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Tödliche Skiunfälle Dem heute üblichen Tempo auf Skipisten ist kein Helm gewachsen

Skihelme sind dafür konzipiert, einem Aufprall mit maximal 20 km/h standzuhalten. Diese Schwelle liegt weit unter dem Tempo, das heutzutage auf Pisten üblich ist. Beim Test mit einer höheren Geschwindigkeit schneiden die Helme entsprechend schlecht ab.

Mittlerweile schützen die allermeisten Schneesportler auf den Skipisten ihren Kopf mit einem Helm. Auch wenn er in der Schweiz nicht obligatorisch ist, entscheiden sich 95 Prozent der Skifahrerinnen dafür, einen zu tragen. Aber wie gut schützt er uns wirklich?

So wurden die Helme auf ihre Widerstandskraft getestet:

Ein Test der RTS-Konsumsendung «A bon entendeur» zusammen mit SRF «Kassensturz» zeigt die Grenzen dieses Schutzes auf. Im Test wurden die Helme deutlich härter getestet, als es die offizielle Norm verlangt. Von 16 Modellen der wichtigsten Hersteller auf dem Schweizer Markt schützte dabei keiner zuverlässig.  

Das grundsätzliche Problem: Die Helme werden gemäss der offiziellen Norm EN 1077 im Labor mit Geschwindigkeiten von 20 Km/ getestet. Heute werden auf den Pisten jedoch viel höhere Geschwindigkeiten erreicht. 75 Prozent der Skifahrerinnen und Skifahrerschneller als 50 km/h fahren. 18 Prozent von ihnen erreichen sogar 75 km/h. Um näher an der Realität zu liegen, liess «Kassensturz» deshalb statt mit 20 mit 50 Km/h testen.

Gesetzliche Anforderungen erfüllt

Getestet wurden von RTS Helme der Marken Oakley, Uvex, Atomic, Head, Salomon, Albright, Giro, POC und Wedze. Alle erfüllen die offizielle Norm. Doch keiner von ihnen hält dem verschärften Labor-Test stand.

Bei 50 km/h mass das Labor in den wenigen Millisekunden des Aufpralls Werte von bis zu 2400 g (Mass für die Beschleunigung). Zum Vergleich: Im Normtest dürfen 250 g nicht überschritten werden. «Bei 2400 g kann man davon ausgehen, dass der Aufprall tödlich wäre.» Zu diesem Schluss kommt Fabien Breda, Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Hepia in Genf, der den Test durchgeführt hat.

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Das Problem ist den Fachleuten bekannt. Zu ihnen gehört Dominique Pioletti, Professor am Labor für biomechanische Orthopädie der ETH Lausanne. Die Norm müsse angepasst werden, erklärt Pioletti gegenüber «Kassensturz». Damit die Hersteller gezwungen würden, die Sicherheit ihrer Produkte zu verbessern.

Der Experte sieht bei zwei Punkten Handlungsbedarf: Zunächst bei der Geschwindigkeit: «Ich glaube nicht, dass wir Helme herstellen können, die bis zu 50 km/h wirksam sind. Aber wir könnten mehr erreichen als 20 km/h. Ich denke, die Grenze dessen, was wir schaffen könnten, läge bei etwa 40 km/h» – also doppelt so viel wie die aktuelle Norm.

Nur bei linearer Beschleunigung getestet

Pioletti fordert eine weitere Verschärfung der Norm: «Getestet werden in der Norm nur gerade, direkte Aufpralle. In der Realität stürzt man oft schräg – dabei entstehen Drehbewegungen, die für das Gehirn am gefährlichsten sind.»

Reaktionen Hersteller

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Auf die Testergebnisse angesprochen, betonen die Marken Giro, POC und Head, dass der Test ausserhalb der üblichen Normen durchgeführt wurde und dass ihre Helme alle gesetzlichen Sicherheitsanforderungen erfüllt haben.

POC präzisiert ausserdem, dass die Helme entwickelt werden, um die grosse Mehrheit der Stürze zu absorbieren, dass sie aber niemals alle möglichen Szenarien abdecken können.

Zu beachten sei, dass es auch dann, wenn die Sicherheit der Helme unvollkommen ist, dringend empfohlen wird, beim Skifahren oder Snowboarden einen zu tragen.

«Kassensturz» hat beim zuständigen europäischen Komitee für Normen (CEN) nachgefragt. Eine Verschärfung der Norm EN 1077 ist demnach nicht geplant: «Die Wahl der Geschwindigkeit hat mehrere Gefahren und gleichzeitig das Nutzererlebnis berücksichtigt, da ein Helm nicht zu schwer sein oder die Bewegung oder Sicht des Nutzers einschränken sollte (...) Bis jetzt wurde eine Überarbeitung von EN 1077 nicht vorgeschlagen.»

RTS, A bon entendeur, 2.12.2025, 20:10 Uhr;liea

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