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Brandkatastrophe Crans-Montana Kontroverse um fehlende Kameraaufnahmen der Silvesternacht

Die Bilder der Überwachungskameras rund um das «Le Constellation» wurden nur zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens am 1. Januar aufbewahrt. Die zuvor aufgenommenen Aufnahmen existieren nicht mehr – trotz mehrerer vorheriger Anfragen.

Es ist ein neues, beunruhigendes Element zur Brandkatastrophe von Crans-Montana: Videoüberwachungsaufnahmen, die Stunden vor dem tödlichen Brand gemacht wurden, sind gelöscht worden und gelten nun als verloren. Das geht aus Teilen der Strafakte hervor, die dem Westschweizer Fernsehen RTS vorliegen.

Bilder trotz Anfragen nicht gesichert

Wie konnte es dazu kommen? Die Gemeinde Crans-Montana ist mit zahlreichen Überwachungskameras ausgestattet, insbesondere im Umfeld der Bar «Le Constellation».

Diese Kameras erzeugen Bilder, die jedoch eine begrenzte Speicherdauer von sieben Tagen haben, um die Privatsphäre zu schützen. Das Problem ist, dass nicht alle Aufnahmen dieser Silvesternacht innerhalb dieser Frist gesichert wurden. Und das, obwohl die Justiz frühzeitig entsprechende Anfragen gestellt hat.

Bereits am 1. Januar forderte die Walliser Staatsanwaltschaft die Kantonspolizei auf, die Videoüberwachungsaufnahmen in der Nähe der Bar zu sichern und auszuwerten. Fünf Tage später wandte sich dieselbe Staatsanwaltschaft an die Stadtpolizei und bat sie, die Aufnahmen der Gemeinde zwischen 0.30 Uhr und 2 Uhr herauszugeben.

Zusätzlich beantragte am 6. Januar auch ein Anwalt die Sicherung der Aufnahmen. Zu diesem Zeitpunkt waren alle Videos noch verfügbar. Man befand sich also noch innerhalb der 7-Tage-Frist.

Kein Zugriff mehr

Ob all diese Anfragen tatsächlich umgesetzt wurden, ist schwer zu sagen. Sicher ist nur, dass sie zu einem unvollständigen Ergebnis führten. Das geht aus einem kürzlichen Briefwechsel zwischen der Staatsanwaltschaft und der Stadtpolizei von Crans-Montana hervor, den RTS einsehen konnte.

Der RTS-Beitrag zu fehlenden Kamerabildern (mit dt. Untertiteln):

Am 15. Januar forderte die Walliser Staatsanwaltschaft die Ordnungskräfte auf, ihr die Aufzeichnungen der Kameras im Umfeld der beschädigten Bar zwischen 23 Uhr und 3 Uhr morgens zu liefern.

Die Antwort der Stadtpolizei lautete vergangenen Donnerstag: «Unmöglich, da die Beamten keinen Zugriff mehr darauf hätten, weil die Sieben-Tage-Frist überschritten sei.»

Hingegen gebe es Aufnahmen vom 1. Januar zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens, die von der Kantonspolizei gesichert worden seien.

Daraus ergibt sich, dass die Ordnungskräfte nur diesen Teil des Abends aufbewahrt haben. Von dem, was davor geschah – also am 31. Dezember –, existieren keine Bilder mehr.

Nützliche Aufnahmen

Diese Aufnahmen wären hilfreich gewesen. Sie hätten Hinweise dazu geben können, die genaue Beteiligung der Beschuldigten – konkret des Ehepaars Moretti – zu bestimmen.

Sie hätten wertvolle Hinweise zur Besucherzahl der Bar vor Mitternacht liefern können oder zur Frage, ob die Servicetür im Erdgeschoss der Bar geschlossen war oder nicht – hinter dieser Tür kamen drei Personen ums Leben.

Auf Anfrage von RTS weist der Kommandant der Stadtpolizei von Crans-Montana darauf hin, dass ihr Reglement erlaube, «Bilder nur dann aufzubewahren, wenn eine Behörde deren Sicherung verlangt hat». Andernfalls würden die Daten überschrieben.

Es lag also an der Justiz und der Kantonspolizei, die Aufbewahrung dieser Aufnahmen anzuordnen. Die Walliser Kantonspolizei weist die Verantwortung ihrerseits an die Staatsanwaltschaft zurück. Diese äussert sich zu diesem konkreten Punkt nicht.

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RTS 19h30, 27.1.26, 19:30 Uhr; herb

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