Während der Konsum von Schweinefleisch in der Schweiz zurückgeht und der Rindfleischkonsum stagniert, erlebt Poulet hierzulande einen Boom. Das geht aus dem Agrarbericht 2025 hervor.
Im Jahr 2024 verzehrten Schweizerinnen und Schweizer durchschnittlich 15.9 Kilogramm Poulet pro Jahr – ein Anstieg von 73 Prozent gegenüber dem Jahr 2000.
Dieses Bild zeigt sich auch in Fast-Food-Ketten: Bei McDonald’s Schweiz macht Poulet inzwischen ein Drittel der verkauften Burger aus. Und der auf Geflügel spezialisierten Kette Kentucky Fried Chicken (KFC) ist es gelungen, sich dauerhaft in der Schweiz zu etablieren: Seit 2017 wurden 17 Restaurants eröffnet – nachdem das Unternehmen in den 1980er-Jahren sowie 2004 zweimal gescheitert war. Eine weitere amerikanische Marke, «Popeyes», hat seit 2020 sechs Filialen eröffnet.
Auch Schweizer Unternehmen positionieren sich in diesem Segment. Ein Beispiel ist «Crrsp» mit vier Restaurants, die seit 2024 eröffnet wurden – eines in Lausanne, eines in Genf und zwei in Paris. Die Kette serviert täglich zwischen 1600 und 1800 Mahlzeiten, davon 90 Prozent auf Pouletbasis.
Eine Chance für die Schweizer Landwirtschaft
Der Poulet-Boom stellt auch eine Chance für Schweizer Landwirte dar. Catherine Meister Schwager und Daniel Schwager betreiben in Corcelles-le-Jorat (VD) eine Milchviehhaltung. 2014 diversifizierten sie ihren Betrieb und stiegen in die Hähnchenmast ein. In ihrem 800 Quadratmeter grossen Hühnerstall halten sie sechsmal pro Jahr zwischen 15'000 und 18'000 Hähnchen.
Der wirtschaftliche Vorteil der Hähnchenmast liegt darin, dass der Preis anhand der Produktionskosten berechnet wird: Kükenkauf, Futter, Heizung und Abschreibung des Gebäudes. Hinzu kommt eine garantierte Marge für den Landwirt – sein Lohn.
«In der Milchproduktion ist das anders. Dort wird der Milchpreis vorgegeben, und man versucht, durch Optimierung der Produktionskosten über die Runden zu kommen», erklärt Daniel Schwager.
Die einzigen Schattenseiten sind die Schwierigkeit, eine Baubewilligung zu erhalten, sowie die stark gestiegenen Baukosten für Hühnerställe.
Im Jahr 2024 wurden über 9 Millionen Hähnchen zur Fleischproduktion aufgezogen und geschlachtet – ein Rekord, der dennoch nicht ausreicht, um den Appetit der Schweizer zu stillen. Denn jedes dritte Hähnchen, das hier verspeist wird, stammt aus dem Ausland – hauptsächlich aus Brasilien.