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Trubel um neues Logo Panic at the Discokugel: Wo ist mein Spotify hin?

Der Streamingdienst Spotify gibt sich zum 20-jährigen ein Jubiläums-Icon mit Discokugel – doch nicht alle machen Freudentänze.

«Verdammt, wo ist denn mein Spotify hin? Hab ich das aus Versehen gelöscht?» Seit vergangener Woche geistert, buchstäblich über Nacht, ein neues Spotify-Icon über unsere Smartphones.

Die vertrauten drei Schallwellen sind zwar noch da, doch im Hintergrund offenbart sich statt eines klassisch grünen Flat-Icons eine glitzernde 3D-Discokugel im «Y2K»-Stil – einem Retrotrend, der die futuristisch-glänzende Optik der Jahrtausendwende feiert.

Das Redesign ist Teil der 20-Jahre-Jubiläumskampagne von Spotify – und sorgte bei den rund 750 Millionen aktiven Nutzenden weltweit, gelinde gesagt, für Irritationen.

Spotify-Logo auf grüner Diskokugel.
Legende: «Isn't she lovely» schreibt die Streaming-Plattform Spotify in einem Post auf X über das neue Logodesign. Das sehen viele User offenbar anders. Der Disco-Look flankiert das neue «Party of the Year(s)»-Feature, mit dem man sich auf Spotify durch die eigene Hörhistorie klicken kann. Spotify

Ein gewöhnlicher Aufschrei

Nicht nur wird die App nicht mehr auf Anhieb gefunden – das über die Jahre antrainierte visuelle Gedächtnis, das uns quasi im Schlaf die richtige App ansteuern lässt, versagt. Die runde Discokugel wurde von einigen Usern sogar fälschlich mit einem Software-Update verwechselt.

Wenig überraschend folgte schon bald ein Sturm der Entrüstung. Denn wir Menschen sind Gewohnheitstiere, und ein ungewohntes Design wirkt wie ein Störfaktor in unserem sonst so gut geschmierten Alltag.

Dieser anfängliche Aufschrei ist beinahe schon ein Ritual online. Fast jede grössere Design-Änderung, ob von Facebook, Windows – oder eben Spotify –, wird erst von einer Hasstirade begleitet, bevor die Akzeptanz – oder zumindest die Resignation – einsetzt.

Zwei Instagram-Logos im Vergleich auf Holzoberfläche.
Legende: 2016 änderte die Bild-App Instagram ihr Logo. Der Retrokamera wurde lange nachgetrauert. Bei Spotify kommt der Weg hin zum Retro-Design hingegen gar nicht gut an. Imago/Depositphotos

Einen besonders grossen Aufschrei gab es etwa 2016 beim Logo-Rebrand der Social-Media-App Instagram, das plötzlich mit buntem Farbverlauf statt als Retro-Kamera auf den Displays erstrahlte (und so immerhin gefunden wurde).

Kann man eine so starke Meinung zu einem Logo haben?

Box aufklappen Box zuklappen

Für SRF-Digitalredaktor Guido Berger ist die Antwort ein klares Nein: «Ich glaube keine Sekunde, dass sich jemand echt über dieses temporäre Logo aufregt».

Vielmehr sei der hitzige Online-Diskurs ein inszeniertes Spiel mit zwei Gewinnern: User, die sich vermeintlich empören oder das Design verteidigen, generieren durch ihr Engagement persönliche Sichtbarkeit. Die Plattformen wiederum profitieren von der längeren Verweildauer, die sich in Werbeeinnahmen niederschlägt.

Die ganze Aufregung rund um Spotifys App-Icon sei daher vergleichbar mit einer Form von Click- und Rage-Bait. Die gezielte Polarisierung wird zur Methode, weil sich starke Meinungen in der heutigen Aufmerksamkeitsökonomie am besten verkaufen.

Nicht alles schlecht

Doch es gibt auch ein positives Echo auf das gewagte Retro-Design. Endlich werde der immer gleich minimalistische Einheitsbrei abgelöst, ein willkommener Bruch mit dem «sterilen» Tech-Minimalismus. Wenn sogar eine Firma wie Spotify ein solches Rebranding veranstalte, könne dies womöglich eine Design-Renaissance einleiten.

Mann steht auf, umgeben von sitzenden Menschen, Text oben.
Legende: Eine Discokugel als willkommene Abwechslung zum schnöden Tech-Design. Diese X-Nutzerin outet sich als Fan. Screenshot X/@alaska0420

Tatsächlich hat das Spotify-Logo seit Gründung des Konzerns 2006 durch Daniel Ek und Martin Lorentzon schon einige Änderungen durchlaufen. Von einem verspielt giftgrünen Ansatz hin zu einem deutlich cleanerem Look, um heute mit zu den wiedererkennbarsten Logos überhaupt zu gehören. Die Schallwellen waren von Anfang an mit dabei.

Vier verschiedene Spotify-Logos.
Legende: Das knallige Grün sollte von Anfang hervorstechen und so den damals innovativen und disruptiven Charakter von Spotify in die Welt schreien. Der genaue Grünton hat sich seither weiterentwickelt, die Idee nicht. Spotify

Ende der Panik

Die Discokugel wird aber wohl nicht bleiben. Laut Unternehmensangaben handelt es sich bei dem Look um ein temporäres Update für die Jubiläumskampagne: «Glitzer sei nun einmal nicht für jedermann.»

Nach Angaben des Journals «Brandneo» soll die Icon-Variation nur zwei Wochen lang auf dem Homescreen zu sehen sein. Und wer seine Apps nicht regelmässig aktualisiert, könnte Glück (oder Pech) haben und die Discokugel nie zu Gesicht bekommen.

Wer Spotify im Browser auf dem Computer aufruft, bemerkt zudem schnell, dass das kleine sogenannte «Favicon» in der Adresszeile noch immer das alte ist. Wie will man auch auf maximal 48 mal 48 Pixeln eine elaborierte Discokugel unterbringen?

Letztlich hat die Discokugel Spotify ins Gespräch gebracht – und das mit einer willkommenen Ablenkung für den Konzern. Denn wer spricht jetzt noch über Preiserhöhungen, die Entlohnung von Künstlerinnen und Künstlern, Privatsphäre, undurchsichtige Algorithmen oder umstrittene Investitionen? Partytime!

RTS, Soundcheck, 8.5.2026, 6:54 Uhr

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