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Behörde prüft Schminkmarken Italien geht gegen Make-up bei Jugendlichen vor

Die italienische Wettbewerbsbehörde leitet zwei Untersuchungen gegen Schminkmarken ein.

Die Autorità Garante della Concorrenza e del Mercato, kurz AGCM, prangert mögliche unlautere Geschäftspraktiken an, die auf Jugendliche, teils sogar auf Kinder unter zehn Jahren, abzielen. Gemäss den italienischen Behörden sollen die kritisierten Praktiken Minderjährige in eine Art Besessenheit für Hautpflege führen.

Die entsprechenden Produkte sind eigentlich für Erwachsene entwickelt worden: Anti-Aging-Cremes oder etwa Gesichtsmasken. Die italienische Wettbewerbsbehörde wirft den beiden Marken Sephora und Benefit – beide gehören dem LVMH-Konzern an – vor, dass sie bewusst wesentliche Informationen auf den Produktbeschreibungen weglassen. So fehlt etwa ein Warnhinweis, dass diese Kosmetika nicht für Minderjährige getestet oder vorgesehen sind.

Der Bericht von RTS mit deutschen Untertiteln:

Weiter spricht die Behörde von irreführenden Informationen: So soll gemäss der AGCM das häufige, kombinierte Verwenden der Produkte gesundheitsschädliche Folgen für Kinder mit sich bringen.

Werbung mittels Mikro-Influencerinnen

Die AGCM vermutet, dass die beiden Kosmetikmarken bewusst eine Art «verdecktes» Marketing mittels junger Influencerinnen etabliert haben, welche die Produkte auf Social Media bewerben. Verdeckt, weil die Werbebotschafterinnen oft nur wenige Tausend Follower besitzen und damit meist unter dem Radar der Öffentlichkeit bleiben – aber trotzdem die minderjährige Zielgruppe erreichen.

Zurzeit sei es noch nicht möglich, all diese Profile zu identifizieren, die Untersuchungen dazu laufen. In einem dieser Videos startet eine Jugendliche ein «Get ready with me», zeigt ihre Routine mit Pflegeprodukten. Sie trägt ein rosa Serum auf, welches die Haut strahlender machen soll. Anschliessend zeigt sie das Ergebnis in die Kamera und schwärmt von ihrer glänzenden Haut. Es ist nur eines von vielen Beispielen, welche man finden kann – insbesondere für Sephora werde öfter Werbung gemacht, schreibt das Radio und Fernsehen der Westschweiz (RTS).

Aber: Das Phänomen kann weder in Italien noch in anderen europäischen Ländern quantifiziert werden. Gemäss der europäischen Datenschutzverordnung dürfen Unternehmen die Einkäufe von Kundinnen und Kunden unter 18 Jahren nicht verfolgen.

Zusammenhang gesucht

In einer Recherche vom vergangenen Jahr konnte das italienische Nachrichtenportal «Il Post» zwei Geschäftsführerinnen von Parfümläden befragen. Sie erklärten, dass sie es in den vergangenen Jahren «immer mehr mit präpubertären Kundinnen zu tun» gehabt hätten, welche oft in Gruppen und ohne Eltern in die Läden kamen. Sie kämen in die Läden «mit dem exakten Betrag in bar, um ein bestimmtes Produkt zu kaufen, welches sie zuvor auf Tiktok entdeckt hatten».

Die Untersuchung der AGCM muss nun klären, ob es eine Verbindung zwischen den kritisierten Marken und den Mikro-Influencerinnen gibt. Zwischenzeitlich hat bereits die italienische Finanzpolizei – welche dem Wirtschaftsministerium unterstellt ist – gegen Sephora und Benefit Ermittlungen eingeleitet. Die Unternehmen erklärten indes, vollständig mit den Behörden zu kooperieren, und gaben an, dass sie sich an geltende Gesetze und Vorschriften halten würden.

Auf politischer Ebene hat die italienische Regierung sich noch nicht dazu geäussert. Jedoch hat die rechte Regierungspartei Lega Anfang des Jahres einen Gesetzesentwurf eingereicht, welcher den Zugang zu Social Media in Italien für Jugendliche unter fünfzehn Jahren untersagen soll.

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RTS Tout un monde, 31.03.2026, 8:10 Uhr; wyss

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