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Olympische Winterspiele Die Grauzonen des Dopings: zwischen Optimierung und Betrug

Das Training für Grossanlässe wie die Olympischen Spiele ist so stark von Technologie und Medizin beeinflusst, dass es zuweilen schwierig wird, zu unterscheiden, was noch legitime Leistungssteigerung ist und was Doping. Ein Experte gibt Einblick in diese Grauzonen des Dopings.

Spitzensport beschränkt sich nicht mehr auf die einfache Selbstüberwindung. Hochspezialisiertes Training, innovative Technologien und Vorbereitung mit Hilfe von Medikamenten verwischen die Grenze zwischen legitimer Optimierung und Betrug.

Raphaël Faiss, Forschungsleiter am Institut für Sportwissenschaften der Universität Lausanne, bezeichnet diese Praktiken als «weder ganz weiss noch ganz schwarz».

Solche Kältekammern werden in der Kryotherapie eingesetzt.
Legende: Solche Kältekammern werden in der Kryotherapie eingesetzt. AFP/EMMANUEL DUNAND

Ein Beispiel dafür ist die Kryotherapie. Dabei wird der Körper kurz sehr niedrigen Temperaturen aussetzt, um Entzündungen zu reduzieren oder die Erholung zu beschleunigen. Das ist grundsätzlich erlaubt.

Aber die Kryotherapie wird teils sehr intensiv genutzt, etwa durch wiederholte Anwendung am selben Tag, extrem niedrige Temperaturen oder völlig unübliche Anwendungsdauern. All das schafft einen physiologischen Vorteil, der schwer von einer künstlichen Hilfe zu unterscheiden ist.

Höhentraining in der Kammer

Ein anderes Beispiel sind die Hypoxiekammern. Das sind Kammern, die künstlich Höhenbedingungen reproduzieren, um die Produktion roter Blutkörperchen zu stimulieren. Das ist in der Sportwelt ein gut bekanntes Phänomen, das mit Höhentrainings avisiert wird.

Aber wenn die Hypoxiekammern sehr intensiv angewendet werden, können Effekte erzeugt werden, die nahe an das herankommen, was die Dopingbekämpfung zu vermeiden versucht.

Die Ausführungen des Dopingexperten Raphaël Faiss zum Thema:

Der Experte Raphaël Faiss weist auf die Schwierigkeit hin, wo die Grenze zu ziehen ist. «Wenn man in der Schweiz aufwächst, hat man das Glück, Trainingslager in St. Moritz zu machen. Aber wenn man in Belgien oder am Meer aufwächst, ist das sofort viel schwieriger», argumentiert er.

Sein Institut sei – genauso wie die Welt-Anti-Dopingbehörde – zum Schluss gekommen, dass die potenziellen Vorteile dieser Instrumente nicht grösser seien, als wenn man auf natürliche Art in der Höhe trainiere.

Biologischer Pass schafft Gewissheit

Training unter Hitzestress und die Verwendung von Inhalatoren bei kalten Bedingungen sind weitere Beispiele für Grauzonen. Diese Praktiken, obwohl nicht verboten, können die Leistung erheblich verbessern.

Der Fall von Ritalin zeigt ebenfalls die Komplexität der Regulierung. Im Wettkampf ist es verboten. Es kann aber mit medizinischer Begründung zugelassen werden. «Man muss wirklich eine Begründung haben, die beweist, dass es keine anderen Medikamente gibt, die diese Erkrankung beim Athleten behandeln können», erläutert Faiss.

Damit solche Praktiken eingedämmt werden können, braucht es klare Grenzen. Der Dopingexperte hält den sogenannten biologischen Pass für ein probates Mittel. Er ermöglicht eine Langzeitüberwachung der Athletinnen und Athleten. «Athleten werden auch ausserhalb des Wettkampfs getestet», erläutert er. «Das hilft, abnormale Leistungen zu erkennen, selbst wenn die verbotenen Substanzen nicht mehr nachweisbar sind.»

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RTS, CQFD, 10.02.2026, 10:06 Uhr; noes

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