In Argentinien ist Fussball bekanntlich praktisch ein Kult. Er bewegt jede Woche Hunderttausende Fans dazu, Tickets für den Stadionbesuch zu kaufen. Und genau deshalb haben die argentinischen Behörden beschlossen, die Leidenschaft der Einwohner zu nutzen, um ein grosses Problem des Landes anzugehen: die nicht bezahlten Alimente.
Gemäss den neuesten Daten zahlen sieben von zehn Vätern die gerichtlich festgelegten Beträge gar nicht oder nur teilweise. Das hat über ein Dutzend argentinische Provinzen zum Handeln bewogen. Seit einem Jahr verbieten sie Vätern, die ihre vereinbarten Unterhaltszahlungen für die Kinder nicht leisten, Tickets für Fussballspiele zu kaufen.
Im Hinblick auf die Weltmeisterschaft ging die Stadt Buenos Aires noch einen Schritt weiter: Sie erstellte eine Liste mit den Namen von 13'000 Vätern, die ihre Pflicht zum Bezahlen von Alimenten nicht erfüllt hatten, und übermittelte diese an die Einwanderungsbehörde der USA. Die Absicht dahinter: Wer seine Fürsorgepflicht für die Kinder vernachlässigt, soll auch nicht in den Genuss von WM-Spielen im Stadion kommen.
Der Originalbeitrag von RSI zum Thema:
Welche Wirkung diese Massnahme hat, bleibt ungewiss. Die Stadiontickets sind ohnehin so teuer, dass sie für einen durchschnittlichen Argentinier angesichts der wirtschaftlichen Lage des Landes unerschwinglich sind.
Aus Sicht der argentinischen Behörden geht es darum, möglichen Unruhestiftern den Zugang zu den Fussballstadien zu verwehren. Diesem Zwecke dient das Programm «Sichere Tribüne», eine Datenbank, in der Personen aufgeführt sind, die Gewalttaten verübt oder von einem Gericht verurteilt wurden. Seit gut einem Jahr umfasst diese Datenbank auch die Väter, die mit dem Bezahlen von Alimenten im Verzug sind.