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Artemis-II-Mission Was es mit der «dunklen Seite» des Mondes auf sich hat

Die Nasa-Raumkapsel «Orion» ist auf die Mondrückseite gelangt. Erstmals seit Jahren sehen Menschen sie mit blossem Auge.

Worum geht es? Das Raumschiff Orion ist auf die Rückseite des Mondes gelangt. Seit 1972 ist es das erste Mal, dass die von uns abgewandte Seite des Mondes von blossem Auge gesehen wird. Bisher haben laut der US-Raumfahrtbehörde Nasa 24 Astronauten diverser Apollo-Missionen den Mond umrundet und seine Rückseite gesehen. 2019 landete erstmals eine unbemannte Raumfahrtmission auf der Rückseite: die chinesische Chang'e 4. Betreten hat die Rückseite noch kein Mensch.

Die Rückseite sieht aus wie ein Sandhaufen, in dem meine Kinder schon eine ganze Weile gespielt haben.
Autor: William Anders Astronaut Apollo 8

Was ist die «dunkle Seite» des Mondes? Die Bezeichnung «dunkel» ist missverständlich. Die von der Erde abgewandte Seite erhält genauso viel Licht wie die Vorderseite. Weil der Mond sich während einer Erdumrundung um die eigene Achse dreht, bleibt praktisch immer dieselbe Hemisphäre uns zugewandt. Erste Bilder von der Rückseite des Mondes brachte eine sowjetische Raumsonde 1959 zurück.

Wie sieht es dort aus? Erstmals zu Gesicht bekamen die Rückseite des Mondes die Astronauten von Apollo 8. «Die Rückseite sieht aus wie ein Sandhaufen, in dem meine Kinder schon eine ganze Weile gespielt haben», sagte William Anders der Missionskontrolle in Houston. Sie sei zerfurcht, mit vielen Unebenheiten und Löchern. «Es sieht dort wirklich ganz anders aus», sagt Weltraumphysiker Peter Wurz von der Universität Bern. So fehlen die dunklen Flächen, welche man auf der Vorderseite des Mondes sieht. Diese durch erstarrte Lava gebildeten Ebenen, auch Meere genannt, gibt es auf der Rückseite beinahe nicht.

Mond vor der Erde aus dem Weltraum.
Legende: Der Satellit «Deep Space Climate Observatory» (DSCOVR) lieferte 2015 dieses Bild von der Rückseite des Mondes. Keystone/EPA/NASA

Was macht die Rückseite besonders? Die Rückseite ist also gebirgiger und voller Krater. Der höchste Punkt befindet sich auf rund 10'800 Metern. Das ist zwei Kilometer höher als der Mount Everest. «Das Material auf der Erde abgewandten Seite ist ganz anders», sagt Wurz. Das habe man etwa bei Bodenproben feststellen können, welche die chinesische Raumfahrt gesammelt habe. Die Proben stammten von der umbenannten Chang'e-6-Mission, welche 2024 auf der Mondrückseite landete. Wurz hofft, dass man noch viel über die Rückseite lernen wird, wenn Menschen dort landen und den Boden noch besser analysieren können.

Warum ist die Rückseite wichtig? Damit Astronautinnen und Astronauten längere Zeit auf dem Mond bleiben könnten, braucht es Ressourcen vor Ort. «Man kann nicht jegliches Trinkwasser dort hinbringen», sagt Peter Wurz. Wenn sich bereits vorhandenes Wasser auf dem Mond nutzen liesse, wäre das für den Weltraumphysiker eine Sorge weniger. «Es gibt dort riesige Krater, die nie ans Sonnenlicht kommen», sagt Wurz. In solchen dauerhaft verschatteten Kratern könnte Wassereis lagern, das künftige Missionen abbauen und nutzen könnten.

Mondoberfläche mit Kratern und Schatten.
Legende: Ein Bild der Nasa von 2025 zeigt eine tiefe Schlucht auf der Rückseite des Mondes, das laut der Raumfahrtbehörde durch einen Asteroiden-Einschlag gebildet wurde. Keystone/AP/Nasa/ERNIE T. WRIGHT

Warum bricht der Funkkontakt auf der Rückseite ab? Wenn sich der Mond zwischen Raumschiff und Erde befindet, werden jegliche Funksignale unterbunden. Die Funkstille bei der aktuellen Mission dauerte etwa 40 Minuten. In Zukunft will die Nasa mithilfe eines Satellitensystems die Kommunikation mit Raumschiffen verbessern, auch wenn sie sich auf dem Südpol oder der Rückseite des Mondes befinden.

Warum fliegt die Artemis-II-Mission um den Mond? Weil es sich um eine bemannte Mission handelt, muss das Raumschiff samt Mannschaft auf die Erde zurückkehren. Die Schwerkraft des Mondes lenkt die Rakete so ab, dass sie dann wieder zurück Richtung Erde fliegt. Wie ein Bumerang wird die Orion nach der Umrundung des Mondes wieder zur Erde zurückkehren.

Newsplus, 1.4.2026, 16 Uhr; noes

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