Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Hyaluronsäure «Gesicht ist ruiniert»: Die Folgen von illegalen Schönheits-OPs

Das illegale Spritzen von Hyaluronsäure kann drastische Folgen haben. Im März kam es in Frankreich gar zu einem Todesfall.

Hyaluronsäure gilt seit Längerem als das Produkt zur Faltenunterspritzung. In den sozialen Netzwerken preisen Grössen wie Rapperin Cardi B oder Influencerin Kylie Jenner die vermeintlichen Vorzüge davon an.

Doch es kommt immer wieder vor, dass die Sicherheitsstandards nicht eingehalten werden. An dubiosen Orten, von schlecht geschultem Personal und zu Preisen, die zu gut wirken. In der Schweiz ist die Regelung klar: Nur ausgebildete Ärztinnen und Ärzte dürfen Hyaluronsäure injizieren.

Deswegen führt Swissmedic seit zwei Jahren immer wieder schweizweite Kontrollen durch. Im Jahre 2024 waren 55 Prozent der überprüften Einrichtungen nicht gesetzeskonform. Fehlendes Arztpersonal, illegale oder schlecht gelagerte Produkte – manchmal auch alles auf einmal. 2025 lag die Quote gar bei 80 Prozent.

Entstellt

Daniela, 48, liess sich von günstigen Preisen – 1200 statt 1600 Franken – zu einer Behandlung verführen. Im Juni 2022 möchte sie ihre Nasolabialfalten auffüllen – jene Linien von Nasenflügel zu Mundwinkel. Auf die Empfehlung einer Freundin trifft sie eine Frau in Basel. Statt Hyaluronsäure wird Daniela dort PMMA gespritzt. Es handelt sich dabei um ein ähnliches, aber permanentes Produkt, welches von Swissmedic nicht zugelassen ist.

Anstelle einer günstigen Behandlung trägt sie nun schwere Folgeschäden mit sich. Daniela ist entstellt und muss sich einer rekonstruktiven chirurgischen Behandlung unterziehen, wie sie dem Radio und Fernsehen der Westschweiz RTS berichtet.

«Ich wusste nicht, was man mir ins Gesicht spritzte. Es war nicht, was ich verlangt hatte, und mir wurde ohne Erlaubnis etwas anderes gespritzt. Das verursachte eine schwere Infektion und hat mein Gesicht zerstört.»

Der Fall Madeleine E.

Für Roberta Vasconcelos, Dermatologin in jener Klinik in Basel, in welcher Daniela nun korrekt behandelt wird, ist dies kein Einzelfall: «Wir sehen immer mehr Komplikationen im Zusammenhang mit ästhetischen Behandlungen. Nicht nur mit PMMA, sondern auch mit Hyaluronsäure, Botox und Laserbehandlungen. In der Schweiz gibt es immer mehr solcher Behandlungen, welche nicht von Ärzten durchgeführt werden.»

Der Bericht von RTS zu Madleine E.

Um dagegen vorzugehen, benötigen die kantonalen Dienststellen Meldungen oder Anzeigen. Doch eine solche zu erstatten, ist nicht immer einfach.

Einige schlagen jedoch Alarm. Im August 2025 meldet ein anonymer Arzt aus der Schweiz eine illegale Behandlung in Genf. Er kontaktiert die hiesige Kantonspolizei via Mail. Die Person habe sich als französische Pflegefachfrau ausgegeben und bot die Injektion von Hyaluronsäure an. Weiter behauptete der Arzt, von der Polizei nie eine Antwort erhalten zu haben.

Im März 2026 starb dann in Frankreich eine Frau in einem Airbnb bei Villeurbanne bei Lyon infolge einer Injektion zur Vergrösserung des Gesässes. Die dort tätige «Pflegerin» trug denselben Namen wie jene, die vom Schweizer Arzt gemeldet wurden. Madeleine E. Sie sitzt mittlerweile in Haft.

Die Kantonspolizei Genf sagte zu dem Vorfall, dass die verwendete Mail – gefunden in einer Medienmitteilung der Staatsanwaltschaft von 2022 unter dem Titel «Fake injectors': Aufruf an Geschädigte» – nicht mehr in Betrieb gewesen sei. Allerdings gab es zu dem Zeitpunkt der Meldung nichts, was auf eine Deaktivierung hindeutete.

Diskutieren Sie mit:

RTS A bon entendeur, 9.6.2026, 20:14 Uhr;weds

Meistgelesene Artikel