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Nach Babymilch-Skandal Warum kam der Rückruf in der Schweiz so spät?

Drei Tage dauerte es, bis die Schweizer Behörden Nestlés Rückruf für seine kontaminierte Babymilch veröffentlichten. Und das, obwohl in zahlreichen europäischen Ländern bereits Rückrufaktionen liefen.

Nach dem Skandal um kontaminierte Säuglingsmilch im Januar stellt sich die Frage nach den Kontrollen.

Nestlé schlug als erste betroffene Firma Alarm: zunächst in den Niederlanden, wo der Lebensmittelriese Cereulid in seinem Babymilchpulver fand. Der Giftstoff kann Erbrechen und Durchfall verursachen.

Nestlé informierte die niederländischen Behörden am 10. Dezember 2025 und führte am selben Tag die erste Rückrufaktion für Milchpulver in 16 europäischen Ländern durch.

Damals wurde auch das Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) informiert. Allerdings hiess es damals noch, dass die Schweiz von den problematischen Chargen nicht betroffen sei.

Was geschah in den drei Tagen?

Am 2. Januar, nach neuen, vertieften Analysen, nahm Nestlé, dessen Sitz in Vevey liegt, Kontakt mit den Behörden des Kantons Waadt auf. Dann vergingen drei ganze Tage, bis das BLV von den kantonalen Behörden informiert wurde – nach eigenen Angaben erfuhr es am 5. Januar davon. Die Bundesbehörde veröffentlichte dann den Rückruf von Nestlé.

Was geschah zwischen dem 2. und dem 5. Januar?

Warum wartete der Kanton Waadt drei Tage, obwohl zu jenem Zeitpunkt bereits Rückrufaktionen in 16 europäischen Ländern liefen? Haben die Schweizer Behörden versagt? Es bleiben Unklarheiten.

Vieles bleibt unklar: Beitrag von RTS (dt. Untertitel):

Das Schweizer System beruht auf Selbstkontrolle.

Die Hersteller, Importeure und Händler müssen sicherstellen, dass ihre Produkte für die Gesundheit unbedenklich sind. Der Bund kontrolliert die Sicherheit der Produkte an der Grenze. Die Kantone überprüfen Produkte auf Schweizer Boden mit unangemeldeten Inspektionen.

Für ein Unternehmen, das Milchprodukte herstellt, schreibt das Gesetz mindestens alle zwei Jahre eine Kontrolle vor. Das Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) hat Behörden kontaktiert – sie wollen jedoch nicht sagen, wie oft Nestlé in letzter Zeit kontrolliert wurde.

Bereits wieder kontrolliert

Gemäss Informationen von RTS wurden die drei Produktionsstandorte von Nestlé im Kanton Waadt letztes Jahr vier und dieses Jahr einmal kontrolliert.

Die Kantonschemiker führen auch Analysen von Produkten im Labor durch. Nicht alle Lebensmittel werden dabei systematisch kontrolliert. Die Kantone müssen Prioritäten setzen, je nach den Risiken für die Bevölkerung. Kinder und ältere Menschen sind grundsätzlich anfälliger für problematische Lebensmittel.

Ein Labor in jedem Kanton

2024 wurden in der Schweiz 46 Analysen von Milchpulver durchgeführt. Damals wurden keine Probleme festgestellt. Zu diesem Zeitpunkt suchten die Chemiker allerdings nicht nach Cereulid, weil es dafür keine Norm gab. Erst Anfang Februar legte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Grenzwerte für Cereulid fest – als Reaktion auf den jüngsten Skandal.

Seit dem Ausbruch des Skandals hat der Kanton Genf mehr als 60 Proben von Milchpulver analysiert. Sechs wiesen Spuren von Cereulid auf, aber auf sehr niedrigem Niveau, weit unterhalb der toxikologischen Bewertungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit.

Der Kanton Waadt hat seinerseits am Mittwoch Nestlé getroffen, um sicherzustellen, dass die richtigen Massnahmen ergriffen wurden.

SRF4News, 25.2.2026, 18 Uhr; herb

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