Ein Patient hat von seinem Arzt eine Rechnung erhalten, bei der er fand, dass das nicht stimmen könne. Er beschwerte sich darüber. «Nach meiner Beschwerde hat sich die Rechnung mehr als halbiert», berichtet er gegenüber dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz (RSI).
Eine andere Patientin tat dasselbe und erhielt als Antwort: «Es ist ein Fehler der Sekretärinnen, wir erstatten Ihnen das Geld sofort zurück.»
Zwei Betroffene berichten über falsche Arztrechnungen:
Seit 2022 ist es obligatorisch, dass jeder Patient und jede Patientin nach dem Besuch bei einem Gesundheitsdienstleister eine Kopie der Abrechnungen erhält. In einer Befragung der Vereinigung der Konsumentinnen und Konsumenten der italienischen Schweiz (ACSI) antworteten 60 Prozent, sie hätten mindestens einmal eine falsche Rechnung erhalten.
Die Organisation geht aber davon aus, dass die meisten Leute die Belege nicht überprüfen. «Es ist mühsam. Man muss den Arzt oder den Gesundheitsdienstleister konfrontieren, Fragen stellen, und man riskiert, das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient zu zerstören. Das Thema ist sehr heikel», betont Cecilia Della Torre von der ACSI.
Lange Liste von Fehlern
Einer der Hauptgründe für Beanstandungen ist die Dauer der Besuche. Gegenüber RSI berichteten Patientinnen und Patienten, dass Konsultationen in der Grössenordnung von 10 Minuten mit 20 oder noch mehr Minuten abgerechnet wurden. Als sie dagegen protestierten, seien die Rechnungen korrigiert worden, und der Betrag habe sich halbiert.
Auch die Rechnung eines Physiotherapeuten wurde korrigiert. Er hatte Gruppensitzungen durchgeführt, diese aber auf der Abrechnung des Patienten als Einzeltherapie deklariert, die viel teurer ist. Ähnlich handelte eine Arztpraxis, die Zuschläge für Notfälle verrechnete, obwohl die Besuche in Zeitfenstern stattgefunden hatten, die nicht als dringlich abrechenbar sind.
Es gibt viele andere Beispiele: falsche Besuchsdaten, Doppeleinträge, also mehrfach wiederholte oder hinter anderen Leistungen versteckte Positionen, oder sogar Abrechnungen für Behandlungen oder Besuche, die gar nie stattgefunden haben.
Fehler im Wert von vier Milliarden pro Jahr
Wie reagieren darauf die Krankenkassen? Sie sind gesetzlich verpflichtet, die Wirtschaftlichkeit der Leistungen zu überprüfen. Jedes Jahr entdecken sie vier Milliarden Franken zu Unrecht verrechneter Leistungen.
«In den meisten Fällen gibt es keine Absicht», sagt Andrea Stöckli, Leiterin Kosten- und Leistungsmanagement bei Helsana, gegenüber RSI. «Es sind Fehler, die passieren können. Wenn wir überhöhte Abrechnungen finden, führen wir einen Dialog mit dem Leistungserbringer, um die Gründe zu verstehen, und fordern bei Bedarf die Rückerstattung. Es ist Geld, das unseren Versicherten zusteht.»
Helsana überprüft systematisch 26 Millionen Rechnungen pro Jahr. Die Krankenkasse verwendet dabei ausgeklügelte Algorithmen. Aber alle Versäumnisse können die Kontrolleure nie entdecken. «Es ist wichtig, dass sich die Patienten bei uns melden», betont David Dey, Analyst bei Helsana. «Dann gehen wir hin und überprüfen den Fall (…) und überprüfen, ob die Sache systematisch ist. Und wenn sie systematisch ist, dann greifen wir ein.»