Die Bougainvillea ist heute eine der charakteristischsten Pflanzen rund ums Mittelmeer und auch in der Schweiz ist sie zu finden. Ursprünglich stammt sie aus Südamerika und die Geschichte ihrer Entdeckung durch die Europäer ist eng verwoben mit der Geschichte einer aussergewöhnlichen Frau: jener der Französin Jeanne Barret, der ersten Frau, die die Welt umsegelte – als Mann verkleidet.
Ende des 18. Jahrhunderts erforschten europäische Seefahrer die Welt. Neben kolonialen Bestrebungen gab es auch Wissenschaftler, die entdecken wollten, was die Neue Welt zu bieten hatte. In Frankreich, einem der Länder, das am stärksten an der europäischen Expansion beteiligt war, gehörte Philibert Commerson zu den aktivsten Botanikern.
Eine enge Beziehung
Commerson stellte Jeanne Barret als Assistentin ein. Über ihre Jugend ist wenig bekannt, ausser dass sie einen soliden Ruf als Expertin für einheimische Pflanzen und deren Heilkräfte genoss, aber keinen akademischen Titel hatte.
Nach dem Tod von Commersons Ehefrau im Jahr 1762 zog der Botaniker nach Paris, wo Jeanne Barret seine Haushälterin wurde. Im Laufe der Jahre entwickelte sich zwischen den beiden eine starke Verbindung. Ob es auch eine romantische Beziehung gab, ist nie vollständig geklärt worden, obwohl viele Historiker dies für wahrscheinlich halten.
1766 lud der französische Entdecker und Seefahrer Louis-Antoine de Bougainville Commerson ein, sich als Botaniker einer Expedition nach Amerika anzuschliessen, an Bord des Schiffes «Étoile». Commerson bat darum, dass auch seine Assistentin mitkommen dürfe. Die französischen Vorschriften verboten es Frauen jedoch, an Schiffsexpeditionen teilzunehmen. Jeanne Barret musste sich daher als Mann verkleiden und den männlichen Namen «Jean» annehmen.
Originale in der Schweiz
In Rio de Janeiro angekommen, damals eine portugiesische Kolonie, fanden Barret und Commerson auch die Pflanze, die wir heute Bougainvillea nennen – benannt nach dem Kapitän der «Étoile». Commerson war sofort klar, dass niemand in Europa die Pflanze je gesehen hatte.
Mit Barrets Hilfe trocknete und konservierte er einige Exemplare. Zwei dieser Originalexemplare werden heute im Botanischen Garten in Genf aufbewahrt, wie dessen Direktor Nicola Schoenenberger dem Radio und Fernsehen der italienischsprachigen Schweiz (RSI) sagte.
Das Schiff setzte die Weltumsegelung fort und als die «Étoile» die Insel Mauritius erreichte, beschlossen Commerson und Barret, die Expedition zu verlassen.
Die Geschichte von Jeanne Barret zum Hören (mit dt. Untertiteln)
Es ist nicht klar, wann die Pflanze erstmals nach Europa kam. Einige behaupten, dass es Jeanne Barret gelang, Samen zu trocknen und nach Paris zu bringen. Beweise dafür gibt es aber keine. Verschiedene Historiker nennen 1829 als das Jahr, in dem die Bougainvillea in Europa erstmals angebaut wurde, wobei es auch hier Widersprüche gibt und offizielle Daten fehlen.
Die europäischen Ursprünge der Pflanze bleiben daher teilweise ungeklärt. Heute ist die Bougainvillea in den Mittelmeerregionen wie Süditalien verbreitet, und auch in Schweizer Gärten ist sie zu finden – allerdings als Topfpflanze, da sie drinnen überwintern muss.