Vor dem Kap der Guten Hoffnung lebt eine der bedeutendsten Populationen von Meeressäugern weltweit. Buckelwale, Orcas, Pottwale und Delfine machen Südafrika zu einem wichtigen Gebiet für die Beobachtung und den Schutz dieser Tiere.
Eine neue Bedrohung ist der stark gestiegene Schiffsverkehr. Immer mehr Frachtschiffe durchqueren die Region.
Warnung der Internationalen Walfangkommission
Auf diese Entwicklung weist eine aktuelle Studie hin, die an einer Sitzung der Internationalen Walfangkommission (IWC) vorgestellt wurde. Der Organisation gehören 88 Staaten an, darunter auch die Schweiz, vertreten durch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen.
Zwischen dem 1. März und dem 24. April 2026 umfuhren durchschnittlich rund zwanzig Handelsschiffe pro Tag das Kap der Guten Hoffnung. Im gleichen Zeitraum des Jahres 2023 waren es lediglich sechs. Das geht aus Daten der Plattform Port Watch des Internationalen Währungsfonds hervor.
Umleitung globaler Handelsrouten
Der starke Anstieg hat mehrere Ursachen. Eine Rolle spielt die Schliessung der Strasse von Hormus, die am 28. Februar 2026 nach Angriffen Israels und der USA auf den Iran begann. Die Suche nach alternativen Routen setzte jedoch bereits früher ein.
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Seit 2023 greifen Huthi‑Rebellen im Jemen Schiffe im Roten Meer an und kapern sie. Der Seeweg gilt seither als gefährlich. In der Folge werden heute rund 70 Prozent des Warenverkehrs durch den Suezkanal über das Kap der Guten Hoffnung umgeleitet.
Höheres Kollisionsrisiko für Wale
Die neue Verkehrsverteilung alarmiert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Internationalen Walfangkommission. Sie warnen vor einem stark erhöhten Risiko von Schiffskollisionen mit Walen vor Südafrika.
Solche Zusammenstösse gelten heute als grösste nicht natürliche Bedrohung für grosse Wale. Das Ausmass ist schwer zu erfassen, da getötete Tiere meist auf den Meeresgrund sinken. Die Wale selbst erkennen die Gefahr oft nicht, da sie beim Fressen abgelenkt sind.
Wie lassen sich Wale schützen?
Das Problem betrifft nicht nur Südafrika. Laut einer Studie der American Association for the Advancement of Science überschneiden sich 92 Prozent der Lebensräume von Walen mit Schifffahrtsrouten.
Fachleute sehen deshalb in alternativen Routen eine wirksame Massnahme. Schon kleine Kursänderungen können das Kollisionsrisiko um bis zu 50 Prozent senken.
Ein Beispiel dafür lieferte 2022 die Schweizer Reederei MSC. Sie leitete ihre Schiffe vor der Westküste Griechenlands um, um Kollisionen mit Pottwalen zu vermeiden. Eine im Mittelmeer aktive NGO‑Koalition erklärte, dass sich das Risiko dort um fast 75 Prozent reduzieren liesse, wenn alle Schiffe solche Anpassungen vornehmen würden.
Freiwillige Massnahmen der Branche
Der World Shipping Council, der wichtigste Branchenverband der globalen Schifffahrt, stellt Routenplanern eine Liste sensibler Gebiete zur Verfügung. Dort wird empfohlen, die Geschwindigkeit zu reduzieren und Sichtungen von Walen per GPS zu melden. Das Umfahren geschützter Gebiete ist bislang freiwillig.
Im südlichen Afrika sind die Vorgaben weniger streng als in anderen Weltregionen. Die Empfehlungen finden sich auch im Strategieplan der Internationalen Walfangkommission. Ziel ist es, das Problem der Schiffskollisionen bis 2032 deutlich zu entschärfen.