Das Onlineportal «L'Agefi» hatte schon am Donnerstag gemeldet, weder das Personal am Hauptsitz in Yverdon-les-Bains noch jenes der deutschen Tochtergesellschaft hätten im letzten Monat Löhne ausbezahlt erhalten.
Nach Angaben der Geschäftsleitung handelt es sich um ein kurzfristiges Liquiditätsproblem. Doch hinter dieser Formulierung könnte sich eine schwerere Krise verbergen.
Erläuterungen eines RTS-Journalisten zum Fall Leclanché:
Leclanché ist ein historisches Industriejuwel des Waadtlands. Es war 1909 gegründet worden und zunächst im Bereich Batterien tätig. Später spezialisierte es sich auf Hochtechnologie-Akkus.
Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung arbeiteten «aktiv an der Suche nach Lösungen für diese Herausforderungen», schrieb das Unternehmen am Freitag in einer Mitteilung. «Mehrere kurzfristige Finanzierungsoptionen befinden sich in verschiedenen Umsetzungsstadien, insbesondere mit einigen unserer wichtigsten Partner.»
Die Massnahmen müssten «in naher Zukunft» ergriffen werden, heisst es im Text. Ein genaues Datum wird nicht genannt.
Umweltfreundlichere Batterien
Das Portal «L'Agefi» zitierte aus internen Mitteilungen. Demnach teilte die Geschäftsleitung ihren Angestellten am 29. Januar mit, dass die Löhne nicht ausbezahlt werden könnten und dass das innert einer Woche nachgeholt werde. Aber Anfang Februar wurde eine erneute Verschiebung bekannt gegeben.
Die finanziellen Schwierigkeiten von Leclanché sind nicht neu. Im Vergleich zu den asiatischen «Riesen», die im Massstab von Megafabriken produzieren, ist Leclanché ein Luxushandwerker. Seit mehr als einem Jahrzehnt gleicht seine Geschichte einer finanziellen Flucht nach vorn. Gleichzeitig erfordert der Trend zu umweltfreundlicheren Batterien massive Investitionen.
Um finanziell zu überleben, hat das Unternehmen mehrmals seine Schulden in Kapital umgewandelt und so die Insolvenz vorerst abgewendet. Im Jahr 2024 verzeichnete Leclanché einen Nettoverlust von 67,7 Millionen Franken.
Massive Investitionen gefordert
Ende letzten Jahres hellten sich die Perspektiven auf – dank der Aussicht auf eine Finanzierung von knapp 70 Millionen Franken durch die EU für die Herstellung von Batteriezellen in Europa.
Aber diese Subvention ist an Bedingungen geknüpft: Leclanché muss bis Ende Juni eine ergänzende Finanzierungslösung von 141,3 Millionen Euro finden, um die Kapazität seines Standorts in Willstätt in Deutschland auf 2 Gigawattstunden zu erhöhen. So steht es in einer Vereinbarung mit der Exekutivagentur für Klima, Infrastruktur und Umwelt der EU.
Das Unternehmen hofft nun auf einen rettenden Engel. Am Freitagmorgen brach seine Aktie massiv ein.