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Ernährungskrise Der Hunger breitet sich aus und trifft immer mehr Länder

Der jüngste Ernährungsbericht der UNO zeigt: Der Hunger nimmt zu, verfestigt sich und betrifft immer mehr Länder. Das steckt dahinter.

Der Weltbericht über Nahrungsmittelkrisen 2026, der von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und dem Welternährungsprogramm (WFP) veröffentlicht wurde, warnt, dass bewaffnete Konflikte, Dürren und stark gekürzte Hilfsgelder die Ernährungsunsicherheit weiter verschärfen – besonders in fragilen Staaten.

Akute Ernährungsunsicherheit hat sich in zehn Jahren verdoppelt

Die Zahl der von akuter Ernährungsunsicherheit betroffenen Menschen hat sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt: von 105 Millionen in 48 Ländern im Jahr 2016 auf 266 Millionen in 74 Ländern im Jahr 2025.

Dieser Anstieg ist hauptsächlich auf die Zunahme von Konflikten und die Verlängerung humanitärer Krisen auf der Welt zurückzuführen.

«Akute Ernährungsunsicherheit verbessert sich nicht. Sie verfestigt sich, konzentriert sich und wird vorhersehbarer», sagt die stellvertretende Generaldirektorin der FAO, Beth Bechdol.

Ernährungsunsicherheit und die IPC-Skala

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Das Integrierte Klassifikationsrahmenwerk für Ernährungssicherheit (IPC) ist eine Skala, mit der sich der Schweregrad und das Ausmass der Ernährungsunsicherheit weltweit klassifizieren lassen. Es wird von der UNO, Expertinnen und Experten sowie NGOs und Staaten erarbeitet.

Phase 1: Normalität/Minimal: Die Haushalte decken ihren Grundbedarf, ohne auf untypische und nicht nachhaltige Strategien zur Nahrungsmittelbeschaffung und Einkommenserzielung zurückzugreifen.

Phase 2: Stress: Es besteht ein minimal adäquater Nahrungskonsum, jedoch greifen die Haushalte auf Strategien zurück, um ihre Ausgaben für Nicht-Nahrungsmittel decken zu können.

Phase 3: Krise: Es gibt Konsumdefizite, die sich in hoher Mangelernährung widerspiegeln. In dieser Phase befinden sich auch Haushalte, die ihren Grundbedarf nur knapp decken, indem sie wichtige Mittel veräussern oder Krisenstrategien anwenden.

Phase 4: Notfall: Es gibt erhebliche Nahrungsmitteldefizite, die zu sehr hoher Mangelernährung und übermässiger Sterblichkeit führen. Im Notfall befinden sich auch Haushalte, die ihre Defizite durch Notfallstrategien und die Veräusserung ihres Vermögens verringern.

Phase 5: Katastrophe/Hungersnot: Trotz maximaler Anwendung von Anpassungsstrategien herrscht extremer Mangel an Nahrungsmitteln und/oder Mitteln zur Deckung anderer Grundbedürfnisse. Kritische Niveaus von Auszehrung, Todesfällen, Verarmung und Mangelernährung sind offensichtlich. Für eine Hungersnot muss eine Region kritische Niveaus von Mangelernährung und Sterblichkeit aufweisen.

Als Schauplätze der grössten Krisen stechen vier Länder hervor: Afghanistan, Sudan, Südsudan und Jemen. Sie sind von Konflikten verwüstet und konzentrieren die höchste Anzahl und den höchsten Anteil an hungernden Menschen.

Gruppe von Menschen mit einem grossen Schirm im Freien.
Legende: Palästinenser eilen herbei, um humanitäre Hilfsgüter einzusammeln, die im August 2025 in Deir al-Balah im zentralen Gazastreifen abgeworfen wurden. KEYSTONE/AP/ABDEL KAREEM HANA

Der Bericht warnt zudem vor Mangelernährung, die besonders für Kinder und schwangere Frauen gefährlich ist. So litten im Jahr 2025 rund 35.5 Millionen Kinder unter fünf Jahren in 23 Ländern an akuter Mangelernährung.

Im vergangenen Jahr litten 9.2 Millionen schwangere oder stillende Frauen an akuter Mangelernährung, wodurch sich die Erkrankungs- und Sterblichkeitsrisiken für ihre Kinder erhöhten.

Die Fälle von Nahrungsmittelkatastrophen haben sich in zehn Jahren verneunfacht

Auch die Fälle von Nahrungsmittelkatastrophen haben in zehn Jahren zugenommen: Zwischen 2016 und 2025 hat sich die Zahl der Menschen am Rand einer Hungersnot von 155’000 Personen in zwei Ländern auf 1.4 Millionen in sechs Ländern verneunfacht.

Zum ersten Mal seit zehn Jahren wurden im vergangenen Jahr zwei Hungersnöte bestätigt: in Gaza und im Sudan, wo diese in einigen Regionen andauert.

Konflikte sind die Hauptursache für Hunger

Krieg ist nach wie vor die Hauptursache für Hunger in der Welt – noch vor extremen Klimaereignissen und wirtschaftlichen Schocks, die sich oft gegenseitig verstärken.

Der Konflikt im Nahen Osten könnte die Ernährungskrisen verschärfen.

Anhaltende Krisen verdichten die Ernährungsunsicherheit auf betroffene Regionen

In den letzten zehn Jahren lebte fast die Hälfte aller hungernden Menschen in nur sechs Ländern: Afghanistan, der Demokratischen Republik Kongo, Nigeria, dem Sudan, Syrien und dem Jemen.

«Ernährungsunsicherheit verwurzelt sich zunehmend», sagt Jean-Martin Bauer, Direktor für Ernährungssicherheit beim WFP. «Von den 47 im Bericht analysierten Ländern tauchen 33 jedes Jahr wieder auf.»

Humanitäre Mittel und Entwicklungsfinanzierungen gehen zurück

Trotz der Zunahme von Krisen sind die für humanitäre Hilfe und Entwicklung im Ernährungsbereich bereitgestellten Mittel rückläufig. Sie haben 2025 ihren niedrigsten Stand seit 2016/17 erreicht.

Dieser Rückgang wirkt sich auch auf die Datenlage aus.

Ohne ausreichende Finanzierung, Daten und Zugang könne das humanitäre System «nicht auf dieses vorhersehbare und vermeidbare Problem des Hungers reagieren», sagt Bauer.

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Tagesgespräch, 05.05.2026, 13 Uhr; noes

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