Grosse Sportereignisse wie die anstehenden Weltmeisterschaften im Eishockey und im Fussball animieren viele Menschen dazu, vermehrt Sportwetten abzuschliessen. Vor allem junge Männer sind betroffen.
Die Stiftung Sucht Schweiz, die Kantone und das Fürstentum Liechtenstein haben die Sensibilisierungskampagne «Game‑Changer» lanciert. Sie richtet sich an junge Menschen und soll über die Risiken von Sportwetten informieren. Gleichzeitig ermutigt sie Betroffene und ihr Umfeld, frühzeitig Hilfe zu suchen.
Zahl der Online‑Wettenden stark gestiegen
Die Zahlen geben Anlass zur Sorge. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Online‑Wettenden um rund 40 Prozent gestiegen. Etwa zehn Prozent der Männer zwischen 15 und 24 Jahren zeigen ein problematisches Spielverhalten. Das entspricht rund 40’000 Personen.
Darum geht es in der Sensibilisierungskampagne (dt. Untertitel):
«Die Zahl der Menschen mit Spielproblemen nimmt zu, gleichzeitig suchen noch immer zu wenige Hilfe», sagt Luca Notari von Sucht Schweiz gegenüber dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz (RSI).
Junge Menschen besonders im Fokus der Werbung
Jugendliche und junge Erwachsene gelten als besonders gefährdet. Ein Grund dafür sind aggressive Marketingstrategien. Hinzu kommen Influencer, die Sportwetten als einfache Möglichkeit darstellen, schnell Geld zu verdienen.
Im Rahmen der Kampagne «Game‑Changer» hat Sucht Schweiz den ersten Teil einer Studie veröffentlicht. Sie untersucht das Wettverhalten von jungen Menschen zwischen 15 und 29 Jahren.
Von rund 2000 befragten Personen gibt etwa die Hälfte an, häufig oder sehr häufig Werbung für Sportwetten zu sehen. Mehr als 40 Prozent sagen zudem, sie seien nie über die Risiken informiert worden.
«Oft handelt es sich um junge Menschen, die gerade erst beginnen, Geld zu verdienen», erklärt Matteo Bizzozero, Leiter der Fachstelle für Verhaltenssüchte bei Ingrado. «Sie haben ihre Ausbildung abgeschlossen, erhalten den ersten Lohn und verfügen oft noch über wenig finanzielle Bildung.»
Die Folgen seien meist finanzieller Natur. Dazu gehören Schulden, verspätete Rechnungszahlungen oder Probleme bei der Bezahlung der Miete.
Die Illusion der Kontrolle
Ein zentrales Risiko bei Sportwetten ist die Illusion, den Ausgang eines Spiels beeinflussen oder vorhersehen zu können. «Der Glaube, Resultate vorhersagen zu können, verleitet viele – vor allem junge Menschen – dazu, an schnelles Geld zu glauben oder sogar davon zu träumen, vom Wetten zu leben», sagt Luca Notari. «In Wirklichkeit gewinnt immer das System.»
Das Problem betrifft vor allem Männer. Das habe jedoch keine biologischen Gründe, betont Notari. «Männer werden stärker auf Wettbewerb, Risikobereitschaft und Leistung sozialisiert.» Die Glücksspielindustrie richte ihre Werbung gezielt an junge Männer und vermittle den Eindruck, Wetten seien ein normales Verhalten. Die einfache Verfügbarkeit über Smartphones verstärke diesen Effekt zusätzlich.
Gruppendynamik verstärkt das Risiko
Ein weiterer Faktor ist der Gruppeneffekt. «Oft wetten Jugendliche gemeinsam, erstellen Tippscheine zusammen oder spielen online als Gruppe», sagt Matteo Bizzozero. «Man beeinflusst sich gegenseitig und überschätzt die eigene Kompetenz.»
Das könne zu einer Spirale führen. Es werde häufiger gewettet, auf mehr Spiele gesetzt und es werden höhere Risiken eingegangen – in der Hoffnung auf höhere Gewinne.