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Streaming-Plattformen Mit diesen sechs Tricks erkennen Sie KI-Musik

KI-Songs fluten Musikstreaming-Plattformen und erobern die Charts. Eine Bestandsaufnahme – und sechs Tipps als Orientierungshilfe.

Das Marktforschungsinstitut IPSOS hat im Auftrag der Streamingplattform Deezer Ende letzten Jahres eine Studie veröffentlicht: 97 Prozent der Musikhörenden können nicht unterscheiden, ob ein Musikstück KI‑generiert oder menschlichen Ursprungs ist. Ausserdem diagnostiziert die Studie eine explosionsartige Verbreitung von KI-Musik auf Streamingdiensten.

KI-Markierung erwünscht

Allein auf Deezer werden täglich über 50'000 KI-Songs hochgeladen – ein Drittel der gesamten Uploads. Auf grossen Plattformen wie Spotify, YouTube oder Apple Music ist die Flut entsprechend gross.

Aktuelle Debatte: KI-Cover von Stromae-Hit «Papaoutai»

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«Papaoutai – Afro Soul» heisst eine neue Coverversion des Stromae-Hits «Papaoutai» aus dem Jahr 2013. Weltweit landet er in den oberen Rängen der «Viral 50»-Playlists von Spotify. Einmal mehr stellen sich Radios die Frage, ob sie den Song ins Programm aufnehmen sollen. Grund der Debatte: Der Song ist ein KI-Produkt – ein Thema, das Programmverantwortliche aktuell beschäftigt. SRF spielt den Song derzeit nicht in der Rotation: «Er passt nicht ins Programm von SRF 3 und Virus», meint Michael Schuler, Leiter Musikprogrammierung, «aber in Spezialsendungen wie der ‹Hitparade› dürfte er durchaus zu hören sein».

Von den Teilnehmenden der IPSOS-Studie wünschen sich 80 Prozent eine eindeutige Markierung von KI-Musik. Einige Plattformen leisten hier bereits Pionierarbeit.

Eine flächendeckende Kennzeichnung von KI-Musik liegt aber noch in weiter Ferne. Ein Aktuelles Beispiel: Investigativ-Journalist Emanuel Karsten hat den Song «Jag vet, du är inte min» als KI-Produkt enttarnt, worauf die offiziellen schwedischen Charts den Song aus dem Rennen nehmen.

Doch das Lied thront weiterhin auf Platz 1 der Spotify-Playlist «Top 50 Sweden» – bis die BBC und andere Medienschwergewichte die Story global publik machen.

KI-Musik entlarven: eine Erkennungshilfe

Wie umgehen mit dem Wirrwarr von Musik, deren Urheber Menschen, Maschinen oder auch Menschen und Maschinen sind? Eine nicht abschliessende Liste von Tipps im Umgang mit Musik im Zeitalter von KI.

  1. Recherchieren: Wer genau hat den Song publiziert? Hat der Artist eine glaubwürdige Social-Media-Präsenz? Gibt es Interviews in vertrauenswürdigen Publikationen? Tourdaten? Reviews von Live-Konzerten? Falls nicht, sind die Chancen hoch, dass es sich um ein KI-Produkt handelt.
  2. Ohren spitzen: Wenn der Text verdächtig klischiert wirkt, die Musik allzu generisch klingt und seltsame Artefakte hörbar sind, könnte KI im Spiel sein. Disclaimer: Auch Menschen produzieren solche Musik zuhauf. Kritisch hinhören und hinschauen lohnt sich.
  3. Richtlinien der Streamer kennen: Plattformen wie Deezer oder Bandcamp haben strenge KI-Richtlinien erlassen und Erkennungssoftware integriert, um KI-Musik zu identifizieren, zu kennzeichnen oder komplett zu sperren. Vermutung: Weil der öffentliche Druck hoch ist, werden mittelfristig auch andere Streamingdienste nachziehen.
  4. KI-Erkennungssoftware nutzen: Es gibt Online-Tools, um KI-Musik zu erkennen. Eine nerdige Angelegenheit noch, aber durchaus einen Versuch wert. Bald dürften alltagstaugliche Detektor-Apps für KI-Musik auf den Markt kommen.
  5. Musikalische Detektivarbeit leisten: Manche KI-Songs entlarven sich von selbst. Beispiel: «Ain’t No Man Alive Can Handle Me» von Bertha Mae Lightning wird auf dem YouTube-Kanal «Dumpster Grooves» als rarer Fund aus dem Jahr 1952 angepriesen, millionenfach geklickt und in den Kommentarspalten als Sensation gefeiert. Geschulte Ohren erkennen: Diese «cleane» Aufnahme klingt nicht nach Blues aus den 1950er-Jahren – und elektronische Drum Beats dieser Art gab es damals nicht. Die Produzenten weisen im Begleittext des Songs übrigens darauf hin, dass Lightning eine Fiktion und der Song mithilfe von KI generiert ist.
  6. Live-Konzert besuchen: Die sicherste Methode, um die Echtheit von menschengemachter Musik zu prüfen. Noch ist die Wahrscheinlichkeit intakt, dass echte Menschen auf der Bühne stehen und echte Instrumente spielen.

Fakt oder Fake? – Die Themenwoche bei SRF

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Ab dem 26. Januar 2026 beleuchtet SRF das Thema Fake News eine Woche aus verschiedenen Blickwinkeln – mit Reportagen, Recherchen und Faktenchecks zu aktuellen Themen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Alle Inhalte finden Sie hier auf der Übersicht zur Themenwoche «Fakt oder Fake?».

Radio SRF 4 News, Echo der Zeit, 25.1.2026, 18 Uhr

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