Es gab eine Zeit, in der Menschen ihr Land und seine Ressourcen genau kannten. Archäologische Funde aus der Poebene zeigen das eindrücklich. Vor rund 3500 Jahren entstanden dort zahlreiche Siedlungen – darunter grosse Dörfer mit mehreren hundert Menschen.
Das markiert einen Bruch mit früheren Epochen. Im Neolithikum und in der Kupferzeit hielten Dörfer oft nur wenige Generationen. Dann mussten sie weiterziehen, weil die Umgebung übernutzt war. «In der Bronzezeit hingegen scheinen die Gemeinschaften gelernt zu haben, ihre Siedlungen über Jahrhunderte stabil zu halten», sagt Maurizio Cattani, Professor an der Universität Bologna, gegenüber dem Radio und Fernsehen für die italienischsprachige Schweiz (RSI).
Bronzezeit als Modell für nachhaltige Ernährung (dt. Untertitel)
Von diesem demografischen Erfolg ausgehend startete das Projekt OnFoods in prehistory. Ziel: die Ernährung jener Zeit untersuchen – und daraus Hinweise für nachhaltige Landnutzung für die Gegenwart gewinnen.
Die Studie wurde interdisziplinär durchgeführt. Die Archäobotanikerin Maria Letizia Carra untersuchte Pflanzenreste aus den Siedlungen. «Die meisten Funde sind verkohlt – Hitze hat organisches Material in Kohle verwandelt. Das stoppt die Zersetzung und erhält die Reste», erklärt sie.
Die Analysen ergeben ein klares Bild: Rund 70 Prozent der Ernährung basierte auf Getreide. Angebaut wurden vor allem Gerste, verschiedene Dinkel‑ und Weizensorten sowie kleinkörnige Arten wie Hirse, Roggen und Hafer. Dazu kamen Hülsenfrüchte und Wildfrüchte.
«Das zeigt eine vielfältige und anpassungsfähige Ernährung. Man nutzte die eigene Produktion – und in schwierigen Jahren zusätzlich das, was die Umgebung bot», sagt Carra. Voraussetzung dafür: genaue Kenntnis des Lebensraums und der verfügbaren Ressourcen.
Eine Portion Saatgut – das Zwanzigfache an Ernte
Um über die Funde hinauszugehen, setzte das Team auf experimentelle Archäologie. «Wir bewirtschafteten Felder unter Bedingungen, die der Bronzezeit sehr nahekommen», so Maurizio Cattani. Verwendet wurde historisches, nicht genetisch verändertes Saatgut. Der gesamte Weg von der Aussaat bis zur Ernte wurde begleitet.
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Das Ergebnis überrascht: Aus einer Portion Saatgut wuchs das Zwanzigfache an Ernte. Auf einen Hektar gerechnet sind das rund 14 Doppelzentner – deutlich mehr, als viele historische Quellen erwarten lassen.
Was bedeutet das für den heutigen Anbau? Für Cattani ist der Unterschied die Art der Landnutzung. Die Menschen der Bronzezeit nutzten ihren Boden bewusst und langfristig. Alles wurde lokal produziert, ohne Dünger und ohne Übernutzung. Der Boden blieb fruchtbar. «Die moderne Landwirtschaft setzt stark auf chemische Dünger. Langfristig kann das den Boden so verändern, dass er über lange Zeiträume kaum nutzbar bleibt.»