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Fundamentalismus Wie in den USA der Krieg zur heiligen Mission wird

Mike Weinstein, Präsident einer Militär-NGO, prangert den wachsenden Einfluss christlicher Fundamentalisten innerhalb der US-Streitkräfte an: «Eine interne Bedrohung für Demokratie und Sicherheit».

Der Angriff auf den Iran und die religiöse Rhetorik, die von einigen Mitgliedern der Trump-Regierung sowie von US-Militärkommandeuren verwendet wurde, hat eine Frage wieder in den Fokus gerückt: Wie stark ist der christliche Fundamentalismus innerhalb der US-amerikanischen Institutionen und der Streitkräfte?

Mike Weinstein, Gründer und Präsident der «Military Religious Freedom Foundation», setzt sich seit über 20 Jahren für die Verteidigung der Religionsfreiheit innerhalb der US-Streitkräfte ein.

Das Video von RSI mit deutschen Untertitelln

Im Gespräch mit dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz (RSI) zeigt er sich besorgt über den aktuell vorherrschenden christlichen Fundamentalismus in den USA. Seine Stiftung habe kurz nach Kriegsbeginn im Iran über 200 Anfragen erhalten.

Grösstenteils stammten die Anfragen von Militärangehörigen, die unter religiösem Druck stehen oder ihre Vorgesetzten anprangern, weil diese bereit seien, den Krieg als Teil eines biblischen Plans im Zusammenhang mit Armageddon und dem Ende der Zeiten darzustellen.

Für Mike Weinstein ist klar, dass Signale dieser Art so tatsächlich auch von der obersten Führung vorgelebt werden: Verteidigungsminister Pete Hegseth wird als Beispiel für ein öffentlich zur Schau gestelltes – und im Pentagon normalisiertes – fundamentalistisches Christentum genannt. Dies führe schlussendlich dazu, so Weinstein, dass ein Teil der US-Truppen den Krieg am Ende als «religiöse Mission» betrachte.

Wie verlässlich sind die USA noch?

Weinsteins Kritik trifft das Herzstück der USA: Konkret den ersten Verfassungszusatz, welcher unter anderem eine klare Trennung von Staat und Religion sowie die Religionsfreiheit vorschreibt. Aber gerade diese Grenze werde im militärischen Bereich zunehmend fragil.

Weinstein behauptet, die implizite Botschaft heute sei, dass man für eine Karriere im Militär in ein bestimmtes Schema zu passen habe: weiss, christlich, männlich und nationalistisch. Anders könne man kaum Erfolg haben, ohne einen Preis dafür zu bezahlen.

Auf die Frage, ob europäische Nato-Staaten die USA noch als verlässlichen Verbündeten sehen können, hat Weinstein eine deutliche Antwort: «Diese Hoffnung ist, das tut mir leid zu sagen, zerstört. Die USA als verlässlicher, von politischen und religiösen Einflüssen freier Militärpartner sind leider so real wie ein Einhorn.»

Weiter fordert er Europa auf, sich auf ein neues Kapitel vorzubereiten: «Ich denke, die europäischen Nationen sollten sich darauf vorbereiten, kollektiv allein voranzukommen, bis es uns gelingt, den aktuellen Kurs im Land umzukehren.»

Auch Politikwissenschaftler sind alarmiert

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Paolo Naso, Politikwissenschaftler und früherer Dozent an der Universität La Sapienza in Rom, erklärt gegenüber RSI, dass der evangelikale Fundamentalismus im Laufe des letzten Jahres zu einer Massenideologie mit einer politischen Lobby geworden sei, die Donald Trump nahestehe. Das Resultat sei ein «christlicher Nationalismus», der auch die Aussenpolitik beeinflussen könne – mit dem drohenden Risiko einer echten «theokratischen Involution».

Luca Ozzano, ausserordentlicher Professor für Politikwissenschaft an der Universität Turin, sieht zwar die religiösen Komponenten. Diese seien allein aber nicht ausreichend, um die aktuelle Gesamtsituation zu erklären. Es müssten auch strategische, wirtschaftliche und politische Interessen berücksichtigt werden. Der für ihn besorgniserregendste Punkt sei die Verbindung zwischen radikaler Religion, politischer Führung und einer Vision, bei welcher die institutionellen Gegengewichte geschwächt werden könnten.

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RSI Modem 18.03.2026, 8:30 Uhr;liea

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