Im Gegensatz zu Washington äussert sich Teheran nur zurückhaltend zu den Spannungen am Persischen Golf. Doch die Botschaft ist klar: «Verhandlungen bedeuten Geben und Nehmen und nicht, auf Maximalforderungen zu beharren», erklärte der Sprecher des iranischen Aussenministeriums, Ismail Baghai, kürzlich gegenüber einem indischen Fernsehsender. Die USA versuchten, dem Iran ihren Willen aufzuzwingen – und das werde man niemals akzeptieren.
Die iranische Führung glaubt, sie habe Trump in die Enge getrieben.
Doch was genau der Iran bereit zu geben ist und was er nehmen will, darüber schweigt die offizielle Seite. Das sei eine taktische Haltung, analysiert der iranisch-amerikanische Historiker Arash Azizi: «Die iranische Führung glaubt, sie habe Trump in die Enge getrieben.» Deshalb beharre sie auf ihren Forderungen in der Annahme, die USA würden früher oder später einlenken müssen.
Maximalforderungen auf beiden Seiten
Der Iran hat ebenfalls Maximalforderungen: Eine vollständige Aufhebung der jahrzehntealten Sanktionen, die Freigabe aller eingefrorenen iranischen Vermögenswerte im Ausland und die Anerkennung der Machtansprüche Teherans auf die Strasse von Hormus. Solange beide Seiten glauben, den Streit durch Druck für sich entscheiden zu können, werden sie auf ihren Positionen beharren. «Keine Seite will den Eindruck erwecken, auf eine Lösung angewiesen zu sein», so Azizi.
Derzeit verhandeln die Parteien nicht einmal indirekt, sondern tauschen lediglich über den Vermittler Pakistan diplomatische Noten aus. Dabei profitiert niemand von der gegenseitigen Blockade – am wenigsten der Iran selbst und die von den Lieferungen abhängigen Märkte in Asien.
Ein Druckmittel, aber für welches Ziel?
Mit der Kontrolle über die Seestrasse hat der Iran ein enormes Pfand in der Hand. Doch die Regierung scheine sich unsicher zu sein, wie sie es einsetzen soll. «Es ist wie bei einer Geiselnahme», erklärt Historiker Azizi. «Die Geisel ist nur von Nutzen, wenn man weiss, wogegen man sie eintauschen will.» Genau hier scheint es zu hapern: Soll die Strasse für Sanktionserleichterungen geöffnet werden oder dafür, das umstrittene Atomprogramm weiterführen zu können?
Laut Ali Vaez von der International Crisis Group ist die wohl dringendste Forderung Teherans die Aufhebung der Sanktionen. «Solange die Sanktionen bestehen, wird der Iran die Seestrasse kontrollieren wollen, um alternative Einnahmen zu sichern.» In der Atomfrage hingegen wäre Teheran laut Vaez zu Konzessionen bereit. So habe das Land seit dem sogenannten Zwölftagekrieg kein Uran mehr angereichert. Das war eine zentrale Forderung der USA. Dieser Verzicht könnte verlängert werden. Das grundsätzliche Recht auf ein Atomprogramm sei für Teheran jedoch kaum verhandelbar. Ohnehin wolle der Iran erst über die Atomfrage sprechen, wenn der Krieg auf allen Fronten beendet sei, sagt der Historiker Arash Azizi.
Die iranische Position
Laut den beiden Experten lässt sich die iranische Position also im Wesentlichen so zusammenfassen: Teheran wäre wahrscheinlich bereit, die Strasse von Hormus zu öffnen, wenn im Gegenzug die Sanktionen aufgehoben werden. Über alles andere – insbesondere das Atomprogramm – sei die iranische Führung aber wohl erst dann zu Verhandlungen bereit, wenn die Konfrontation beendet ist und Teheran internationale Garantien gegen weitere Angriffe erhält.
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