«Man kann wirklich sagen, dass es das Fest des Jahrhunderts war.» Rudolf Pazeller spricht von einem einzigartigen Moment in seinem Leben, im Oktober 1971, als er, ein junger Koch aus Tarasp im Unterengadin, mitten in einem Spektakel landete, das an Opulenz kaum zu überbieten war.
Blick ins Fotoalbum von Rudolf Pazeller
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Bild 1 von 5. Rudolf Pazeller (Zweiter von links) in der Küche des Schahs in Persepolis. Bildquelle: RTR.
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Bild 2 von 5. Auch 55 Jahre später erinnert sich Rudolf Pazeller noch an viele Details des besonderen Ereignisses. Bildquelle: RTR.
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Bild 3 von 5. Illustrierte in aller Welt bezeichneten den Anlass in Persepolis als «Fest des Jahrhunderts». Bildquelle: RTR.
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Bild 4 von 5. 37 Kilometer Seide waren nötig, um diese gigantische Zeltstadt zu bauen. Bildquelle: RTR.
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Bild 5 von 5. Zur Feier in Persepolis waren alle Monarchen der Welt und diverse Staatspräsidenten geladen. Bildquelle: RTR.
Der Kaiser von Persien, Schah Mohammad Reza Pahlavi, wollte die Wiedergeburt der iranischen Zivilisation feiern. Anlass dafür bot ihm der 2500. Geburtstag des Persischen Reichs.
Für das Fest habe das Motto gegolten: «Warum nicht das Beste?», erinnert sich Pazeller. «Das war der Anspruch, den er an uns alle hatte, die dort arbeiteten.»
Wie sich Rudolf Pazeller an die Feier von Persepolis erinnert:
Das Fest fand in einer Zeltstadt statt, die aus 37 Kilometern Seide gefertigt worden war. 18'500 Kilogramm Lebensmittel wurden herangeschafft. Von Teheran aus hatte der Schah eine 1000 Kilometer lange Autobahn bauen lassen, damit die rund 600 Gäste aus 69 Ländern bequem nach Persepolis reisen konnten.
Von St. Moritz nach Persepolis
Zum Engagement in der Festküche des Schahs war Pazeller dank seines Vaters gekommen, eines Concierges im Palace Hotel in St. Moritz. Dort war der iranische Monarch häufig Gast.
«In den 1960er- und 1970er-Jahren war St. Moritz der Treffpunkt für den internationalen Jetset und damit auch für den Schah und seine Familie», sagt Sacha Zala, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Bern und Direktor der Forschungsstelle Dodis.
Für das Fest in Persepolis liess der Schah auch Köche und Kellner aus Paris und St. Moritz in die iranische Wüste fliegen. Neben Pazeller gehörte zu ihnen Oswald Toutsch, ein Kellner aus dem Palace Hotel St. Moritz.
1972 beschrieb Toutsch seine Erlebnisse in Persepolis in einer Radiosendung so: «Endlich in Persepolis angekommen, fielen uns fast die Augen aus dem Kopf beim Anblick all dieser Pracht und Wunder, die eigens für ein zweitägiges Fest errichtet wurden – ein kleines Paradies für einige wenige Auserwählte.»
Auch die Sicherheitsmassnahmen waren enorm. Jeder Kellner wurde von einem Soldaten begleitet, und die Weinflaschen wurden nicht nur wegen der Korken verkostet, sondern auch wegen möglicher Giftanschläge.
Es war der Anfang vom Ende
Es war in jeder Hinsicht ein aussergewöhnliches Fest. Das Schweizer Fernsehen berichtete damals: «Insgesamt hat der iranische Staat 2.5 Milliarden Franken für das grösste Treffen von Herrschern der Welt bezahlt.»
Doch das Fest von Persepolis war nicht der Beginn einer neuen Ära, sondern der Anfang vom Ende des Schahs. Die Armut der Bevölkerung war zu gross. Angefacht von den Mullahs, entlud sich 1979 der Zorn der Massen, und es kam zur islamischen Revolution. Schah Mohammad Reza Pahlavi musste aus dem Land fliehen.