffmasken von Schneidereien und kleinen Modelabels verkaufen sich gut in diesen Tagen. Aber wieviel Schutz bieten sie sie vor Corona?

Seit April stellen Karin Bischoff und ihr Team vom Couture-Atelier «Die Manufaktur» in St. Gallen Stoffmasken her. Die Masken seien von Anfang an gefragt gewesen, erzählt sie.

Als der Bundesrat in der vergangenen Woche die Maskenpflicht im Öffentlichen Verkehr ankündigte, habe sich die Nachfrage verzwanzigfacht: Die Leute seien Schlange gestanden, sagt Bischoff. «Sie wollten Masken vor Ort sehen und auch eine Beratung haben, welche Maske zu welchem Outfit passt.»

Video
Maskenpflicht im Schweizer ÖV
Aus Tagesschau vom 06.07.2020.
abspielen

Problemzone Filter

Stoffmasken sehen schick aus. Aber wie gut schützen sie? Die meisten Schneidereien und Modelabels deklarieren in ihren Onlineshops ganz deutlich, dass es sich nicht um medizinische Masken handelt.

So auch Anaïs Marti vom Basler Label «Collective Swallow». Mit ihren Baumwollmasken will sie während der Krise einen Beitrag leisten. «Wir haben von Anfang an transparent kommuniziert, wie diese Masken hergestellt sind, woraus sie bestehen, dass sie keinen medizinischen Schutz bieten und nicht getestet wurden», sagt Marti.

Sie empfehle, dass man ein Stück Haushaltspapier innendrin trage, um die Filterwirkung zu verstärken.

Baumwolle hat fast keinen Schutzeffekt

Peter Wick arbeitet als Zell- und Molekularbiologe an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA). Er und sein Team haben gemeinsam mit Epidemiologen die Schutzwirkung von Masken untersucht.

Ein einfacher Baumwollstoff habe praktisch keinen Schutzeffekt, auch wenn man ihn doppelt nehme: «Etwa 80 bis 90 Prozent der kleinen Tröpfchen, die beim Niesen entstehen, gehen durch.»

Nach einer gewissen Zeit habe man viele Aerosole in einem geschlossenen Raum, sagt Wick. «Ich würde versuchen, das zu vermeiden.»

Leitfaden für Labels

Um Schneidereien, Modelabels und Textilherstellern einen Leitfaden an die Hand zu geben, haben Wick und sein Team vier Kriterien entwickelt, die eine sichere Stoffmaske erfüllen muss: Man muss durch sie gut atmen können.

Die Maske muss tröpfchenresistent sein. Sie muss kleinste Partikel abhalten und mindestens fünfmal wiederverwendbar sein. Masken, die den Kriterien der EMPA entsprechen, können sich die Hersteller auch zertifizieren lassen.

Das Interesse daran sei riesig, sagt Wick. «Wir wurden überrannt: Viele Hersteller haben uns Prototypen geschickt und gefragt, wie sie ihre Masken so verändern können, dass sie die Kriterien erfüllen.»

Ein spezieller Stoff

Anaïs Marti vom Basler Label «Collective Swallow» will ihre Masken nicht zertifizieren lassen. Das sei zu aufwendig und lohne sich bei der geringen Stückzahl nicht, die sie herstelle.

Stattdessen denkt sie darüber nach, ihre Masken demnächst aus einem speziellen antiviralen Stoff zu fertigen, mit dem sie im Auftrag eines Kunden schon einmal gearbeitet hatte. Bei «Collective Swallow» hatte man dann die Maske draus gefertigt.

«Ein super Test», schwärmt Anais Marti. Mit dem Stoff lasse sich gut arbeiten. «Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir das auch bei unseren Masken ins Sortiment aufnehmen werden.»

Die Empfehlung der EMPA

Karin Bischoff von «Die Manufaktur» in St. Gallen hat solche antiviralen Masken bereits im Sortiment. Auch sie möchte ihre Masken im Moment nicht zertifizieren lassen. Langfristig aber sei so ein Prüfsiegel durchaus interessant:

«Jetzt haben wir ein Produkt, das wir etablieren möchten und das auch nachgefragt wird. Wenn wir sagen können: ‹Das hat die Zertifizierung bestanden›, wäre das ein zusätzliches Argument.»

Wer in seiner Maske nicht nur gut aussehen will, sondern sich und andere auch schützen möchte, dem empfiehlt Peter Wick von der EMPA in jedem Fall Folgendes: Man sollte sich beim Hersteller genau über die verwendeten Materialien informieren. Baumwolle allein hilft lauter Peter Wick nicht.

Kultur aktuell, Radio SRF 2 Kultur, 9.7.2020, 17.40 Uhr;

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

24 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Walter Schmid  (W. Schmid)
    Baumwollmasken geben keinen grossen Schutz, warum wohl, weil sie jeder selber herstellen kann. Würde dies jeder zutun, würde mit den zum Verkauf angebotenen Masken ja kein Geschäft gemacht. Es geht ums Geld, ums liebe Geld, man will verdienen. Notfalls müsste man die Stoffmasken wegen ungenügendem Schutz verbieten, denn der Rubel muss rollen und die Nationalräte welche bei den Lobbyisten unter Vertrag stehen, würden dies sofort gutheissen. Es geht um Millionen.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Rolf Wysshaar  (Seeländer)
      Ooh, ein kleiner Verschwörungstheoretiker, der dafür viel Unsinn schreibt. Nach ihnen könnte also auch eine Armee nur Stoff- anstatt Gasmasken tragen und auch im Gesundheitsbereich trägt man natürlich nur verschiedene Maskentypen wegen den Lobbyisten. Warum tragen Lackierer keine Baumwollmaske? Ach ja, Lobby... Nehmen Sie auch vom Klo über die Küche bis zum Schreiben oder eben der Maske dasselbe Papier, da es ja nur wegen der Lobby entwickelt wurde um verschiedenes verkaufen zu können?
    2. Antwort von Walter Schmid  (W. Schmid)
      Danke Herr Wysshaar. Herrlicher Kommentar. Freue mich jedesmal auf Antwort. Warum wohl waren Masken von März bis Ende Mai nicht so dringend, weil der Bund es verschlafen hat, diese Millionenfach einzukaufen. Warum wurden Tests nicht immer gemacht, weil wir ungenügend Mittel zur Verfügung hatten. Nun arbeitet die Maskenherstellung ( 2 Maschinen in China gekauft) in Flawil SG auf Hochtouren. Bin ich nun ein Verschwörungstheoretiker? Täglich werden dort und zig-zehntausend produziert. Wohin damit?
    3. Antwort von Daniel Gion  (dgion)
      @Hr Wysshaar keine Ahnung haben aber die Kommentare anderer ins Lächerliche ziehen das können sie ... .
      Kleine Denkamstoss für Sie - ich hoffe ich überfordere sie damit nicht. Wozu Hygienemasken? Schützen sie den Träger?
      Ah nein? Wozu dann - vielleicht um die ANDEREN zu schützen weil die Masken die Geschw der ausgestossenen Tröpfchen massiv veringern?
      Ja dann machen sie mal den Test mit einfachem Stofftuch und sie werden sehen das auch jeder Stoff diese Tropfengeschwindigkeit massiv senkt ...
  • Kommentar von Urs Stäbler  (Stab)
    Mich würde mal interessieren wie gut Plexiglas Masken sind. Ich habe in Österreich gesehen dass das Servicepersonal solche tragen.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Walter Schmid  (W. Schmid)
      Musst du nicht nach Österreich, wird auch hier vom Personal getragen. Genügt doch. Aber eben, man will Geld verdienen und sollte es anders kommen, muss man die Dinger kaufen, stecken unsere Politiker mit den Grossverkäufer unter einer Decke. Man will viel Kohle machen.
    2. Antwort von Rolf Wysshaar  (Seeländer)
      Die nützen gar nichts, da sie offen sind. Schützen den Träger aber als direkten Spritzschutz, auch für die Augen. Zusammen mit einer Maske getragen, ein perfekter Schutz.
  • Kommentar von Franziska Wagner  (Frawag)
    Wird Langsam kompliziert, ich kaufte mir eine Stoffmaske in der Migros, Stoff plus mit feinem Stoff gefütter, vermerk comuniti maske. Was heisst das nun???? Koche diese jeden Abend aus.
    Ist das nun nur ein Decoteil? Muss ich wieder auf wegwerfmasken umstellen??
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Rolf Wysshaar  (Seeländer)
      ja