«Das Universum erforschen, die Medizin revolutionieren»: Mit diesen Worten lädt die Universität Bern heute Abend zu einer Konferenz ein. Diese soll den irdischen Nutzen der Raumfahrt aufzeigen. Denn Weltraumforschung biete eine «einzigartige Gelegenheit, die menschliche Gesundheit besser zu verstehen und zu verbessern».
An der Veranstaltung nehmen Experten, Forscherinnen und Fachleute teil, darunter auch die Ingenieurin und Materialwissenschaftlerin Eleonore Poli. Die junge Lausannerin erforscht, wie Raumfahrttechnologien auf der Erde angewandt werden können. Das Besondere: Sie hat bereits mehrere Missionen als «Analog-Astronautin» bestritten.
«Wir versuchen, die Bedingungen einer Weltraummission zu simulieren – sei es auf oder unter der Erde oder auch unter Wasser», erklärt sie. Die Einsätze können einige Tage oder Wochen dauern, im Extremfall auch ein Jahr.
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Bild 1 von 2. Eleonore Poli (links) bei der Vorbereitung des Mondmission-Experiments «Asclepios»: 2021 verbrachte sie acht Tage im Nagra-Felslabor im Grimselgebiet. Bildquelle: Keystone / Valentin Flauraud.
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Bild 2 von 2. 450 Meter unterhalb des Gipfels des Juchlistocks, in vollständiger Isolation. Das Experiment umfasste wissenschaftliche und soziale Studien. Bildquelle: Keystone / Valentin Flauraud.
Auch in den französischen Alpen probte sie schon unter Extrembedingungen: Eistauchen mit Ganzkörperanzug, Nachtlager bauen, Ankämpfen gegen Schneestürme. Poli half auch bei der Amadee-24-Mission in einer kargen Hügellandschaft in Armenien mit. Dort probten internationale Forschende den «Ernstfall Mars» in kompletter Isolation unter möglichst realen Bedingungen.
Fünf Analog-Astronautinnen und -Astronauten lebten zusammen in einer Raumkapsel. Von dort zogen sie mit 50 Kilogramm schweren Raumfahrtanzügen los, um beispielsweise Gesteinsproben zu sammeln.
Was bringt’s?
Aber was bringt die Raumfahrt nun eigentlich für den medizinischen Fortschritt auf der Erde? Die Forscherin nennt ein Beispiel: In der Schwerelosigkeit auf der Raumstation ISS altert der Mensch aufgrund der extremen Bedingungen schneller – etwa durch Muskel- und Knochenabbau.
«So können wir beispielsweise Medikamente und Medizinaltechnik gegen Osteoporose (Knochenschwund, Anm. d. Red.) testen», erklärt Poli. Analog-Astronauten simulieren etwa, wie im Notfall mit Telemedizin gearbeitet werden kann, um Menschen in der Isolation zu helfen – sei es im All oder auf der Erde.
Schweizer Know-how ist gefragt
Als Raumfahrtnation ist die Schweiz gemeinhin nicht bekannt. In der Weltraumforschung spielt sie aber eine beachtliche Rolle. Schon in den 1960er-Jahren führte die Universität Bern Forschungen zum Leben im Weltraum durch; die Schweiz gehörte auch zu den Gründungsmitgliedern der Europäischen Weltraumorganisation (ESA).
«Gleichzeitig ist die Schweiz Nummer eins bei Technologie und Innovation», sagt Poli. Dieses Know-how ist auch in der Weltraumforschung gefragt, wo Materialien und elektronische Komponenten extremen Bedingungen ausgesetzt sind – sei es durch Strahlung, Schwerelosigkeit oder Extremtemperaturen.
«Hier Lösungen zu finden, ist eine grosse Stärke der Schweiz», schliesst die Ingenieurin. Und genau das treibt auch sie selbst an: «Ich will mich immer wieder herausfordern und Lösungen finden.»
Der grosse Traum der Analog-Astronautin: Das «Analog» zu streichen und selbst ins All zu fliegen. Dafür brauche es aber viel Glück und Arbeit. «Bei der letzten Rekrutierung der ESA haben sich 22'000 Kandidatinnen und Kandidaten beworben – genommen wurden 20 von ihnen», sagt Poli.
Davon will sie sich aber nicht entmutigen lassen: «Im Leben kann man immer alles versuchen.» Ein Motto, das die junge Lausannerin dereinst in ganz andere Sphären katapultieren könnte.