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Missbrauch von Frauen Wenn Online-Foren zur «Vergewaltigungsakademie» werden

Ein globales Netzwerk von Männern hat sich online organisiert, um ihre Partnerinnen zu betäuben, zu vergewaltigen und zu filmen. Das zeigt eine Recherche des US-Medienunternehmens CNN.

Für die breite Öffentlichkeit bekannt geworden ist diese Form der Gewalt 2024 während des Prozesses in Frankreich gegen Dominique Pelicot. Er wurde für schuldig befunden, in Dutzenden Fällen seine Frau Gisèle betäubt zu haben, damit Männer sie vergewaltigen konnten, die er zuvor online kontaktiert hatte.

Gisèle Pelicot (vorne in der Mitte) an einem Marsch zum Frauentag in Paris.
Legende: Gisèle Pelicot (vorne in der Mitte, an einem Marsch zum Frauentag in Paris) hat mit ihren Aussagen das Schweigen um Vergewaltigungen unter Drogeneinsatz in der Partnerschaft durchbrochen. KEYSTONE /AP Photo, Thibault Camus

Der Fall lenkte die Aufmerksamkeit auf digitale Räume, in denen sich Männer treffen, um Material auszutauschen, Ratschläge zu geben und sich gegenseitig zu ermutigen. Die französische Parlamentarierin Sandrine Josso, die selbst Opfer eines durch Drogen begünstigten Übergriffs wurde, hat diese Online-Foren als «Vergewaltigungsakademie» bezeichnet, wo systematisch gelehrt werde, wie man diese Verbrechen begehe und verberge.

Coco.fr, die Seite, die im Fall Pelicot benutzt wurde, ist inzwischen geschlossen worden. Aber die Recherche von CNN zeigt, dass das Phänomen keineswegs gestoppt wurde. Auf Motherless.com, einer Pornoseite aus den USA, die allein im Februar rund 62 Millionen Besuche verzeichnete, hat das Team von CNN über 20'000 Videos identifiziert, die mit Tags wie #ohnmächtig oder #Augenkontrolle versehen sind.

Übergriff per Livestream

Es handelt sich um Inhalte, bei denen Männer schlafende oder betäubte Frauen filmen, ohne dass diese es wissen. In mehreren der Videos heben die Täter vor der Kamera die Augenlider ihrer Opfer, als Beweis dafür, dass sie bewusstlos sind. Einige dieser Videos haben über 50'000 Aufrufe erreicht.

Motherless.com ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Die Untersuchung zeigt, wie um diese Inhalte herum ein viel komplexeres System existiert, das auch auf dem Mitteilungsdienst Telegram aktiv ist. Dort tauschen Nutzer Ratschläge aus über zu verwendende Medikamente. Einige bieten sogar Beruhigungsmittel zum Verkauf an oder organisieren kostenpflichtige Livestreams der Übergriffe.

Hier finden Sie Hilfe bei sexueller Belästigung und Missbrauch

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Bei sexueller Belästigung und sexuellem Missbrauch stehen folgende Stellen zu Ihrer Unterstützung und Beratung zur Verfügung:

Eine der missbrauchten Frauen, die in der CNN-Serie zu Wort kommen, ist Zoe. Sie entdeckte nach 16 Jahren Ehe und vier Kindern, dass ihr Mann ihr abends Schlafmittel in den Tee gegeben hatte, um sie zu missbrauchen. Das Geständnis kam an einem gewöhnlichen Sonntag, bei der Rückkehr aus der Kirche. «Er ratterte eine Liste seiner Untaten herunter, als wäre es ein Einkaufszettel», berichtete sie.

Der Mann wurde zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Aber für Zoe endete das Trauma damit nicht. Einige Personen sagten ihr: «Aber er ist doch dein Ehemann? Das ist nicht dasselbe, wie in eine Gasse gezerrt zu werden.»

«Bruderschaft» unter den Nutzern

Gemäss den von CNN befragten Experten haben Pornos dazu beigetragen, die Gewalt gegen Frauen zu normalisieren, indem sie diese als Unterhaltung darstellten. Die Algorithmen, die extreme Videos bevorzugen, begünstigen die Verbreitung dieser Inhalte.

Die Psychologin Annabelle Montagne hat manche der Angeklagten im Pelicot-Prozess evaluiert. Sie stellte fest, dass in den digitalen Foren, in denen diese verkehrten, eine Art «Bruderschaft» unter den Nutzern existiert. Das Netz ist für sie nicht nur ein Mittel, um auf die illegalen Videos zuzugreifen, sondern auch ein Raum, in dem Übergriffe kollektiv gefördert und normalisiert werden.

Telegram hat die von CNN identifizierte Gruppe entfernt, und Motherless.com wurde mit einer Busse belegt. Aber die Eigentümer der Plattformen bleiben meist unbehelligt.

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RSI, Seidisera, 09.04.2026, 18:00 Uhr; noes

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