Im Durchschnitt würden Patientinnen und Patienten nach dem Absetzen solcher Medikamente rund 400 Gramm pro Monat zunehmen. Das zeigt eine Auswertung des British Medical Journal. Das ursprüngliche Körpergewicht sei nach eineinhalb bis zwei Jahren wieder erreicht.
Damit verlaufe die Gewichtszunahme deutlich schneller als nach einer Gewichtsabnahme ohne Medikamente, also durch Ernährungsumstellung und regelmässige Bewegung. Gleichzeitig würden sich auch gesundheitliche Verbesserungen wie stabilere Blutzuckerwerte, Blutdruck oder Cholesterinspiegel wieder abschwächen.
Wie wirksam sind Medikamente wie Ozempic?
«Diese Ergebnisse überraschen mich nicht, denn Adipositas ist eine chronische Krankheit», erklärt Lucie Favre gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen RTS. Sie ist Endokrinologin und Adipositas‑Spezialistin am Lausanner Universitätsspital CHUV. «Wie bei jeder chronischen Erkrankung ist mit einem Rückfall zu rechnen, wenn die Behandlung beendet wird.»
Favre zieht einen Vergleich mit Typ‑2‑Diabetes: Wird ein Medikament abgesetzt, steigt der Blutzucker wieder an. Ähnlich sei es bei Adipositas. «Eine Patientin oder ein Patient kann mit Medikamenten aus der Adipositas herauskommen, gilt aber nicht als geheilt.»
Medikamente langfristig nötig?
Müssen diese Medikamente also lebenslang eingenommen werden, um eine erneute Gewichtszunahme zu verhindern? In der klinischen Praxis zeige sich, dass viele Betroffene tatsächlich eine langfristige Behandlung benötigten, sagt Favre. Das bedeute jedoch nicht zwingend hohe Dosierungen oder dauerhafte Injektionen.
Für den Gewichtserhalt seien zwei Punkte entscheidend: Eine nachhaltige Gewichtsabnahme in der Anfangsphase und Lösungen, die einen längerfristigen Zugang zur Behandlung ermöglichen.
Muskelverlust spielt eine Rolle
Auch die Art der Gewichtsabnahme ist laut Favre entscheidend. Medikamente gegen Adipositas führen oft zu einem raschen Gewichtsverlust. Dabei geht nicht nur Fett verloren, sondern auch Muskelmasse. «Muskeln sind ein zentraler Faktor für den Stoffwechsel», erklärt sie. Sie bestimmen, wie viel Energie der Körper im Ruhezustand verbraucht.
Geht bei einer schnellen Gewichtsabnahme dauerhaft Muskelmasse verloren, sinkt der Grundumsatz. Wird das Medikament dann abgesetzt, nimmt das Körpergewicht rasch wieder zu.
Enge medizinische Begleitung
Diese Entwicklung sei jedoch nicht zwangsläufig, betont Favre. Sie verweist auf die bariatrische Chirurgie. Auch dort ist der Gewichtsverlust rasant. Dennoch kommt es langfristig nicht zwangsläufig zu einer raschen Gewichtszunahme.
Entscheidend sei eine enge medizinische Begleitung. Dazu gehörten regelmässige Bewegung, möglichst mit Krafttraining, sowie eine ausreichende und qualitativ hochwertige Proteinzufuhr während der Phase der Gewichtsabnahme.