Der Weltbericht über Nahrungsmittelkrisen 2026, der von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und dem Welternährungsprogramm (WFP) veröffentlicht wurde, warnt, dass bewaffnete Konflikte, Dürren und stark gekürzte Hilfsgelder die Ernährungsunsicherheit weiter verschärfen – besonders in fragilen Staaten.
Akute Ernährungsunsicherheit hat sich in zehn Jahren verdoppelt
Die Zahl der von akuter Ernährungsunsicherheit betroffenen Menschen hat sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt: von 105 Millionen in 48 Ländern im Jahr 2016 auf 266 Millionen in 74 Ländern im Jahr 2025.
Dieser Anstieg ist hauptsächlich auf die Zunahme von Konflikten und die Verlängerung humanitärer Krisen auf der Welt zurückzuführen.
«Akute Ernährungsunsicherheit verbessert sich nicht. Sie verfestigt sich, konzentriert sich und wird vorhersehbarer», sagt die stellvertretende Generaldirektorin der FAO, Beth Bechdol.
Als Schauplätze der grössten Krisen stechen vier Länder hervor: Afghanistan, Sudan, Südsudan und Jemen. Sie sind von Konflikten verwüstet und konzentrieren die höchste Anzahl und den höchsten Anteil an hungernden Menschen.
Der Bericht warnt zudem vor Mangelernährung, die besonders für Kinder und schwangere Frauen gefährlich ist. So litten im Jahr 2025 rund 35.5 Millionen Kinder unter fünf Jahren in 23 Ländern an akuter Mangelernährung.
Im vergangenen Jahr litten 9.2 Millionen schwangere oder stillende Frauen an akuter Mangelernährung, wodurch sich die Erkrankungs- und Sterblichkeitsrisiken für ihre Kinder erhöhten.
Die Fälle von Nahrungsmittelkatastrophen haben sich in zehn Jahren verneunfacht
Auch die Fälle von Nahrungsmittelkatastrophen haben in zehn Jahren zugenommen: Zwischen 2016 und 2025 hat sich die Zahl der Menschen am Rand einer Hungersnot von 155’000 Personen in zwei Ländern auf 1.4 Millionen in sechs Ländern verneunfacht.
Zum ersten Mal seit zehn Jahren wurden im vergangenen Jahr zwei Hungersnöte bestätigt: in Gaza und im Sudan, wo diese in einigen Regionen andauert.
Konflikte sind die Hauptursache für Hunger
Krieg ist nach wie vor die Hauptursache für Hunger in der Welt – noch vor extremen Klimaereignissen und wirtschaftlichen Schocks, die sich oft gegenseitig verstärken.
Der Konflikt im Nahen Osten könnte die Ernährungskrisen verschärfen.
Anhaltende Krisen verdichten die Ernährungsunsicherheit auf betroffene Regionen
In den letzten zehn Jahren lebte fast die Hälfte aller hungernden Menschen in nur sechs Ländern: Afghanistan, der Demokratischen Republik Kongo, Nigeria, dem Sudan, Syrien und dem Jemen.
«Ernährungsunsicherheit verwurzelt sich zunehmend», sagt Jean-Martin Bauer, Direktor für Ernährungssicherheit beim WFP. «Von den 47 im Bericht analysierten Ländern tauchen 33 jedes Jahr wieder auf.»
Humanitäre Mittel und Entwicklungsfinanzierungen gehen zurück
Trotz der Zunahme von Krisen sind die für humanitäre Hilfe und Entwicklung im Ernährungsbereich bereitgestellten Mittel rückläufig. Sie haben 2025 ihren niedrigsten Stand seit 2016/17 erreicht.
Dieser Rückgang wirkt sich auch auf die Datenlage aus.
Ohne ausreichende Finanzierung, Daten und Zugang könne das humanitäre System «nicht auf dieses vorhersehbare und vermeidbare Problem des Hungers reagieren», sagt Bauer.