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Superduper Fussball-Fest Vergessen Sie die Kritik! 5 Gründe, sich auf die WM zu freuen

An der WM in den USA, Kanada und Mexiko wird im Vorfeld kein gutes Haar gelassen: Horrende Preise für Tickets und Transport, harsche Einreisekontrollen und eine schiefe Weltlage, an der mindestens eines der Austragungsländer direkt beteiligt ist. Höchste Zeit, das Spiel zu drehen: Hier kommen fünf nicht ganz ernst gemeinte Gründe, sich auf die WM zu freuen – und die Absolution zum Einschalten gleich mit. Oder auch nicht.

1. Mehr Fussball als je zuvor

Ganze 48 Teams nehmen dieses Jahr an der XXL-WM teil. Das Beste daran: Nach der Vorrunde scheiden gerade einmal 16 Teams aus, um danach – wie sonst bei einer WM – mit 32 Teams weiterzuspielen. Das macht insgesamt 104 Spiele. Und weil fast alle Teams nach der Gruppenphase weiterkommen, können wir auch mal das Handy zücken oder zu einer normalen Zeit zu Bett gehen, selbst wenn wir dann das ein oder andere späte Spiel verpassen. Das ist keine Aufblähung der WM, Gianni Infantinos neues Format ist ein Akt der Fürsorge für uns Europäer, für unsere Nerven und unseren Schlaf.

Person im Anzug vor FIFA-Weltcup-Poster.
Legende: Gianni Infantinos neues WM-Format ist ein Geschenk an uns Fans. Getty Images/Rob Kim

2. WM ohne FOMO

Wir leben im «Experience»-Zeitalter. Bei einem grossen Event wie der WM dabei zu sein, ist so etwas wie das Statussymbol der Gegenwart. Statt mit teuren Autos flexen wir mit dem Instaprofil, das zeigt, was wir alles erlebt haben. Wer beim Finaleinzug des eigenen Teams nicht dabei ist, hat nicht nur als Fan versagt, sondern auch einen extremen Fall von FOMO. Denn die Angst etwas zu verpassen, ist der wahre Endgegner. Doch angesichts der moralischen und finanziellen Hürden dieser WM dürfen wir diesen Sommer getrost auf dem Sofa bleiben. Mit bestem Gewissen und in dem Wissen, dass alle anderen auch daheim sind.

3. Bestes US-Entertainment

Seien wir ehrlich. 90 Minuten Fussball zähes Taktikgeschiebe – man denke an die Simpsons-Folge über Fussball – sind für unsere Tiktok-geprägten Hirne nicht mehr zeitgemäss. Und wenn Amerika etwas kann, dann doch wohl Entertainment. Endlich kommen auch wir «Soccer»-Fans in den Genuss einer epischen Halbzeit-Show. Dazu gibt es zusätzliche Werbeblöcke in jeder Halbzeit, offiziell «Trinkpausen» genannt, die uns unterhaltsam über die neuesten Produkte informieren und uns Zeit für eine kleine WC-Pause geben.

4. Endlich Ruhe

Gerade weil die Weltlage aktuell so angespannt ist, sehnen sich viele Menschen nach einer Pause von den schlechten Nachrichten. Und wenn die ganze Welt Fussball schaut, kann doch auch keiner Schaden anrichten, oder? Erst recht vor den Augen der ganzen Welt würde sicher niemand Dummheiten anstellen. Das gilt übrigens auch für alle Zuschauer im Stadion: Bloss keine Dummheiten. Die FIFA hat kurz vor der WM eine Klausel erlassen, die jede Form von politischer Äusserung im Stadion pauschal sanktionierbar macht. Schmähgesänge gegen die Fifa oder ihren (und andere) Präsidenten können den jeweiligen Verband bis zu fünf Millionen US-Dollar kosten – offiziell zur Rassismusbekämpfung, doch eben auch, wenn man gegen «andere Funktionsträger» schiesst. Bei so viel verordneter Ruhe kann man sehr gut abschalten.

«Gesetzes-Dribbling»: Politik im Windschatten von Gross-Events

Box aufklappen Box zuklappen

Es gibt tatsächlich während einer WM oder EM ein Phänomen namens «Gesetzes-Dribbling». Wenn nämlich das öffentliche Interesse extrem auf den Sport fokussiert ist, können Regierungen die Gunst der Stunde nutzen, um unpopuläre oder umstrittene Gesetze ohne grossen öffentlichen Aufschrei durchzuwinken. Während der WM 2006 in Deutschland wurde etwa die Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent erhöht. 

In der Schweiz fällt die Sommersession zwar durchaus in die Zeit einer WM oder EM, allerdings wäre ein solches Manöver ungleich riskanter. Dank der 100-tägigen Referendumsfrist kann die Bevölkerung auch noch Monate nach dem vermeintlichen Entscheid zur Grätsche ansetzen.

5. Die Schweiz gewinnt sowieso

Egal, wer Weltmeister wird oder wie weit es die Nati diesen Sommer schafft, der wahre Sieger sitzt sowieso in Zürich. Die Milliardeneinnahmen aus den globalen TV-Rechten und dem Sponsoring fliessen in die Kassen der FIFA und damit in die Limmat-Stadt. Dank des Status als gemeinnütziger Verein sind diese Gewinne sogar weitgehend steuerbefreit. Jetzt muss nur noch das letzte Drittel der Weltbevölkerung, namentlich Indien und China, endlich einen TV-Deal mit der Fifa aushandeln.

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Radio SRF 4 News, 1.6.2026, 2:30 Uhr.

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