Aus aller Welt strömen Menschenmassen in die Schweizer Alpen. Doch hinter der Postkartenidylle steckt auch ein Preisschild. Die Tourismusbranche ist stark von der Arbeitsmigration abhängig – auch von jener ohne Papiere.
Genau dieser schattenhafte Mikrokosmos wird von Regisseur Dominik Locher in seinem dritten Spielfilm (nach «Tempo Girl» von 2013 und «Goliath» von 2017) beleuchtet. Unter dem Titel «Enjoy Your Stay» wird das Leben von Luz, gespielt von Mercedes Cabral, gezeigt. Sie arbeitet als Sans-Papiers in Verbier und reinigt dort Luxus-Chalets, bis sie wegen familiärer Probleme dazu gezwungen ist, ihre eigenen moralischen Werte zu hintergehen.
Blick in den Globalen Süden
Locher trug die Idee zu einem solchen Film schon lange mit sich herum und schloss sich daher mit der philippinischen Drehbuchautorin Honeylyn Joy Alipio zusammen. Sie selbst ist von der Problematik betroffen: Ihre Mutter arbeitete während ihrer Kindheit ebenfalls im Ausland.
«Für Menschen auf den Philippinen kann es sehr schwer sein, der Welt zu vermitteln, was uns im Globalen Süden widerfährt», sagt Alipio gegenüber dem SRG-Informationsportal für die Schweizer Community im Ausland, Swissinfo.
Locher und Alipio begannen gemeinsam, die Geschichte zu recherchieren und aufzuarbeiten. Sie sprachen mit Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, mit Sans-Papiers aus allerlei Nationen, der örtlichen Polizei, regionalen Behörden, Chaletbesitzerinnen und Touristen. Nach und nach kristallisierte sich das Bild der Protagonistin Luz und ihrer Ambitionen heraus, ebenso wie jenes der übrigen Charaktere.
«Wir wollten diese Frauen – und es sind fast immer Frauen – nicht als Opfer darstellen», erläutert Alipio. «Es brach mir das Herz, als ich erfuhr, dass viele von ihnen auf den Philippinen hochqualifizierte Berufe hatten. Sie waren Bankerinnen, Landwirtinnen oder Lehrerinnen und arbeiten nun in der Schweiz als Reinigungskräfte.»
Internationales Lob
Eine interkulturelle Zusammenarbeit gab es nicht nur zwischen Locher und Alipio. Die beiden bemühten sich darum, dies auf allen Ebenen zu leben – bei den Kameraschaffenden, den Redaktorinnen oder den Schauspielern.
Diese doppelte Bewusstseinsebene des Films – der Wechsel zwischen Kulturen und Klassen – fand jüngst an der Premiere an der Berlinale grossen Anklang. Drehbuchautorin Alipio zeigt sich ermutigt von der internationalen Resonanz: «Es scheint ein Film zu sein, der wirklich eine tiefere Debatte anstossen kann. Daher hoffe ich, dass wir diese Dynamik aufrechterhalten können.»