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Anti-LGBT-Repression Schwuler im Senegal: «Ich will nur weit weg von hier»

Schwule im Senegal werden neu härter bestraft. Viele fliehen, andere verstecken sich. Begegnung mit einem Betroffenen.

Im Senegal leben homosexuelle und andere queere Menschen in einem Klima wachsender Angst. Seit im März ein Gesetz verabschiedet wurde, das Beziehungen zwischen gleichgeschlechtlichen Personen noch strenger bestraft, wurden bereits Dutzende verhaftet. Viele Betroffene haben das Land verlassen, andere leben versteckt.

Silhouette einer Person hinter einem Vorhang, Pflanzen im Vordergrund.
Legende: Wer nicht flieht, versteckt sich: eine queere Person in Senegals Hauptstadt Dakar. Reuters / Zohra Bensemra

So wie Ousmane (Name geändert). Bei Einbruch der Dunkelheit, an einem geheimen Ort, ist er bereit, von seiner Lage zu erzählen. Seit sein Partner vor zwei Monaten verhaftet wurde, versteckt sich der junge Mann.

«Sein Name, sein Ruf, alles wurde im Netz und in den Zeitungen öffentlich gemacht. Ich hatte Angst und sagte mir: ‹Ich sterbe lieber, als geschnappt zu werden, sterbe lieber, als in den Zeitungen zu sein›», erzählt er im Interview mit dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).

Im Senegal drohen Homosexuellen neu bis zu zehn Jahre Gefängnis. Rund hundert Personen wurden in drei Monaten verhaftet, darunter vier Freunde von Ousmane.

Hören Sie die Reportage aus Dakar

Der junge Mann hat daher nur noch eines im Kopf: das Land zu verlassen. «Das ist alles, was ich will. Weit weg von hier. Denn hier verurteilt man uns, stempelt uns als verfluchte Personen ab.»

Amnesty spricht von «Hexenjagd»

Die erste Verurteilung seit der Verabschiedung des verschärften Gesetzes erfolgte am 10. April. Ein junger Arbeiter, der mit einem anderen Mann erwischt wurde, erhielt sechs Jahre Gefängnis.

Die meisten Verhaftungen gehen auf Denunziationen zurück und auf die Auswertung persönlicher Daten. «Oft geht es um Handlungen, die noch vor der Verabschiedung des Gesetzes begangen wurden, zum Teil vor sehr langer Zeit», sagt Seydi Gassama, der Direktor der senegalesischen Sektion von Amnesty International.

Entdeckt würden die kompromittierenden Handlungen etwa in Whatsapp-Gruppen oder durch die Auswertung von Handys. «Das wird eindeutig zu einer Hexenjagd», sagt Gassama weiter.

Laut Amnesty International erhalten zahlreiche LGBT-Häftlinge, mit denen die Organisation im Gefängnis Kontakt hatte, zudem keinen rechtlichen Beistand, da einige Anwälte sich weigern, sie zu verteidigen.

RTS, La Matinale, 19.5.2026, 6:16 Uhr; wyss

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