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Firma Blue Salmon Eine gross angelegte Lachszucht am Walensee stösst auf Widerstand

Das Unternehmen Blue Salmon plant, bis 2033 im Kanton Glarus jährlich 4000 Tonnen Lachs zu produzieren. Ein Megaprojekt, das die Fischereibranche, vor allem aber Tierschützer auf den Plan ruft.

Die Lachszucht hat einen schlechten Ruf. Viele Zuchtlachse sind krank und von Parasiten befallen.

Rund jeder fünfte Zuchtlachs stirbt vorzeitig. Die Massenproduktion von Zuchtlachs gefährdet zudem die freilebenden Wildlachse.

Das Unternehmen Blue Salmon verspricht jedoch eine völlig andere Produktionsweise: umwelt- und tierfreundlich.

Geschäftsführer Ruedi Ryf formuliert das Ziel klar: «Unser Ziel ist es, den Schweizer Markt mit dem frischesten und nachhaltigsten Lachs der Welt zu versorgen. Mit 4000 Tonnen sollten wir rund zehn Prozent der inländischen Nachfrage decken können», sagt er gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).

Gefiltertes Abwasser

Möglich sein soll das durch eine neue Zuchttechnologie. Sie reduziert den Wasserverbrauch und die Umweltbelastung angeblich auf ein Minimum.

Das durch Fischausscheidungen verschmutzte Wasser wird mithilfe von Bakterien gefiltert, anschliessend entgast, durch UV-Strahlung von Keimen befreit und mit Sauerstoff angereichert, bevor es wieder in die Becken zurückgeleitet wird. Wassersparend also – aber nicht energiesparend.

Fridolin Tschudi, Mitglied der Forschungsgruppe Aquakultursysteme an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) sowie Berater von Blue Salmon, ist jedoch überzeugt, dass der geplante Standort der Fabrik am Walensee ideal sein wird, um Energie zu sparen. «Wenn man einen Standort hat, der günstige Kühlmöglichkeiten hat, also passive Kühlung mit Seewasser, kann man dadurch sehr gut Energie sparen.»

Argumente für und gegen die Lachszucht in der Schweiz

Willkommene Einsparungen, denn das Grundprojekt bleibt kostspielig. Blue Salmon muss Investitionen in Höhe von 200 Millionen Franken aufbringen. Ein riskantes Unterfangen. In den vergangenen Jahren gab es in der Schweizer Aquakulturbranche zahlreiche Insolvenzen und Übernahmen.

Widerstand von Tierschutzorganisationen

Auch Einsprachen gegen das Projekt muss Blue Salmon überstehen – darunter jene von Fair Fish. Geschäftsleiterin Fausta Borsani sieht in dieser intensiven Zucht nichts Nachhaltiges.

«Aus Sicht des Tierwohls ist ein solches Projekt wie in Mollis sehr schlecht, weil  die Lachse in der Kreislaufanlage viermal dichter gehalten werden als in einem Käfig im Meer», betont Borsani. Und die Meereskäfigzuchten verschwänden wegen solcher Kreislaufanlagen nicht. «Man erhöht lediglich das Angebot an Lachs.»

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Auch der WWF ist über die steigende Lachsproduktion besorgt. Für Isabel Jimenez, Verantwortliche für Meeresprodukte beim WWF, liegt das Hauptproblem in der Zucht von Raubfischen. Denn mehrere Schweizer Zuchten setzen auf Fischmehl aus Verarbeitungsabfällen als Nahrung für Forellen und Lachse.

«Man muss wissen, dass bis zu drei Kilo Wildfisch nötig sind, um ein Kilo dieses Zuchtfisches zu produzieren», erläutert Jimenez. «So wird man das Problem der Überfischung nicht lösen. Die Aquakultur muss ihre Abhängigkeit von Wildfischen reduzieren.»

Der Anteil an Fischmehl ist in den letzten Jahren jedoch auf zwanzig bis dreissig Prozent der Nahrung gesunken. Die Forschung arbeitet an pflanzlichen Alternativen: Soja, Sonnenblumen oder auch Myzel.

Doch räumen die Forschenden ein, dass sich fleischfressende Fische nicht zu Vegetariern machen lassen. Die Produktion von Zuchtlachs könne derzeit nicht von der Wildfischerei entkoppelt werden.

Transparenzhinweis

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In einer ersten Version dieses Artikels stand, Fridolin Tschudi sei Projektmitarbeiter von Blue Salmon. Er ist aber Berater. Ausserdem haben wir den Wortlaut der Zitate von Fridolin Tschudi und Fausta Borsani aus Übersetzungsgründen leicht angepasst. Am Inhalt hat sich nichts verändert.

RTS A bon entendeur, 18.2.2026, 20:05 Uhr

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