Ein Jahr ist vergangen und es hat sich nichts getan – weder vonseiten der Fahrenden noch vom Staat. Im Grunde warte Christophe Darbellay auf ein Zeichen des guten Willens von Seiten dieser Gemeinschaften, sagt er gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). «Momentan habe ich überhaupt kein Signal. Es herrscht Funkstille. Von ihrer Seite habe ich nicht den Eindruck, dass sie sehr interessiert sind», so der Staatsrat.
Was sagt der Kanton Wallis zu den Roma-Kindern? (dt. Untertitel)
Er räumt ein, dass er selbst nicht vor Ort war. «Ein Mitglied der Kantonspolizei ist die Kontaktperson des Kantons Wallis für die Fahrenden. Aber bisher wurde uns keine Anfrage übermittelt», so Darbelley. Er versichert, dass alle Türen offenstehen.
Strukturen schaffen
Das Wallis ist nicht der einzige Kanton, der der Ansicht ist, dass die Fahrenden auf die Institutionen zugehen müssen. Kein anderer Kanton der Romandie hat bisher eine geeignete Schullösung für diese Bevölkerungsgruppe gefunden, die insgesamt etwa acht Monate in der Schweiz bleibt, jedoch nicht immer an denselben Orten. Einige Dutzend Kinder in der Westschweiz bleiben somit auf der Strecke.
Die Verantwortung für die Einschulung der Kinder liegt sowohl bei den Eltern als auch beim Staat. Der Kanton muss sicherstellen, dass die Voraussetzungen erfüllt sind, damit das Recht auf Bildung tatsächlich angewandt wird.
«Das bedeutet, Strukturen zu schaffen, insbesondere für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Wir kennen diese Situation sehr gut von Migrantenkindern», erklärt Jean Zermatten, ehemaliger Präsident des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes.
Er erinnert die Behörden an ihre Verpflichtungen. «Man muss sicherstellen, dass die Kinder ihre Rechte wahrnehmen können. Daher die Schulpflicht. Hier befinden wir uns in einer Situation, in der wir weder das eine noch das andere tun. Wir haben nicht die Strukturen, wir haben nicht die angepassten Klassen. Und wir stellen nicht sicher, dass diese Kinder Zugang zu ihren Rechten haben. Das stellt ziemlich klare, objektive Probleme dar.»
Kritik im Grossen Rat
Dies wird auch im Parlament kritisiert. Aude Rapin, Walliser SP-Grossrätin, bedauert eine mangelnde Berücksichtigung dieser Minderheiten. Sie fordert die Schaffung eines kantonalen Mediators im Wallis. Das Geschäft wird demnächst im Grossen Rat eingereicht. Für sie ist wichtig, sie nicht zu zwingen, sondern auf sie zuzugehen.
«Man kann sich nicht einfach damit zufriedengeben zu sagen, dass die Tür offen steht. Jetzt muss man den Schritt wagen und ins Gelände rausgehen. Wir müssen Verbindungen schaffen, informieren und dann schauen, wie wir solche Massnahmen umsetzen können.»
Es bleibt abzuwarten, wie angemessene Lösungen für die Kinder von Fahrenden aussehen könnten. Die verschiedenen Beteiligten schlagen Wander- und interkantonale Klassen vor, beispielsweise Schulbusse, die von Aufnahmeort zu Aufnahmeort fahren würden.