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Unsichtbare Reinigungskräfte Sauberkeit hat ihren Preis – und viele Gesichter

Saubere Duschen, gereinigte Wohnungen, frische Böden. Wer macht diese Arbeit eigentlich? Ein Blick auf eine Tätigkeit, die alle benötigen – und die Menschen, die dabei gelegentlich übersehen werden.

Der Boden ist noch nass. Ein Wasserschlauch liegt quer durch den Raum. Aus einem Eimer riecht es scharf nach Reinigungsmittel. Bademeisterin Heidi Walter schrubbt den Boden vor den Duschen. Ihr Kollege zieht mit dem Staubsauger durch die Ruheräume, putzt Spiegel und Garderobenkästchen.

Bis um acht Uhr muss im Hallenbad Appenzell alles bereit sein: Drei Saunen. Elf Duschen. Toiletten. Böden. Spiegel. «Es ist ein Rennen gegen die Zeit», sagt Heidi Walter.

Person in Schutzausrüstung reinigt Abfluss in industrieller Umgebung.
Legende: SRF-Redaktorin Beatrice Gmünder assistiert unter Heidi Walters Anleitung im Hallenbad. SRF/Beatrice Gmünder

Die Handgriffe sitzen. Sie weiss, welche Stellen besonders schnell Kalk ansetzen. Welche Ecken gerne vergessen gehen. Und wo man zweimal hinschauen muss. Geputzt wird nicht nur, was später sichtbar ist. Auch die Abflüsse werden gereinigt, Kalk entfernt und Böden desinfiziert. Für die Gäste ist die Sauna ein Ort zum Abschalten. Für Heidi ist sie zuerst einmal ein Arbeitsplatz.

Es ist ein Rennen gegen die Zeit.
Autor: Heidi Walter Bademeisterin

Was für die einen nach Wellness aussieht, bedeutet für die anderen Schrubber, Wasserschlauch und Reinigungsmittel. Die Sitzbänke und Liegen müssen gereinigt werden, die Duschen auch. Jede Ecke hat ihre eigene Routine.

Hallenbad mit grossen Fenstern und Blick auf eine ländliche Landschaft mit Hügeln.
Legende: Blitzblank, so soll es sein: Das Hallenbad ist bereit für seine Gäste. SRF/Beatrice Gmünder

Seit Jahren beginnt ihr Arbeitstag so. Lange bevor die ersten Gäste kommen. Kurz nach sieben Uhr werden die Saunen eingeschaltet. Kurz vor acht Uhr werden die letzten WCs kontrolliert. Dann bleibt gerade noch Zeit für einen Kaffee.

Wenig später öffnen sich die Türen. Die ersten Gäste stehen bereits davor. Wer jetzt ins Hallenbad kommt, sieht von der Mühe nichts mehr. Alles ist sauber – wie gewohnt.

Putzen für Mindestlohn

Vieles wäre ohne die Reinigungsarbeit nicht benutzbar. Das Hallenbad nicht. Das Hotelzimmer nicht. Das Büro nicht. Beim Bademeistern ist das Putzen ein Teil des Jobs. Für rund 75'000 Menschen in der Schweiz ist es der Job.

Seit 2004 gibt es für die Branche einen Gesamtarbeitsvertrag. Seither sind die Mindestlöhne gestiegen. Aktuell liegt der Mindestlohn bei 21.40 Franken pro Stunde.

«I like making people happy»

Ein paar Tage später in einer leeren Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung in der Ostschweiz: Die Wohnung wird neu vermietet. Bevor die nächsten Mieterinnen und Mieter einziehen, muss sie gereinigt werden. In der Küche stehen Schubladen auf dem Boden. Der Kühlschrank ist offen. Die Lüftungsfilter liegen auf der Arbeitsfläche.

Die Reinigung übernimmt Catarina Sofia Bastos da Silva. Sie ist Mitte 20 und kam vor etwas mehr als einem Jahr aus Portugal in die Schweiz. Eigentlich ist sie Dentalhygienikerin. «Cleaning in Portugal? Never, just in my house», sagt sie und lacht.

Person mit schwarzen Haaren, die in einer Küche mit Reinigungsflaschen arbeitet.
Legende: Die Portugiesin Catarina Sofia Bastos da Silva ist in der Schweiz als Reinigungskraft tätig. Mit dem Putzen finanziert sie sich ihre Deutschkurse. SRF/Beatrice Gmünder

In Portugal habe sie nie als Reinigungskraft gearbeitet. Heute tut sie es trotzdem. Nicht, weil sie ihren Beruf aufgegeben hätte, sondern weil sie zuerst Deutsch lernen muss. Das koste Zeit. Und Geld. Deutschkurse lassen sich nicht einfach nebenbei bezahlen. Also arbeitet sie. Irgendwann möchte sie wieder als Dentalhygienikerin arbeiten. Bis dahin putzt sie Wohnungen.

Manchmal bekomme sie zu hören, dass man in der Schweiz Deutsch sprechen müsse. Natürlich müsse man das, sagt sie. Aber zuerst müsse man die Sprache auch lernen können. Sie macht kein Geheimnis daraus, dass sie irgendwann wieder in ihrem Beruf arbeiten möchte. Trotzdem spricht sie nicht so, als würde sie bloss auf die nächste Gelegenheit warten.

Lieber erzählt sie von den schönen Seiten ihrer Arbeit. Von Kundinnen und Kunden, die sich bedanken. Von Nachrichten nach einem Einsatz. Oder von Trinkgeld: «I like making people happy.»

«Wir lachen viel»

Im Badezimmer entfernt eine Kollegin Kalk von den Armaturen. Im Wohnzimmer werden Fensterrahmen gereinigt. Am Schluss kommen die Böden dran. Bis am Abend soll die Wohnung aussehen, als wäre gerade niemand ausgezogen.

Zwei Personen lächeln in einer Küche.
Legende: Catarina Sofia Bastos da Silva mit ihrer Teamchefin Helena Campos Gomes. Für sie stehen Teamwork und die Freude an der Arbeit im Vordergrund. SRF/Beatrice Gmünder

Helena Campos Gomes koordiniert das Team. Auch sie kommt aus Portugal. Vor sechs Jahren ist sie in die Schweiz gezogen. Davor hat sie Wirtschaft studiert und einen Supermarkt geführt.

Früher habe sie über Reinigungsarbeit anders gedacht, sagt sie – halt so, wie viele andere es auch tun: Putzen ist etwas, das man macht, wenn nichts anderes möglich ist.

Viele Leute würden denken, Putzen sei keine gute Arbeit, das sei aber falsch. Helena spricht von den Kolleginnen, mit denen sie viel lacht. Sie redet von dankbaren Kundinnen und Kunden. Davon, dass kein Tag gleich sei.

Dass sie heute Teamleiterin ist, erwähnt sie fast nebenbei. Wichtiger scheint ihr etwas anderes zu sein: dass sie gerne zur Arbeit geht. Dass sie in einem guten Team arbeitet. Und dass sie sich in der Firma wohlfühlt.

Arbeiten, wenn andere schlafen

Reta Barfuss doktoriert an der Universität Zürich zu den Arbeitsbedingungen in der Reinigungsbranche. Für ihre Forschung hat sie mit Reinigungskräften gesprochen. Manche erzählen von guten Teams und fairen Arbeitgebern. Andere machen andere Erfahrungen.

Man sieht das Ergebnis, aber nicht die Arbeit dahinter.
Autor: Reta Barfuss forscht zu Arbeitsbedingungen in Reinigungsbranche

Eine Reinigungskraft habe ihr erzählt, dass sie seit Jahren einen Hort reinige. Während das Team Weihnachten gefeiert habe, habe sie nebenan die letzten Räume geputzt. Eingeladen worden sei sie nie. Solche Geschichten höre sie immer wieder. «Man sieht das Ergebnis in sauberen Räumen, aber eigentlich nicht die Arbeit dahinter und vor allem auch nicht die Menschen.»

Für Barfuss hängt das auch mit einer Entwicklung zusammen, die seit Jahrzehnten läuft. Reinigungsarbeiten werden heute häufiger ausgelagert als früher. Wer putzt, gehört oft nicht mehr zum eigentlichen Team eines Betriebs. Viele Reinigungskräfte arbeiten dann, wenn andere noch schlafen oder bereits Feierabend haben.

In den Gesprächen erzählen Reinigungskräfte von tiefen Löhnen, von nicht bezahlten Wegzeiten oder von Diskriminierung. Andere wiederum berichten von privaten Kundinnen und Kunden, die ihre Arbeit schätzen.

Die Arbeit beginnt von vorn

Zurück im Hallenbad Appenzell sind die Badegäste unterwegs. Kaum ist eine Scheibe gereinigt, lehnt sich schon wieder jemand dagegen. Auf den Böden sieht man bereits neue Wasserflecken. Die Duschen müssen kontrolliert werden. Die Toiletten auch. Die Arbeit beginnt von vorn.

Morgen früh wird wieder jemand durch die Sauna gehen. Mit Wasserschlauch, Schrubber und Reinigungsmittel. Wenn um acht Uhr die ersten Gäste kommen, wird davon kaum mehr etwas zu spüren sein.

Radio SRF 3, Input, 14.06.2026; 20:00 Uhr

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