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Trinkwasser-Initiative: Pro und Contra aus Sicht von Biobetrieben
Aus 10 vor 10 vom 13.05.2021.
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Trinkwasser-Initiative Biobauern zwar einig im Ziel, aber gespalten im Weg

Die Nähe zu den Tieren, die Verbundenheit mit dem Boden, der Einsatz für eine Landwirtschaft, die auf Pestizide verzichtet: Hansjörg Schneebeli und Alexandra Maier verbindet viel in der Art wie sie bauern. Doch wenn es um die Trinkwasser-Initiative geht, kommen die beiden zum gegenteiligen Schluss.

Der Hof der Familie Schneebeli liegt in Obfelden im Kanton Zürich. Seit über 20 Jahren arbeitet die Familie nach den Richtlinien von Bio Suisse, hält Mutterkühe für die Fleischproduktion, betreibt Ackerbau und eine Austernpilzzucht. Der Verzicht auf Pestizide ist Hansjörg Schneebeli seit 30 Jahren ein Anliegen. Würde die Trinkwasser-Initiative am 13. Juni angenommen, müsste er nichts ändern. Trotzdem engagiert er sich vehement dagegen.

«Scheinheilige Initiative»

«Für mich ist die Haltung der Initiative scheinheilig. Man sagt den Bauern, sie sollen etwas nicht mehr machen, kein Pestizid mehr einsetzen. Aber selber darf man machen, was man will. In den Hausgärten darf man weiter Pestizid brauchen.» Konventionell produzierte Nahrungsmittel würden dann einfach importiert und weiterhin konsumiert. «Das finde ich inkonsequent», sagt Schneebeli.

Wichtiger und notwendiger Schritt

Alexandra Maier bewirtschaftet ihren Hof zusammen mit ihrem Mann in Rubigen in der Nähe von Bern. Sie produzieren Milch und Getreide. Sie erfüllen die Knospen-Richtlinien von Bio Suisse und auch jene des strengeren biodynamischen «Demeter»-Labels. «Wir konnten in den letzten 25 Jahren die Erfahrung machen, dass es ohne Pestizide geht, dass man auch auf Antibiotika fast verzichten kann». Die Trinkwasser-Initiative sei deshalb ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Bei der Trinkwasser-Initiative geht es darum, dass Bäuerinnen und Bauern künftig auf Pestizide verzichten sollen. Andernfalls gibt es keine Direktzahlungen mehr. Ebenso verzichten müssten sie darauf, ihren Tieren vorbeugend Antibiotika zu geben. Schliesslich sollen die Bauern nur so viele Tiere halten, wie sie mit selber produziertem Futter ernähren können. Innerhalb von acht Jahren nach Annahme der Initiative soll das System umgestellt werden.

«Milchpreis fällt zusammen»

Für Hansjörg Schneebeli ist klar, dass ein Ja zur Initiative den Markt durchschütteln würde. Gerade im Berggebiet hätte das Konsequenzen, weil viele auf Bio umstellen würden. «Wenn dann der Konsum nicht im gleichen Ausmass steigt, dann haben diese Bergbauern einfach verloren, weil der Milchpreis zusammenfällt.»

Die Produktion von Bio-Milch ist ein wichtiges Standbein des Betriebs von Alexandra Maier und ihrem Mann. Doch sie sieht die Existenz eher von langfristigen Umweltschäden bedroht als von kurzfristigen Nachfrage-Einbussen. Zwar glaubt auch sie, «dass sich der Markt verändern wird.» Die Initiative würde aber nicht von einem Tag auf den anderen umgesetzt, die negativen Auswirkungen hielten sich daher in Grenzen. «Die Stossrichtung ist die richtige und da muss jetzt einfach etwas passieren», sagt Maier.

Unter den Biobauern dürfte sie zur Minderheit gehören. Die Delegierten des Verbandes Bio Suisse haben die Nein-Parole beschlossen, klar Ja hingegen sagt Bio Suisse zur Initiative für ein Pestizidverbot, die ebenfalls am 13. Juni zur Abstimmung kommt.

10vor10, 13.05.2021, 21:50 Uhr

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137 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Wie schaffen es die Bauern, welche seit Jahrzehnten ohne CHEMIE, dafür im Einklang mit der Natur, nachhaltig öko-logisch wirtschaften und davon leben können??
    Wo es doch angeblich nicht ohne CHEMIE geht, wie die CHEMIE-Bauernschaft der Bevölkerung weismachen will.... - LW, welche in der NATUR stattfindet, wohlverstanden!??
    1. Antwort von Ursula Schmid  (Biobäuerin)
      Mit top klimatischen Bedingungen, Gewächshäusern, kleineren Flächen, keine Massenproduktion für Grossverteiler, Produzieren im Nebenerwerb, Ideologie, neuen Sorten und Anbaumethoden. Die Gründe sind vielfältig, so wie die ganze Schweizer Landwirtschaft. Etwas, das im Luzerner Seetal gelingt, ist nicht automatisch für den Jura oder das Berner Oberland möglich.
    2. Antwort von Rahel Beglinger-Urner  (Älpleri)
      Nicht zu vergessen, der Absatz muss da sein. Leider ist Demeter, Solawi, etc., ja sogar bio noch immer ein Nischenprodukt. Man kann Landwirtschaft nicht ohne Markt denken.
    3. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      D.Casagrande, wir dürfen mE nicht ausblenden, diese Intensivlandwirtschaft hat auch mit Überbevölkerung zu tun. Unzählige Bauern haben für gutes Geld ihr Land an Bauhengste verraten, u.oft genug hat das Stimmvolk der Zuwanderung resp quant.Wirtsch'wachstum zugestimmt! Dennoch, wieso gibts nur so wenige rentable Biohöfe, bewirtschaftet von wirklich naturverbundenen, weitsichtigen Bauernleuten, die sich um die Nachwelt Sorgen machen? Weil bei den meisten Leuten Wohlstand vor Lebensgrundlage kommt!
  • Kommentar von Markus Wüthrich  (Markus Wüthrich 66)
    Genau deshalb muss man die TWI ablehnen. Sonst setzen viele Bauern auf die rentierenden intensiven Betriebszweige, verzichten auf Direktzahlungen und stoppen ihr bisheriges Ökoprogramm mit Brachflächen, Magerwiesen und spätem Grasschnitt, wenn die meisten Pflanzen verblüht sind. Unser vom Ausland bewunderte ÖLN würde über den Haufen geworfen. Die Bauern müssen dann Schlupflöcher suchen um finanziell zu überleben.
    NEIN zur kontraproduktiven TWI!
    1. Antwort von Nora Zollberger  (norzo)
      Herrr Wüthrich, Sie stimmen gegen die TWI, weil sie angeblich den Biolandbau gefährde. Wie erklären Sie sich, dass andere TWI-Gegner ein TWI-Ja fürchten, weil ein Bio-Überangebot drohe?
    2. Antwort von Rahel Beglinger-Urner  (Älpleri)
      Frau Zollberger, da bio aktuell bloss einen Marktanteil von 10,8% hat, könnte durchaus beides eintreffen. In gewissen Bereichen wird eine Überproduktion stattfinden, in anderen, wo Direktzahlungen weniger ausmachen, wird ganz darauf verzichtet und massiv intensiviert.
      Nur wenn die Konsumenten auch in der Verantwortung wären, könnte man ein solches Szenario ausschliessen. Sind sie mit der TWI aber leider nicht.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Wildblumenflächen in Getreidefeldern sind für die Feldlerche ein idealer Lebensraum.
    Auf Hochstammbäumen nisten und brüten seltene Vogelarten. In angelegten Stein- und Asthaufen leben Reptilien und wachsen seltene Pflanzen. Hecken aus einheimischen Sträuchern bieten Unterschlupf und Nahrung für Vögel und andere Tiere.
    Mit mehrjährigen Brachen kann sich der Boden erholen und wird zum Paradies für Insekten und Kleintiere. Helfen wir mit, das Wunder der Natur zu erhalten ohne Pestizide.
    1. Antwort von Ursula Schmid  (Biobäuerin)
      Herr Keller, da haben sie recht. Diesbezüglich wurde in den letzten Jahren schon vieles gemacht und weitere Projekte folgen. Ich meine, das darf man auch zur Kenntnis nehmen. Meistens erfolgen solche Änderungen mir dem Generationenwechsel auf den Höfen. Eine Arbeit oder Veränderung gelingt nur, wenn sie aus Überzeugung geschieht, alles andere ist zum Scheitern verurteilt. Der Biolandbau ist das Paradebeispiel. Ohne Überzeugung und Freude gelingt er nicht.
    2. Antwort von Rahel Beglinger-Urner  (Älpleri)
      Sie haben recht. Die TWI setzt hier aber nicht an. Der heutige ökologische Leistungsnachweis (ÖLN) hingegen schon. Bei einigen dieser Programme müssen die Bauern mitmachen, bei anderen ist es freiwillig. Warum nicht hier weiter ausbauen?
    3. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Ursula Schmid "in den letzten Jahren" Sie bestätigen damit genau das, was ich Verantwortlichen seit Jz vorwerfe: man hätte es nicht so weit kommen lassen müssen! Wie lange schon bauen Menschen an, wird vor Eingriffen in Natur+Umwelt, vor Anwendung von Pestiziden, in jüngster Zeit vor Antibiotika u.GT gewarnt? Diese Initiativen gewähren 8-10J Übergangsfrist. Wonach wirklich naturverbundene Bauern schon vor Generationen gar ohne Beiträge lebten, was eigentlich normal sein sollte, gilt nicht mehr.