Viele Fachleute sind voll des Lobes über den Verlauf der Artemis-2-Mission; unter ihnen der Astronaut der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Alexander Gerst, der selber schon fast ein Jahr lang im Weltraum verbracht hat.
SRF News: Die Artemis-2-Mission ist beendet. Wie ist Ihre Einschätzung über den Verlauf?
Alexander Gerst: Die Artemis-2-Mission ist abgelaufen wie im Bilderbuch. Das ist wirklich tadellos. Gratulation an die Nasa, die diese Mission hauptverantwortlich durchgeführt hat, aber auch an die Teams der Europäischen Weltraumorganisation ESA, die das Antriebsmodul geliefert hat. Die Hälfte des Raumschiffs ist in Europa, in Deutschland und auch in der Schweiz gebaut worden. Das finde ich grossartig, dass da Europa mit dabei ist.
Was heisst das für die Raumfahrt der Zukunft, dass Menschen wieder auf den Mond wollen?
Die Artemis 2 war eine wichtige Testmission. Bei der nächsten Mission macht man dann Andocktests an die Mondlandefähre. Bei der übernächsten Mission geht es dann auf die Mondoberfläche runter und zwar an der Stelle, an der die Apollo-Missionen nicht landen konnten. Die sind geologisch sehr viel interessanter.
Die Hälfte des Raumschiffs ist in Europa und auch in der Schweiz gebaut worden.
Dann bleibt man ein bisschen länger auf der Mondoberfläche mit dem Ziel, dass wir am Schluss Forschungsstationen auf dem Mond haben. Ein wenig wie die Stationen, die es in der Antarktis hat. Überhaupt kann man den Mond sehen wie einen achten Kontinent der Erde, den es jetzt zu entdecken gilt. Was wir heute gesehen haben, war der Beginn einer neuen Ära der Weltraumexploration, auf der alles in Zukunft aufbauen wird.
Lange gab es es keine Mondlandung mehr. Weshalb ist der Mond jetzt wieder interessant?
Der Mond war die ganze Zeit spannend für Forscherinnen und Forscher. Sie haben immer gesagt, wir müssen dort hinfliegen. Nicht wegen der Flagge auf dem Mond, sondern weil es sehr viel zu entdecken gibt. Zum Beispiel kann man dort Krater von Meteoriteneinschlägen viel besser untersuchen als auf der Erde. Das ist wichtig für uns, weil auch wir auf der Erde in Zukunft von Meteoriten getroffen werden können. Die kann man vom Mond aus besser sehen und auch besser abwehren.
Das heisst, es gibt noch viel mehr zu erforschen auf dem Mond?
Ja, unter anderem auch beim Südpol des Mondes. Da gibt es Wasser in den Kratern in ewiger Dunkelheit. Das ist minus 250 Grad Celsius kaltes Wasser, das sich dort seit Milliarden Jahren befindet und aus dem Weltraum kam. Da sind vielleicht frühe Bausteine des irdischen Lebens drin. Dadurch könnte vielleicht die Frage beantwortet werden, die sich bestimmt jeder schon mal gestellt hat, wenn er in den Nachthimmel geschaut hat: Sind wir hier allein im Universum oder gibt es da draussen weiteres Leben? Solche Fragen könnten geklärt werden, und darum sind diese Missionen sehr wichtig.
Welche Rolle spielte die Schweiz bei der Artemis-Mission?
Ja, die Schweiz war mit an Bord: für die Motoren zur Steuerung der Solarpaneele, die den Strom für die gesamte Mission geliefert haben. Am Bau dieses Antriebsmoduls waren 13 Länder beteiligt. Es geht also nicht nur um Wissenschaft, die man vom Mond zurückbringt, sondern auch um die Befähigung der Industrie, die solche Weltraumtechnologie bauen kann.
Meteoriten kann man vom Mond aus besser sehen und auch besser abwehren.
Dies nicht zuletzt auch als Inspiration für junge Menschen, man braucht heute nicht in den USA zu studieren, um Astronautin zu werden oder Wissenschaftler. Deswegen sind wir sehr stolz bei der ESA, dass wir Beteiligung auch aus der Schweiz haben.
Das Gespräch führte Bähram Alagheband.
-
Bild 1 von 14. Kommandant Reid Wiseman blickt aus einem Fenster des Raumschiffs «Orion» auf die Erde, unterwegs zum Mond am Donnerstag, 2. April 2026. Bildquelle: Keystone / AP, NASA.
-
Bild 2 von 14. Sie werden hinter dem Mond durchfliegen: die Astronauten Jeremy Hansen (Missionsspezialist), Victor Glover (Pilot), Reid Wiseman (Kommandant) und Christina Koch (Missionsspezialistin). Bildquelle: Reuters / Joe Skipper.
-
Bild 3 von 14. Mit Astronautin Christina Koch nimmt zum ersten Mal auch eine Frau an einer Mondmission teil. Bildquelle: Reuters / Steve Nesius.
-
Bild 4 von 14. Auf dem Weg Richtung Mond: Die Mission der Artemis 2 beginnt mit dem Start am 1. April 2026 vom Kennedy Space Center in Cape Canaveral aus. Bildquelle: REUTERS / Joe Skipper.
-
Bild 5 von 14. So leben die drei Astronauten und die Astronautin auf ihrer Reise um den Mond. Die Platzverhältnisse in der «Orion»-Raumkapsel sind eng. Bildquelle: Keystone / AP, Nasa.
-
Bild 6 von 14. Es folgen spektakuläre Bilder aus dem All: Hier die leuchtende Erde, eine Aufnahme des Artemis-2-Kommandanten, Reid Wiseman. Bildquelle: Keystone / AP, NASA .
-
Bild 7 von 14. Das Raumschiff «Orion» nähert sich dem Mond: Bild aus einem Livestream-Video vom 6. April 2026. Bildquelle: Reuters/NASA.
-
Bild 8 von 14. Während der siebenstündigen Passage in Mondnähe entstand die Aufnahme des Erdaufgangs. Sie erinnert an die ikonische Aufnahme «Earthrise», die während der ersten Mondlandung 1968 aufgenommen wurde. (6. April 2026). Bildquelle: Reuters / NASA.
-
Bild 9 von 14. Der vollständig beleuchtete Mond. Rechts die Hemisphäre, die wir von der Erde aus sehen, erkennbar an den dunklen Flecken. Von der Erde aus ist immer nur die gleiche Seite des Mondes sichtbar. (6. April 2026). Bildquelle: Reuters / NASA.
-
Bild 10 von 14. Die Kapsel «Orion» landet in der Nacht auf Samstag um 02:07 Uhr vor der US-Westküste im Pazifik. Bildquelle: Keystone / EPA / Nasa, Bill Ingalls.
-
Bild 11 von 14. Die Landung erfolgt zur geplanten Zeit. Bildquelle: Keystone / EPA / Nasa, Bill Ingalls.
-
Bild 12 von 14. Ein Boot nähert sich der gewasserten Kapsel, um die Astronauten zu bergen. Bildquelle: Keystone/ AP, Joel Kowsky.
-
Bild 13 von 14. Pilot Victor Glover und die Astronautin Christina Koch freuen sich über die geglückte Landung. Hier sitzen die beiden im Helikopter, mit dem sie zum Bergungsschiff gebracht worden sind. Bildquelle: Keystone / AP / Nasa, Bill Ingalls.
-
Bild 14 von 14. Die Raumkapsel wird in das US-Navy-Schiff USS «John P. Murtha» geladen. Bildquelle: Keystone / AP / Nasa, Bill Ingalls.