Notaufnahme, Intensivpflege, Pädiatrie: Das sind die Bereiche, die junge Menschen am meisten interessieren, wenn sie eine Pflegeausbildung beginnen. Weniger stellen sie sich vor, ältere Menschen zu betreuen. Genau das wird jedoch einen grossen Teil ihres späteren Berufs ausmachen.
Delphine Roulet Schwab leitet einen Kurs über Altersdiskriminierung, den sie als Professorin an der Hochschule für Gesundheit «La Source» in Lausanne gibt.
Ihre Feststellung ist eindeutig: «Viele Studien zeigen, dass die Wahrnehmung des Alterns in der Gesellschaft insgesamt negativ ist. Wenn die Medien über ältere Menschen sprechen, wird oft betont, dass sie abhängig seien, eine Belastung für die Gesellschaft darstellten und Kosten verursachten.» Das Ergebnis: Nur sehr wenige Studierende am Ende ihrer Ausbildung geben an, in Pflegeheimen oder in der Spitex arbeiten zu wollen.
Ihr Kurs beginnt mit einem satirischen Video, das Stereotype über ältere Menschen aufzeigt. «Ältere Menschen sind immer sehr langsam, als würden sie das absichtlich machen», sagt eine der Studentinnen – und illustriert damit genau eines der hartnäckigsten Vorurteile.
Die Realität im Berufsalltag
Die Realität zeigt jedoch, dass ältere Patientinnen und Patienten den Kern ihrer Arbeit bilden werden, denn zwischen 50 und 70 Prozent der Patientinnen und Patienten sind 65 Jahre oder älter. Roulet Schwab ist der Ansicht, dass die Alterung der Bevölkerung deutlich mache, wie wichtig es sei, bereichsübergreifende Kompetenzen zu entwickeln.
RTS im Gespräch mit Delphine Roulet Schwab:
Juan träumt von der Pädiatrie, Anaïs von der Betreuung von Menschen mit Behinderungen zu Hause.
Andere wiederum, etwa eine Studentin mit einer Leidenschaft für chronische Krankheiten, sehen in der Geriatrie ihre Bestimmung. «Ältere Menschen haben uns viel beizubringen», sagt sie.
Das Gesundheitswesen bleibt der Bereich mit dem grössten Personalmangel – mit mehr als 17'000 offenen Stellen ein Rekordwert. Besonders schwierig ist es dabei, Pflegekräfte für die Betreuung älterer Menschen zu finden.
«Ich denke, manchmal spielt vielleicht auch ein gewisser Ekel eine Rolle», sagt Delphine Roulet Schwab. Doch es gebe auch eine symbolische Dimension, fährt sie fort.
Man wird dabei auch mit dem eigenen Altern konfrontiert, mit dem Altern der Eltern, Grosseltern – und letztlich mit dem Tod. Bei älteren Menschen geht es stärker um Fürsorge und Lebensqualität, nicht um Heilung.
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